Elf Menschen bewahrten die Schlieremer Pilzkontrolleure theoretisch vor einer schweren Vergiftung oder dem Tod. Denn in den vergangenen zehn Jahren sortierten sie gut acht Kilo Giftpilze aus dem Sammelgut aus. Darunter befanden sich 550 Gramm hochgiftige grüne oder weisse Knollenblätterpilze. Die Zeit als unersetzlich wichtige Experten ist für This Schenkel und Beatrice Bickel allerdings um. Sie sind auf Anfang Jahr zurückgetreten.

«Mit über 280 Kilogramm an Kontrollgut war die letztjährige Pilzsaison eine überaus gute und lag um einiges über dem Durchschnitt», erzählt This Schenkel. Für die Schwemme an Schwämmen dürfte vor allem das ideale Pilzwetter mit genügend Feuchtigkeit und Wärme verantwortlich gewesen sein, vermutete er. Zum grossen Sammlerandrang beigetragen haben wohl auch die vielen Artikel und Reportagen in Zeitungen, Radio und Fernsehen über diese Pilzschwemme.

Beatrice Bickel selbst sei besonders das vermehrte Vorkommen an prächtigen Fliegenpilzen aufgefallen. Manche Wälder verzauberten sie mit ihren leuchtend roten Fruchtkörpern und den weissen Tupfen auf dem Hut in wahre Märchenwelten.

Aktives Vorstandsmitglied

Beatrice Bickel war eine beliebte, ausgewiesene Fachkraft der Pilzkontrollstelle Schlieren und der angeschlossen Gemeinden Ober- und Unterengstringen sowie Weiningen. Mit ihrem grossen mykologischen Wissen konnte sie vielen Sammlern hilfreiche Pilztipps mit auf den Weg geben.

Bereits in den 1970er-Jahren hatte sie nach ihren Pilzausflügen Fritz Scheurer, den damaligen Pilzkontrolleur der Gemeinde Schlieren und Präsidenten des Vereins für Pilzkunde Schlieren, aufgesucht. Ihr Motto lautete schon damals: «Kontrollieren geht über Probieren.» Er war es auch, der sie immer wieder aufs Neue für Pilze und ihre Geheimnisse begeistern konnte. Auch habe er sie auf die oft kleinen, aber wichtigen Unterscheidungsmerkmale zwischen Speisepilzen und ihren giftigen Doppelgängern hingewiesen. So erstaunt es nicht, dass sie bereits 1977 dem Verein für Pilzkunde Schlieren beitrat, dem sie später während langer Jahre als aktives Vorstandsmitglied diente.

Auch heute noch unterstützt Bickel aktiv den Verein in der technischen Kommission. Ihr Wissen und ihre Erfahrung im Bereich Pilze an interessierte Mitglieder weiterzugeben, bereite ihr viel Freude. Nachdem sie 2006 die Prüfung zur Pilzkontrolleurin der Schweizerischen Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane (Vapko) absolviert hatte, wurde sie 2012 von der Gemeinde Schlieren als Pilzkontrolleurin gewählt. Während sechs Jahren übte sie das (Neben-)Amt als anerkannte Expertin aus, zusammen mit This Schenkel und Eveline Autenrieth. Dabei begnügte sie sich nicht nur damit, die ungeniessbaren und giftigen Schwämme aus den Körben der Pilzler zu entfernen. Sie nahm sich wann immer möglich Zeit, ihnen die Pilze auf verständliche Weise zu erklären.

Vielseitige Interessen

Bevor This Schenkel im Jahr 2002 die Nachfolge von Walter Leibundgut als Pilzkontrolleur von Schlieren antrat, hatte er bereits vier Jahre für die Stadt Zürich Pilze geprüft. Nach der Ausbildung zum Primarlehrer und drei Jahre Unterricht an der Primarschule Tagelswangen folgte die Ausbildung zum Theaterpädagogen. Seiner Neigung zu Natur und Biologie folgend, wechselte er zu Grün Stadt Zürich, wo er während 15 Jahren als Naturschullehrer tätig war.

Während dieser Zeit absolvierte er das Nachdiplomstudium Umweltwissenschaften an der Uni Zürich. Zusätzlich liess er sich zum Jäger, Wildhüter, Feldornithologen und Feldbotaniker ausbilden. Seit 2008 ist er hauptberuflich als Wildhüter im Fachbereich Vögel für die Stadt Zürich tätig.

In den 90er-Jahren trat Schenkel dem Verein für Pilzkunde Zürich bei. 1998 bestand er die Pilzkontrolleuren-Prüfung der Vapko. Zusätzlich absolvierte er den Kurs zum Spitaldiagnostiker, jenen Spezialisten, die den Arzt bei einer Pilzvergiftung mit Rat und Tat unterstützen, etwa bei der Bestimmung der beteiligten Giftpilze. Während zehn Jahren war er zusätzlich als Vapko-Kursleiter der Region Deutschschweiz für angehende Pilzkontrolleurinnen und -kontrolleure verantwortlich. «Die Möglichkeit, geerntete Wildpilze von ausgebildeten Fachleuten prüfen zu lassen, hat schon viel Leid verhindert, hohe Heilungskosten gespart und viele Leben gerettet», sagt Schenkel.

Nachfolge gesichert

This Schenkel und seine Kollegin Beatrice Bickel schauen gerne auf ihre Tätigkeit im Dienste des Gesundheitsschutzes zurück, wie sie sagen. «Es war eine spannende Zeit», sind sie sich einig. Dass nun beide gleichzeitig den (Pilz-)Hut nehmen, sei Zufall. «Wir hatten immer einen konstruktiv professionellen Umgang mit den Verantwortlichen der Gemeinde und ein freundschaftliches Verhältnis mit den Leiterinnen des Horts an der Zürcher Freie-
strasse 23, wo sich das Pilzkontrolllokal befindet», sagen beide.

Bereits ist auch die Stabübergabe in Schlieren erfolgt: Auf die kommende Saison hin wird die bisherige Kontrolleurin Eveline Autenrieth neu zusammen mit Judith Meier die Aufgabe übernehmen. Meier bringt ebenfalls viel Erfahrung mit: Sie war vorher als Pilzkontrolleurin für die Stadt Winterthur tätig.