Leon Goodall wollte eigentlich bereits am Samstag zum Albisgüetli gehen, um sein Können unter Beweis zu stellen. «Weil ich dann spontan keine Zeit hatte, ging ich gemeinsam mit zwei Kollegen jedoch erst am Sonntag. Ohne grosse Erwartungen», so der 14-Jährige. Der Gymnasiast der Kantonsschule Limmattal mit Schwerpunkt Biochemie schaffte einen guten Start: Sein erster Schuss sei eine Sechs mit Stern gewesen, also direkt in die Mitte der Zielscheibe. Danach folgten drei Sechser- und zuletzt noch ein Fünferschuss: «Von den 34 Punkten war ich selber überrascht. Ein wirklich gutes Ergebnis», sagt er. Nur ein Schuss von der Maximalpunktezahl 35 entfernt. Woher sein Talent stammt, kann er sich selber nicht recht erklären. «Einige Male habe er sich im Bogenschiessen versucht. Auch da braucht es ein ruhiges Händchen.» Dieses braucht es auch bei seinem Hobby: dem Malen. Genauer gesagt mag Goodall das Sprayen von Graffitis. «Illegal tue ich dies jedoch nicht», so der Gymnasiast. Meist übe er seine Kunst im Zürcher Letten aus, wo das Sprayen erlaubt ist, oder in Berlin. In der deutschen Hauptstadt gebe es relativ viele Fassaden und Mauern, die zum Bemalen freigegeben seien.

Ein weitaus mulmigeres Gefühl hatte Goodall beim Ausstechen vom Montagmorgen. «Die vielen Zuschauer haben mich anfänglich schon ein wenig nervös gemacht», sagt er. Doch nachdem er sich hingelegt und zu schiessen begonnen habe, sei die Nervosität wie verflogen gewesen: «Aus dieser Perspektive sieht man die Zuschauer ja auch nicht.» An seine gute Leistung vom Sonntag konnte er dann auch anknüpfen, denn er begann erneut mit einem Sechserschuss samt Sternchen. Fünfer und Sechser wechselten sich im Anschluss ab, was ihm 33 Punkte einbrachte – der dritte Platz hinter der Siegerin Maria Gieser aus Meilen und Nicolas Zeller aus Grüt, der die 35 Punkte im Ausstechen knackte.

Wiedersehen im nächsten Jahr

Bei der gestrigen Preisverleihung sicherte sich Goodall einen Roller. Mit diesem wird er jedoch nicht durch die Strassen Urdorfs kurven: «Ich werde ihn sicherlich verkaufen.» Die erhofften 2600 Franken will er aber nicht verpulvern, sondern sparen. Wofür, weiss er noch nicht. Dies dürfte nicht das letzte Knabenschiessen für den Urdorfer gewesen sein. Noch bis zu seinem 17. Altersjahr ist er zur Teilnahme berechtigt. «Im nächsten Jahr werde ich ganz sicher wieder mitschiessen», so Goodall. Ganz ohne Erwartungsdruck, versichert er.

Erfahrung vom Feldschiessen

Goodall ist jedoch nicht der einzige Limmattaler Teilnehmer, der 34 Punkte erzielte. Fabio Gysi aus Oberengstringen schaffte dasselbe Resultat, obwohl auch er sehr spontan teilnahm. Keineswegs enttäuscht darüber, nicht den ersten Platz erschossen zu haben, sagt er: «Bei mehr als 4000 Teilnehmern ist es eine grosse Leistung unter den ersten dreizehn zu sein.» Seine Fähigkeiten und seine Freude am Schiessen haben ihren Ursprung bei Ausflügen mit seinem Vater zu verschiedenen Feldschiessen. Neben der Lehre als Schreiner, die er derzeit absolviert, ist Fabio Mitglied der Tambourengruppe Kreismusik Limmattal.

Dass auch Mädchen beim Knabenschiessen mitmachen dürfen, stört Fabio überhaupt nicht: «Für mich ist es eine zusätzliche Motivation, noch mehr aus mir herauszuholen und zu Leisten.»