Limmattal

Zwei junge Limmattaler an der Jugendsession in Bern

Auch wenn Andreas Leupi (15) und Nadine Burtscher (18) nicht immer gleicher Meinung sind, an der Jugendsession arbeiten sie als Team.

Auch wenn Andreas Leupi (15) und Nadine Burtscher (18) nicht immer gleicher Meinung sind, an der Jugendsession arbeiten sie als Team.

Andreas Leupi (15) und Nadine Burtscher (18) politisieren an der Jugendsession in Bern. Ihre politischen Meinungen sind zwar verschieden, doch in einem Punkt sind sie sich einig: «Jugendliche werden zu wenig angehört von Politikern.»

«Der Ausländeranteil in der Schweiz ist zu hoch», sagt der 15-jährige Andreas Leupi aus Oberengstringen. Aus dem lockeren Gespräch mit der 18-jährigen Nadine Burtscher aus Dietikon entfacht sich eine angeregte Diskussion über die Migrationspolitik in der Schweiz. Burtscher, Co-Präsidentin des Jugendparlaments Dietikon, will Leupis Aussage nicht so stehen lassen. Die Jugendlichen bieten sich einen politischen Schlagabtausch, in dem sie mit überlegten Argumenten versuchen, den anderen auszustechen.

So unterschiedlich die Meinungen in ihren politischen Ansichten ausfallen, so einig sind sich die Limmattaler Jungpolitiker darin, dass Jugendliche deutlich zu wenig angehört werden von gestandenen Politikern. «Damit geben wir uns nicht zufrieden», sagen sie beide. An der Jugendsession in Bern wollen sie zeigen, dass auch Jugendliche eine Stimme haben. Mit 198 weiteren politisch engagierten jungen Leuten aus der ganzen Schweiz sorgen sie am Sonntag für frischen Wind im Nationalratssaal, reichen ihre erarbeiteten Petitionen ein und stimmen auf den Plätzen der Nationalräte über die selbst erarbeiteten Vorschläge ab.

Gegen die Zensur im Internet

An der Jugendsession haben sich die Gymnasiastin Burtscher und der Informatiklehrling Leupi für dieselbe Themengruppe angemeldet. Es gehe um das Urheberrecht im Internet und um die ACTA-Vorlage, erklärt Leupi. «Die wollen internationale Standards im Kampf gegen Produktpiraterie und Urheberrechtsverletzungen etablieren.» Er ist der Meinung, dass das Internet nicht zensiert werden darf. «Ich finde es normal, dass man sich Filme im Internet ansieht und Musik auf Youtube herunterlädt.» Auch Burtscher ist der Meinung, dass ACTA die Freiheit im Internet zu stark eingrenzt. «Wir müssen möglichst jetzt schon Gesetze festlegen, damit ACTA keine Chance hat, irgendwann in der Schweiz angenommen zu werden», sagt sie überzeugt.

In Zürich werden die beiden Limmattaler zwei Tage lang in ihrer Themengruppe diskutieren und Probleme des Urheberrechts analysieren. Am Freitag machen sich die verschiedenen Teams aus der ganzen Schweiz auf nach Bern, wo am Sonntag jede Gruppe ihre erarbeitete Petition vor der versammelten Jugendsession vorstellt. «Die Petitionen, die vom Jugendparlament gut geheissen werden, überreichen wir dem Nationalratspräsidenten Hansjürg Walter», sagt Leupi sichtlich stolz.

Sich mit Gleichgesinnten treffen

Die Jugendsession sei für sie eine Chance, Politikluft zu schnuppern und zu lernen, sich zu präsentieren, sagt Burtscher. «Ich bin neugierig auf die anderen Jugendlichen», sagt sie. Das ist Leupi auch. Denn in seinem Freundeskreis stösst er mit seinen politischen Anliegen auf taube Ohren. «Ich freue mich, einmal unter Gleichgesinnten zu sein», sagt er. Nebst den persönlichen Erfahrungen, die im Jugendparlament gesammelt werden können, ist sich Burtscher sicher, dass die Jugendlichen durchaus auch etwas erreichen können: «Wenn es genug Politiker gibt, die die Jugend anhören wollen und es zudem noch überlegte Vorschläge sind, die wir ausarbeiten, ist es durchaus möglich, dass eine unserer Petitionen angenommen wird.»

Burtschers Interesse für Politik kommt nicht von ungefähr. Mit ihrer Mutter, die in der EVP und der Schulpfege tätig ist, bespricht sie oft und gerne politische Themen. «Mit meinem Vater, der SVP-Kantonsrat ist, ist das etwas schwieriger», sagt die Dietikerin und lacht. Ihre Meinung habe sich von derjenigen ihres Vaters in gewissen Punkten klar abgespalten. «Dennoch ist es ihm wichtig, dass ich abstimme und mich für Politik interessiere», sagt sie. Klar sagen, welcher Partei sie einmal beitreten will, kann die Dietikerin aber noch nicht. «Rein rhetorisch überzeugt mich jedoch Leuenberger. Wie er gestikuliert und auftritt, finde ich faszinierend.» Leupi hingegen ist «total überzeugt» von der Parteipolitik der SVP. Er kann sich durchaus vorstellen, später einmal für sie nebenberuflich als Nationalrat tätig zu sein.

Meistgesehen

Artboard 1