Gefühlvoll entlockt er seinem Cello zarte, dann aber auch wilde Töne, dazwischen erzählt er die Geschichte von seinem Lebensprojekt «Kantha Bopha», was übersetzt duftende Blume heisst. Jeden Samstag gibt Dr. Beat Richner ein Konzert und das wollen wir nicht versäumen.

1974 kam Beat Richner als Kinderarzt für das Rote Kreuz nach Kambodscha. Doch schon ein Jahr später musste er aufgrund des Bürgerkrieges mit den Roten Khmer evakuiert werden. Bis zum Einmarsch der Vietnamesen vier Jahre später fielen der Schreckensherrschaft Pol Pots über zwei Millionen Kambodschaner zum Opfer.

10 Millionen Kinder behandelt

Nach dem Krieg 1992 bat der kambodschanische König den Schweizer Arzt zurück zu kommen und das von den Roten Khmer zerstörte Kinderspital wieder aufzubauen. Zwei Jahre wollte er bleiben, inzwischen sind 20 Jahre daraus geworden und noch sieht der heute 65-Jährige seinen Auftrag als nicht beendet an.

«Wenn die Finanzierung für 10 bis 15 Jahre gesichert wäre, könnte ich mich zurückziehen», meint er. Doch noch ist das Geld für das Jahresbudget von 42 Millionen immer nur für wenige Monate vorhanden. Vier Millionen davon bezahlt das DEZA (Direktion für Entwicklungszusammenarbeit), zwei Millionen übernimmt der kambodschanische Staat und den Rest muss Richner durch Spendengelder finanzieren.

Die Zahlen, die er präsentiert, sind eindrücklich. In den fünf Spitälern werden 85 Prozent aller erkrankten Kinder Kambodschas behandelt, das waren in den letzten 20 Jahren 10 Millionen. Heute arbeiten 2400 Kambodschaner für Kantha Bopha und nebst Dr. Richner nur noch ein ausländischer Arzt.

Tuberkulose, Dengue-Fieber, Cholera, Hirnhautentzündung und Malaria sind die häufigsten Krankheiten. Die Behandlung in allen Krankenhäusern ist kostenlos, weshalb er von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) kritisiert wird «Wie soll ich von den Eltern der Kinder Geld verlangen, wenn sie dafür ihre einzige Kuh oder den Reisvorrat, der sie bis zur nächsten Ernte ernähren muss, verkaufen müssen» empört sich Richner. 80 Prozent aller Kambodschaner sind arm bis sehr arm. Sie müssen von einem halben Dollar am Tag leben.

Dr. Beat Richner persönlich empfangen

Am Schluss des Konzertes bitte ich den Schweizer Arzt, das Spital besuchen zu dürfen und bekomme einen Termin für nächsten Donnerstag. Kurz vor neun Uhr stehen wir beim Eingang. Während der kurzen Wartezeit kommen laufend Mütter mit ihren Kindern. Wir werden von Dr. Beat Richner persönlich empfangen.

Drei Tage pro Woche arbeitet er dort, vier Tage hier in Siem Reap. Es gibt keinen freien Wochentag für ihn, zu viel ist zu tun. Schnellen Schrittes läuft er mit uns durch einige Abteilungen des Spitals und gibt uns Erklärungen. In einem Raum sind die Mütter mit den Kindern, die heute entlassen werden und jetzt noch auf Medikamente warten.

«Wenn es mir nicht gut geht, wenn ich deprimiert bin, dann komme ich jeweils hierher und danach geht es mir wieder besser», erzählt er uns. Was treibt diesen Mann zu dieser schier unmenschlichen Leistung an? Zwei- bis dreimal pro Jahr fliegt er für wenige Tage in die Schweiz – nicht aber um sich zu erholen, nein, um Geld zu sammeln.

Bald übergibt er uns einem seiner 600 Ärzte und verabschiedet sich. Dieser erzählt uns während der Führung, dass im Moment eine Dengue-Fieber-Epidemie ausgebrochen ist. Seit gestern wurden 140 Kinder mit dieser Krankheit eingeliefert. Ohne Behandlung wären diese Kinder dem sicheren Tod geweiht.

Nach diesem Besuch sind wir überzeugt, dass unsere finanzielle Unterstützung, die wir seit Jahren diesem Projekt zukommen lassen, eine nachhaltige Wirkung hat.

Spenden an die Stiftung Kinderspital Khanta-Bhopa: PC 80-60699-1.