Dietikon
Zwei Ehrendoktortitel für Dietiker Ehepaar

Grosse Würdigung einer grossen Arbeit: Die Universität Bern verleiht dem Dietiker Ehepaar Doris und Peter Walser-Wilhelm den Ehrendoktortitel.

nicole emmenegger
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Limmattaler Zeitung

Die beiden 76-Jährigen werden heute Samstag, 4. Dezember, im Kultur-Casino Bern ausgezeichnet – für rund 40Jahre Forschung über den Berner Patrizier, Staatsmann, Schriftsteller und Philosophen Karl Viktor von Bonstetten (1745–1832) und dessen internationales Beziehungsfeld. Mit der Neugier, der Hartnäckigkeit und der Präzision von zwei Detektiven hat das Ehepaar in verschiedenen europäischen und überseeischen Archiven Schriften, Briefe und Tagebucheinträge gesucht, transkribiert und kommentiert. Das Resultat füllt ein halbes Büchergestell im Salon des Ehepaars Walser: 47 rote und violette Bände, die den Titel «Bonstettiana» tragen. Im April 2011 werden die letzten drei Bände erscheinen.

Herr und Frau Walser-Wilhelm, wie haben Sie reagiert, als Sie von Ihrer Auszeichnung mit dem Ehrendoktortitel erfahren haben?

Doris Walser-Wilhelm: Es war eine Überraschung für uns.
Peter Walser-Wilhelm: Aber eigentlich gehört es sich, nach so langer und intensiver Forschungsarbeit mit Ehrendoktortiteln belohnt zu werden (lacht).

Aus Ihrer Sicht: Wofür haben Sie den Ehrendoktortitel am meisten verdient?

Peter Walser-Wilhelm: Wir haben mit Karl Viktor von Bonstetten einen Schweizer Klassiker im Bereich Literatur und Philosophie wiederentdeckt, von dem nur noch wenige wussten. Wissenschaftlich gesehen handelt es sich also um Grundlagenforschung. Meine Frau hat sogar Russisch, Dänisch und Schwedisch gelernt, um fremdsprachige Texte zu verstehen und zu übersetzen.

Seit Jahren arbeiten Sie fast rund um die Uhr an den «Bonstettiana». Kommt die grosse Langweile, wenn 2011 der letzte Band gedruckt ist?

Peter Walser-Wilhelm: Nein, bestimmt nicht. Karl Viktor von Bonstetten wird uns auch danach noch beschäftigen. Er war nicht nur ein Kosmopolit, sondern auch ein Charmeur und hat sich mit interessanten Frauen umgeben. Dazu gehört seine letzte Gouvernante, die ihn bis zum Tod begleitet hat. Sie war eine Genferin, hat am Weimarer Hof die Töchter des Hochadels erzogen. Über ihr Leben existiert interessantes Archivmaterial, das wir noch erforschen möchten. Wir haben ein derart enges Verhältnis zu all diesen Menschen und ihrer Mitwelt entwickelt, dass sie einfach zu unserem Leben gehören.

Gab es keine Ermüdungserscheinungen in den letzten 40 Jahren?

Doris Walser-Wilhelm: Nein, Karl Viktor von Bonstetten und die Menschen seines stürmischen Zeitalters haben uns nie gelangweilt. Auch unsere «Ferien» verbrachten wir in Archiven. Nicht wir haben diese Sache gesucht, sondern sie uns – und wir sind ihr mit Neugier, Wagemut und Hingabe gefolgt.

Peter Walser-Wilhelm: Dieses innere Feuer fehlt heute vielen Studentinnen und Studenten an den Hochschulen. Und die Professoren sind zu stark in den universitären Betrieb eingebunden, um sich so lange und intensiv einem Forschungsprojekt widmen zu können, wie wir es getan haben. Auch deshalb sind die «Bonstettiana» ein aussergewöhnliches Werk.