Ausstellung
Zwei Dietiker wollen die Begeisterung für Trickfilme entfachen

Besucher werden im «Gleis 21» einen Einblick in das Schaffen regionaler und nationaler Animationsfilmer erhalten – auch die Freizeitanlage Chrüzacher ist mit dabei.

Florian Schmitz
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Die Organisatoren hinter der Trickfilmausstellung: Rolf Brönnimann und Rita Bachofen machen sich Gedanken, wie sie die Räume im "Gleis 21" am besten ausnutzen wollen.
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Eindrücke von der Trickfilmausstellung
Für seinen Stop-Motion-Film "Au Revoir Balthazar" hat Rafael Sommerhalder ganz viele kleine Objekte kreiert, mit denen er seine Welt darstellt.
Claudius Gentinetta setzt sich in "Selfies" kritisch mit der Selbstinszenierung in modernen Gesellschaften auseinander.
Düster wirkt die Figur aus "Imposteur" von Elie Chapuis. Ausschnitte aus Trickfilmen, von denen etwas an der Trickfilmausstellung gezeigt wird. imposteur von elie chapuis
"Fille au Feuilles" von Marina Rossert hat einen plastischen Stil. Ausschnitte aus Trickfilmen, von denen etwas an der Trickfilmausstellung gezeigt wird. fille aux feuilles von marina rosset
Die Zwillinge Sam und Fred Guillaume (im Bild: "Glape et Oisille") waren auch für die Animation von "Max & co" verantwortlich, dem mit 35 Millionen Franken bisher teuersten Schweizer Trickfilm.
Marcel Barelli setzt bei "Uno Strano Processo" auf Farbenpracht. Ausschnitte aus Trickfilmen, von denen etwas an der Trickfilmausstellung gezeigt wird. uno strano processo von marcel barelli
Marjolaine Perretens "Vent de Fête" wirkt fast wie Bleistiftzeichnungen, die zum Leben erweckt wurden.

Die Organisatoren hinter der Trickfilmausstellung: Rolf Brönnimann und Rita Bachofen machen sich Gedanken, wie sie die Räume im "Gleis 21" am besten ausnutzen wollen.

Florian Schmitz

Nicht alle Tage macht eine Wanderausstellung auf ihrem Weg durch die Schweiz Halt in Dietikon. Natürlich sind die Vorzeichen anders, wenn beide Köpfe hinter der Ausstellung selbst aus dem Bezirkshauptort stammen. Im neuen Kulturtreff Gleis 21 wird die nationale Wanderausstellung über Animationsfilme zu sehen sein, die Rolf Brönnimann und Rita Bachofen zusammen zum 50. Geburtstag des Schweizer Trickfilmverbands konzipiert haben. Besonders daran: Neben der allgemeinen Ausstellung wird es auch viel regionales Schaffen zu sehen geben.

Die Vernissage am 26. April ist zwar noch drei Monate entfernt. Doch Brönnimann und Bachofen haben bereits jetzt konkrete Vorstellungen davon, was die Besucher direkt beim Bahnhof erwarten wird. «Als ich das ‹Gleis 21› erstmals gesehen habe, wusste ich, dass es der beste Ort für die Ausstellung ist», sagt Animationsfilmer Brönnimann bei einem Treffen vor Ort. Ursprünglich waren auch Vorführungen im Cinéma Capitol angedacht: Aber das einzige Dietiker Kino wurde nach 88 Jahren Ende 2018 geschlossen. Zurzeit stecken die Organisatoren mitten in den Vorbereitungen. «Gestern haben wir diskutiert, wie wir hier alles platzieren könnten», sagt Brönnimann. «Wir sind ein gutes Team. Er sagt, wo es durchgeht, und ich setze es dann um», ergänzt Bachofen, die selbst keinen filmischen Hintergrund hat.

Trickfilmausstellung

26. April bis 17. Mai, «Gleis 21», Dietikon.

Für die Trickfilm-Kurse von Basil Vogt in der Freizeitanlage Chrüzacher am 29. und 30. April sind noch Plätze frei.

In Dietikon wollen die beiden ein besonderes Augenmerk auf regionale Filmemacher legen. Dabei wird Brönnimann selbst seinen neusten Film «Bolero Station» präsentieren. Sie wollen aber nicht nur bestehende Filmfans ansprechen, sondern auch die Stadt und ihre Bewohner aktiv einbeziehen: «Wir sind total begeistert von Trickfilmen, aber wissen noch nicht, wie das Ganze hier ankommen wird», sagt Brönnimann. Deshalb setzen sie auf lokale Kooperationen.

Mit Potztuusig und Musikschule

So wird eine Gruppe Schüler der Musikschule Dietikon live ausgewählte Kurzfilme vertonen. Und zwei Mal weicht die Kasperlibühne in Monika Schmuckis Theater Potztuusig einer Leinwand, auf der ein Kinderprogramm gezeigt wird. Auf der Freizeitanlage Chrüzacher wird Filmemacher Basil Vogt, der sein neustes Werk erstmals exklusiv in Dietikon präsentieren wird, während der Ausstellung an zwei Tagen einen Animationskurs für Kinder leiten. Und nicht zuletzt wird die Gesprächsreihe «Öises Dietike» einmalig vom Ortsmuseum ins «Gleis 21» umziehen. Moderatorin Helene Arnet wird Brönnimann und Florian Walser, ebenfalls Dietiker und verantwortlich für die Musik in «Bolero Station», auf den Zahn fühlen.

Um Filmtalks zu leiten und Führungen zu geben, wurde Rolf Bächler engagiert, der sich in seinem «Animatorium» in Zürich dem animierten Film widmet. «Er ist ein wandelndes Lexikon», sagt Bachofen.

Die Trickfilmausstellung wird in Dietikon positiv aufgenommen. Die Zusammenarbeit mit der Kulturkommission und den Verantwortlichen vom «Gleis 21» sei herausragend. «Bisher wurde jedes unserer Anliegen von der Stadt unterstützt», sagt Bachofen. Dennoch sei so ein Projekt nur mit viel unbezahlter Arbeit möglich, so Brönnimann. Unter den 30 Mitgliedern des eigens für die Ausstellung gegründeten Vereins hätten sich bereits einige bereit erklärt, während der Ausstellung auch mitzuhelfen.

Set aus «Ma vie de Courgette»

Auch im nationalen Teil, der ab heute als Begleitprogramm zu den Filmtagen in Solothurn zu sehen ist, warten einige Höhepunkte. So präsentiert Claude Barras ein ganzes Puppenhaus, das in seinem oscarnominierten Stop-Motion-Film «Ma vie de Courgette» als Set diente. Und Altmeister Georges Schwizgebel zeigt, wie sein Kurzfilm «Erlkönig» entstanden ist. Einen aussergewöhnlichen Einblick in die Vielfalt des Animationsfilms bietet der Jubiläumsfilm des Trickfilmverbandes. Etwa 40 Filmemacher leisteten einen Beitrag zum 40-minütigen Jubiläumswerk.

Bevor die Wanderausstellung zustande kam, war laut Brönnimann Überzeugungsarbeit nötig, um der Skepsis vieler Animatoren zu begegnen. Doch seit dem Start im September 2018 in Baden im Rahmen des Fantoche-Kurzfilmfestivals «hat die Stimmung total gekehrt und fast alle sind begeistert.» So sehr, dass im Kunstraum Baden rund drei Mal so viele Besucher gekommen seien als noch im Jahr zuvor.