Staatsbeiträge
Zuständige Kommission empfiehlt deutliches Ja zur Limmattalbahn

Die Limmattalbahn muss gebaut werden. Das findet die Kommission für Energie, Verkehr und Umwelt. Zwei Kommissions-Mitglieder der SVP votieren für ein Nein - nicht aus grundsätzlichen Überlegungen, sondern als Reminiszenz an die Kritiker.

Jürg Krebs
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Die Limmattalbahn soll von Altstetten nach Killwangen führen. Am 30.März entscheidet der Zürcher Kantonsrat über das Projekt. Danach ist der Aargauer Grosse Rat an der Reihe.

Die Limmattalbahn soll von Altstetten nach Killwangen führen. Am 30.März entscheidet der Zürcher Kantonsrat über das Projekt. Danach ist der Aargauer Grosse Rat an der Reihe.

ZVG

Die Kommission für Energie, Verkehr und Umwelt beantragt dem Kantonsrat mit 13:2 Stimmen, dem Staatsbeitrag für den Bau der Limmattalbahn zuzustimmen. Dies meldet die KEVU am Donnerstag. Der Kantonsrat hat das Thema an der Sitzung vom 30.März 2015 traktandiert.

Die Vorlage enthält die Zürcher Staatsbeiträge von brutto 755 Millionen Franken für die Bahnstrecke von Altstetten bis zur Kantonsgrenze zwischen Dietikon und Spreitenbach. Die Gesamtstrecke von gut 13 Kilometer wird in Etappen gebaut.

Es handelt sich um die Strecken Bahnhof Altstetten-Schlieren und Schlieren-Killwangen. 136,3 Millionen Franken sind für auf die Limmattalbahn abgestimmte Anpassungen am Strassennetz.

Nach Abzug der Beiträge des Kantons Aargau und des Bundes verbleiben für den Kanton Zürich Kosten für die Limmattalbahn von 510,3 Millionen. Bei der Limmattalbahn kommen im Gegensatz zum Stadtnetz
der VBZ und zur Glattalbahn Zweirichtungsfahrzeugen zum Einsatz. Die erste Etappe soll 2019, die zweite bis 2022 in Betrieb genommen werden. Die Limmattalbahn wird als Verlängerung der Tramlinie 2 der VBZ betrieben.

Die Vorlage gemäss KEVU ist ein Gesamtverkehrsprojekt, das für die Stadtentwicklung im Limmattal "von grösster Bedeutung ist".

Deshalb begrüsst die KEVU laut Mitteilung, dass die beteiligten Städte und Gemeinden die zum Zeitpunkt des regierungsrätlichen Antrags noch offenen Konfliktpunkte in den Räumen Zürich-Altstetten (Linienführung Tram 2), Schlieren (Spitalstrasse) und Dietikon (Führung der Limmattalbahn via Bahnhof) auf lokaler Ebene klären konnten. Der Realisierung der Bahn stehe somit nichts mehr im wege.

Voraussetzung für eine Realisierung sind allerdings die Zustimmung des Kantonsrates und eventuell der Stimmberechtigten. Der Aargauer Grosse Rat wird seine Beratungen über die Vorlage in Kürze aufnehmen.

Mit dem Strassenteil der Vorlage, insbesondere dem Ausbau der Achse Überlandstrasse-Bernstrasse nördlich der Limmat, wird laut KEVU das für die Wirtschaft im Limmattal unerlässliche Funktionieren des Strassennetzes sichergestellt. Die Stadtzentren von Schlieren und Dietikon sollen gleichzeitig vom Autoverkehr entlastet werden.

Kritische Minderheit

Eine Minderheit aus der SVP-Fraktion lehnt diese Vorlage nicht aus grundsätzlichen Überlegungen ab. Sie will damit aufzeigen, dass das Projekt in der Region nicht unumstritten ist. Detailfragen wie die Linienführung, der Standort des Depots oder die Finanzierung waren für ihr Nein nicht ausschlaggebend, heisst es in der Mitteilung.

Darauf angesprochen erklärt Kommissionsmitglied Lorenz Habicher (SVP, Zürich), dass es in der Vorlage keine Punkte gibt, welche eine Ablehnung der Limmattalbahn rechtfertigen würden. Jedoch gelte es auf die Kritik aus dem Limmattal soweit möglich Rücksicht zu nehmen. Zudem weise er darauf hin, dass der Bund seinen Anteil erst für die 1.Etappe gesprochen habe, der Entscheid für die 2.Etappe sei ausstehend. Einen Rückweisungsantrag der SVP gebe es nicht. Es habe keinen in der Kommission gegeben und es werde keinen an der Kantonsratssitzung vom 30.März geben. Eine Mehrheit der SVP-Fraktion sei für die Limmattalbahn. Er selber werde als Minderheitssprecher auf offene Fragen hinweisen.

SP-Limmattal erfreut

In einer ersten Reaktion erklärt die SP Kanton Zürich ihre Zustimmung zur Limmattalbahn. Diese entlaste die Verkehrswege in der stark wachsenden Region. Die gewählte Linienführung für die Limmattalbahn und die neue Routenführung für den motorisierten Individualverkehr entlaste die Zentren. Das die Bahn in Dietikon direkt an den SBB-Bahnhof führe sei entscheidend. Nur so könne Dietikon als Umsteigebahnhof von S-Bahn auf die Limmattalbahn die volle Wirkung entfalten.

Die SP Limmattal ihrerseits zeigt sich "sehr erfreut über den deutlichen Entscheid der kantonsrätlichen Kommission für Energie, Verkehr und Umwelt". Einerseits weise das Limmattal heute und in Zukunft ein sehr grosses Wachstum auf. Andererseits sei die Region sehr stark durch verschiedene überregionale Infrastrukturen belastet. Die verschiedenen Verkehrssysteme wiesen heute schon Kapazitätsengpässe auf. Deshalb sei die Investition in einen zusätzlichen öffentlichen Verkehrsträger für diese zukunftsträchtige Region von äusserster Wichtigkeit.
Die Limmattalbahn werde die Region "deutlich aufwerten und insbesondere den Gemeinden Dietikon, Schlieren und Urdorf eine neue Urbanität verleihen". Zudem: Die Vorlage sei keine reine ÖV-, sondern vielmehr eine Gesamtverkehrsvorlage für das Limmattal und führe auch zu erheblichen Strasseninvestitionen. Die SP Limmattal begrüsse die damit verbundene Entlastung der Zentren vom motorisierten Individualverkehr. Allerdings müssten die Strassenausbaumassnahmen im Zuge des Projektes genau beobachtet werden. Denn insbesondere der Ausbau der Überlandstrasse, welche in Dietikon die Stadt durchschneide und nicht umfahre, müsse verträglich für die angrenzenden Quartiere und den Langsamverkehr gestaltet werden.

GLP
Für die Grünliberalen Kanton Zürich ist die Limmattalbahn ein "wichtiger Entwicklungsimpuls", der bis über die Jahrhundertmitte wirke. Die GLP befürworte deshalb den Bau der Bahn sowie die flankierenden Massnahmen auf der Strasse. Eine dynamische Stadtlandschaft wie das Limmattal brauche aber auch einen Ausgleich. Dieser solle - wie im kantonalen Raumordnungsgesetz vorgesehen - in den Handlungsräumen der Kultur- und Naturlandschaften stattfinden.