Schlieren
«Zusammenspiel und Kameradschaft sind uns wichtig» – Schwyzerörgeli-Gruppe feiert 30-jähriges Jubiläum

Viele der Jubiläumsaktionen fielen dem Coronavirus zum Opfer, dafür üben einige Schwyzerörgeler im Wald.

Lydia Lippuner
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Sie unterhalten die Region seit 30 Jahren: Die Schwyzerörgeligruppe im Jahr 2014.

Sie unterhalten die Region seit 30 Jahren: Die Schwyzerörgeligruppe im Jahr 2014.

zvg Bild: zvg

Ein Auftritt vor dem Spital, eine Gruppenreise und Schwyzerörgelikonzert. Zum 30-jährigen Jubiläum der Schlieremer Schwyzerörgeli-Gruppe wollte man nicht geizen mit Festlichkeiten. Doch nun fielen diverse Aktionen dem Coronavirus zum Opfer oder müssen verschoben werden. «Das einzige was noch nicht abgesagt ist, ist die Einweihung des Dorfplatz Oberengstringen im August. Dort sollten wir alle zusammen vorspielen», sagt Sylvia Bader. Sie ist seit insgesamt 18 Jahren Präsidentin der Gruppe.

Es sei ein wenig eine traurige Zeit. «Und es stinkt uns allein zu üben», sagt Bader. Doch dass die Formation der 28 Örgeler von denen die Mehrheit über 65 Jahre alt ist, sich momentan nicht zum gemeinsamen üben treffen kann, versteht sich von selbst. Doch die Musikanten sitzen nicht untätig herum. Sie packten ihre Schwyzerörgeli und setzten sich nach draussen in die Natur und übten im erlaubten Abstand von zwei Metern ihre Stücke ein. «Manchmal blieben einige Waldspaziergänger stehen und hörten uns zu, es war eine schöne Erfahrung», sagt Bader. Trotzdem vermisst sie das Üben in der grossen Gruppe. Beim «Örgelen» gehe es nicht nur um die Musik: «Zusammenspiel und Kameradschaft sind uns sehr wichtig», sagt Bader.

Nebst Auftritten an eidgenössischen Volksfesten, wie dem auf der Riederalp oder in Bulle. Spielte die Gruppe auch immer wieder im Limmattal auf. An der Stubete oder am Fête de la musique waren sie regelmässig gesehene Gäste. Bader blieb besonders ein Erlebnis hängen. Einmal war die Gruppe an einer Neujahrsfeier in Birmensdorf eingeladen. Aufgrund der Festtagsabwesenheiten war die Gruppe von 28 auf 18 Personen geschrumpft. «Man spielte folglich nicht mehr neben dem gewohnten Sitznachbar, das war eine Herausforderung, aber es gelang», sagt Bader.

1990 wurde die Schwyzerörgeli-Gruppe gegründet: Die Musikantengruppe in ihren Anfängen.

1990 wurde die Schwyzerörgeli-Gruppe gegründet: Die Musikantengruppe in ihren Anfängen.

zvg Bild: zvg

«Wir können einander tragen»

In der Schwyzerörgeli-Gruppe soll jeder mitspielen können. Da die Gruppe eine Grossformation ist, kann sie auch Leute aufnehmen, die noch nicht so sattelfest in ihrem musikalischen Können sind. «Wir können einander tragen», sagt Bader. Aktuell sei die Gruppe konstant und bringe ein gutes Level auf die Bühne. Das liegt auch an der Förderung von Dominik Heller, der die Gruppe seit 2018 als musikalischer Leiter begleitet. Auch wenn die Formation momentan ziemlich konstant sei, rechnet Bader künftig doch mit einigen altersbedingten Abgängen. «Doch ich bin zuversichtlich, dass auch wieder Jüngere nachrutschen», sagt sie.

Nach einer Pause trat Bader das Amt zum zweiten Mal an

Baders Lieblingslied heisst «Zyt zum heiga». Das Lied ist ein langsamer Tanz, den die Schwyzerörgeli-Gruppe bereits seit vielen Jahren spielt. Das sei schon fast bezeichnend für die Situation, in der sie sich nun als Präsidentin befinde. «Ich habe Fluchtgefühle», sagt sie. Eigentlich habe sie den Posten bereits 2011 abgeben wollen. Damals war jedoch niemand bereit die Nachfolge anzutreten. Und gleichzeitig löste sich auch der Vorstand auf. «Ich wollte nicht, dass die Gruppe, nach jahrelangen Einsatz auseinanderfällt», sagt sie. So habe sie den Posten noch einmal übernommen.

Nächstes Jahr wolle sie das Amt aber definitiv abgeben, dieses Mal ist bereits für einen Nachfolger gesorgt. So könne sie sich mehr ihren Freunden, dem Garten und Handarbeiten widmen. «Es wird ein wenig ein Neuanfang», sagt Bader. Trotzdem kommt sie nicht ganz von der Gruppe los: als Musikantin wird sie den Schwyzerörgeli Spielern weiterhin erhalten bleiben. Es gehe um mehr als Musik. Beispielsweise die Jubiläumsreise will sie wenn nicht als Präsidentin, so doch als Musikerin nächstes Jahr miterleben.

Die Schwyzerörgeli Gruppe Schlieren von 1990-2020 – Highlights der letzten Jahre

Gründung im 1990

Die Schwyzerörgeli-Gruppe Schlieren wurde 1990 von Hedy Schläpfer gegründet. Unterstützt wurde sie dabei durch Berti Lüthi und Susi Lagler. Sehr viele Schlieremer Örgelerinnen und Örgeler bekamen ihre Erstausbildung auf dem seltenen Knopfinstrumen durch diese beiden Damen. Dorli Bollinger fertigte damals einen Scherenschnitt an, auf dem Örgeler unter einem Baum zu sehen waren: Dieser wurde das Signet der Gruppe. Die Gruppe probte wöchentlich im alten Schuelhüsli in Schlieren.

1996

1996 Trat die Gründerin und langjährige Leiterin, Hedy Schläpfer zurück und Susi Lagler übernahm das Präsidium bis Ende 1996. «Danach wurde klar, dass eine Gruppe von inzwischen über 65 Mitgliedern, nicht mehr von einer Person allein geleitet werden kann», schreibt Sylvia Bader, Präsidentin der Gruppe. Da sich auch die Aufgaben vervielfältigt hatten, mussten sie auf mehrere Personen aufgeteilt werden. An der Gruppenversammlung im Jahr 1997 wurde eine neue Organisationsform vorgestellt und einstimmig angenommen. Die Gruppe wählte einen neuen Vorstand und beschloss, dass man weiterhin als Interessegruppe in der Freizeitvereinigung Schlieren bleiben wolle.

1999

Mittlerweile hatte die Grossformation nicht mehr Platz zum Proben im alten Schuelhüsli. So wurde die Formation 1999 in zwei Gruppen aufgeteilt: Die eine übte intensiver und die andere sollte weniger anspruchsvolle Proben durchführen. Im Jahr darauf wurde Sylvia Bader zur Präsidentin gewählt.

2002

Im Januar 2002 übernahm Beat Aebersold, Örgelilehrer und muskalischer Leiter von weiteren vier Grossformationen, die musikalische Leitung für die Gruppe. Mit 41 Aktivmitgliedern war die Schwyzerörgeli-Gruppe Schlieren eine der grössten Grossformationen der Schweiz. Die Proben fanden von da an wieder gemeinsam im Theaterkeller, Schulhaus Grabenstrasse statt.

2010

Nachdem die Gruppe 2008 eine Website erhielt, gab Bader 2010 ihren Rücktritt auf das nächste Jahr bekannt. Folglich wurde auch die letzte «Örgeli-post“ verteilt. Da die Gruppe keine Nachfolgerin finden konnte, übernahm die Stellvertreterin, Irma Reimann als Kontaktperson.

2013

Zwei Monate vor der Generalversammlung 2013 teilte Irma Reimann mit, dass nun die Zeit gekommen sei und der gesamte Vorstand, ausser dem musikalischen Leiter zurücktrete. «Das war für alle Mitglieder ein Schock, denn niemand dachte mehr an einen Rücktritt des Vorstandes, obschon das an der letzten GV angekündigt wurde», sagt Bader. Da in so kurzer Zeit kein neuer Vorstand zusammengestellt werden konnte, stiegen Rolf Meier und Sylvia Bader nochmals ein und stellten einen neuen Vorstand zusammen. Aktuell besteht dieser aus Sylvia Bader, Walter Böhringer, Christian Sigrist, Gerhard Burn und Silvia Zahner als Beisitzerin. Momentan spielen 28 Schwyzerörgeli-Spieler in der Schlieremer Gruppe mit.