GC
Zürcher Derby in Emmenbrücke? – «Ein Witz!»

Limmattaler Fussballexponenten beurteilen die Umzugsabsichten des GC unterschiedlich. Für die einen ist es ein «Cabaret», andere können den Schritt nachvollziehen.

Sandro Zimmerli
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Limmattaler Zeitung

«Das ist absolut nicht vorstellbar. Ich werde nicht nach Emmenbrücke fahren, um mir ein GC-Heimspiel anzuschauen», sagt André Wiederkehr. Der Dietiker Ex-Profi hält die Umzugspläne der Grasshoppers vom Zürcher Letzigrund ins Stadion Gersag vor den Toren Luzerns für «einen Witz». Wiederkehr, der in den 1990er-Jahren seine Schuhe für den Grasshoppersclub schnürte, geht mit seinem Ex-Klub hart ins Gericht. «Ich verstehe nicht, was GC für ein Spiel treibt. Die machen Cabaret. Anstatt über die finanzielle Situation zu jammern, sollten sich die Verantwortlichen Gedanken machen, was in der Vergangenheit alles schief lief, dass es so weit gekommen ist», hält er fest.

«Ein taktisches Spiel von GC»

Der Bruch zwischen den Grasshoppers und der Stadt Zürich scheint allerdings endgültig. Die hohen Kosten im Letzigrund und das Nein des Stadtrates zu einer Mietkosten-Reduktion, haben den finanziell angeschlagenen Traditionsverein dazu veranlasst, der Stadt den Rücken zu kehren und sich nach einer neuen Heimat umzusehen. Ein Umzug ins Aarauer Brügglifeld scheitert wohl am Veto des Suhrer Gemeinderates. Dieser ist nicht bereit den Grasshoppers Asyl zu gewähren. GC konzentriert sich deshalb auf das Stadion Gersag in Emmenbrücke.

Dass Zürcher Stadtderbys zwischen GC und dem FCZ dereinst aber tatsächlich in Emmenbrücke stattfinden, glaubt Wiederkehr nicht. «Das ist ein taktisches Spiel von GC in der Hoffnung Geld zu sparen», so Wiederkehr. Er gehe davon aus, dass die Grasshoppers einen Rückzug machen werden und man sich mit der Stadt finden wird. «GC war in der Vergangenheit eine Marke», sagt Wiederkehr. Hätte jemand zu den erfolgreichen Zeiten unter Christian Gross gesagt, dass GC 2011 in Emmenbrücke die Heimspiele austragen werde, hätte man ihn für einen Spinner gehalten.

Stadionfrage ein Skandal?

Ganz anders wird die Situation bei Anhängern des Stadtrivalen eingeschätzt. «Ich verstehe GC. Die so genannte ‹Sportstadt› Zürich macht nichts für den Sport», findet René Strittmatter. Der Weininger war bis letztes Jahr Mitglied des Verwaltungsrates des FC Zürich. Es könne nicht sein, dass nur kulturelle Einrichtungen wie das Schauspielhaus in den Genuss von Subventionen kommen und die Sportvereine leer ausgehen.

«An Profivereinen sind grosse Juniorenabteilungen angegliedert. Es wird viel für die Jungen gemacht. Davon ist aber nicht die Rede», so Strittmatter. Zudem sei die Stadionfrage ein «Skandal». Das Volk habe ein neues Stadion auf dem Hardturm-Areal schon vor langer Zeit gutgeheissen. Von einem Neubau sei man aber noch weit weg. Strittmatter stellt der Politik deshalb kein gutes Zeugnis aus: «Wenn der FCZ gegen Real Madrid spielt, kommen alle. Wenn es darum geht, Farbe zu bekennen, steht keiner hin.»

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