1914 wurde der Turnverein durch den Spreitenbacher Lehrer Karl Näf ins Leben gerufen. Sein Ziel: Den jungen Burschen körperliche Ertüchtigung ermöglichen. Der Ruf nach dieser kam ursprünglich allerdings aus einer anderen Ecke: Die militärische Landesverteidigung verlangte nach kräftigen, beweglichen Soldaten. Deshalb rief die Armee den militärischen Vorunterricht ins Leben. Aus dieser Körperschule heraus entwickelten sich Gruppierungen, die ihre Beweglichkeit und Leistung längerfristig trainieren wollten. Es entstanden die ersten Turnvereine, steht in der Festschrift 75 Jahre Turnverein Spreitenbach, verfasst von Kurt Wassmer.

Allerdings stand es um die Finanzen des jungen Vereins nicht zum Besten. 1915 wies die Jahresrechnung einen Bestand von 16.94 Franken aus, generiert aus den Monatsbeiträgen der Mitglieder in der Höhe von 50 Rappen. Dieser Batzen reichte nicht, um Turngeräte zu kaufen. Ein Barren kostete damals 170 Franken. Deshalb anerbot der damalige Präsident, den Barren auf eigene Rechnung anzuschaffen. Doch um den Barren «abstottern» zu können, musste eine Geldquelle her. Deshalb wurde zwei Jahre nach Vereinsgründung eine erste turnerische Vorführung mit musikalischer Umrahmung ins Auge gefasst.

Zusammen mit dem gemischten Chor Cäcilia wurde im Sternen-Saal eine Vorstellung auf die Beine gestellt. Turnerisch kamen Barren-, Keulen- und Freiübungen zum Zug, die durch Gesangseinlagen des Chors abgerundet wurden. Der Eintritt kostete 80 Rappen. Das spülte dem Verein einen schönen Reingewinn von 107 Franken in die Kasse. Solche Vorstellungen wurden in der Folge zu einem festen Bestandteil der Vereinsgeschichte. Zumindest so lange, bis sich der Turnverein vom klassischen Geräteturnen hin zu den Disziplinen Leichtathletik, Unihockey und Faustball entwickelte. Dies war zu Beginn der 80er-Jahre. Zudem wurden 1967 die Jugendriegen ins Leben gerufen, und seit 2000 sind auch die «aktiven Damen» beim STV. Was hingegen seit 100 Jahren ein fester Bestandteil ist, ist die Teilnahme an Wettkämpfen. Heute allerdings nicht mehr an den klassischen Turnfesten.

Teamgeist und Freude

2014 – das grosse Jubiläumsjahr – stand ganz im Zeichen von verschiedenen Aktivitäten. «Unter anderem haben wir beim Franzosenweiher einen Grillplatz für die Bevölkerung gebaut», sagt Daniel Gfeller, Ehrenpräsident des Vereins. Ein weiteres Highlight war das Faustball-Dorfturnier mit 26 Mannschaften und der ausgebaute Dorf-Festanlass «Pizzaplausch im Biergarten». Und natürlich stand auch eine Party für die Mitglieder auf dem Programm.

Heute zählt der Verein gut 300 Mitglieder. Schwindende Mitgliederzahlen wie andere Vereine kennt der STV nicht. Das mag daran liegen, dass die «Jungen» gefördert, Hilfsleiter und Leiter werden und sogar das Präsidium des Vorstands übernehmen können. So wie der aktuelle Präsident Pascal Schori, gerade mal 28 Jahre alt. Er ist von Kindsbeinen an dabei, leitet inzwischen auch die gesamte Jugendabteilung. Auch Daniel Gfeller war schon als kleiner Knirps im STV, war mit 16 Jahren bereits Aktuar und später für zwölf Jahre Präsident. Noch heute ist er in der Gruppe «O» (Oldies) aktiv. «Wir haben 1989 zum 75. Jubiläum ein tolles Turnfest (Trioturnfest Spreitenbach) auf die Beine gestellt und über Jahre an vielen Turnfesten Spitzenplätze belegt», betont Gfeller stolz. Ziel des STV sei denn auch, nebst dem Spass an den verschiedenen Sportarten den Team-Spirit zu fördern und zu leben. Auf dass der Verein dereinst sein 200-Jahr-Jubiläum feiern darf.