Limmattalbahn

Zur Gratisfahrt gab es Suppe mit Spatz – nun kehrt das Lisbethli noch einmal zurück

Das Lisebethli wird bei der Eröffnung der ersten Etappe der Limmattalbahn in Schlieren erwartet.

Das Lisebethli wird bei der Eröffnung der ersten Etappe der Limmattalbahn in Schlieren erwartet.

Zur Inbetriebnahme der Limmattalbahn 1900, gab es eine Gratisfahrt mit dem Lisbethli, wie die Limmattal-Strassenbahn liebevoll genannt wurde. Zur Eröffnung der Limmattalbahn im August diesen Jahres, kehrt das Lisbethli noch einmal nach Schlieren zurück.

Mit dem 2er-Tram vom Farbhof in Zürich Altstetten nach Schlieren Geissweid fahren: Ab dem 31. August wird dies möglich sein. Dann wird die erste Etappe der Limmattalbahn offiziell eröffnet. An den Feierlichkeiten, die innerhalb des Schlierefäschts stattfinden werden, sind auch Nostalgiefahrten möglich. Unter anderem wird das legendäre Lisebethli, das einst zwischen Zürich und Dietikon beziehungsweise Weiningen verkehrte, auf den neuen Schienen unterwegs sein.

Damals, im Dezember 1900, als die Limmattal-Strassenbahn, die wegen der gross aufgemalten Buchstaben L.S.B vom Volksmund liebevoll Lisebethli genannt wurde, ihren Betrieb aufnahm, waren die Feierlichkeiten um einiges bescheidener als heute. Sie starteten am Dienstag, 18. Dezember, «indem man vorab die Jugend des linken Limmatufers, Altstetten, Schlieren, Albisrieden, Urdorf und Dietikon, an die 1200 lockige Häupter, auf der Strecke spazieren führte», wie es in einem Artikel der «NZZ» hiess. Einen Tag später kamen dann auch die Kinder der rechtsufrigen Limmattaler Gemeinden in den Genuss einer Gratisfahrt. Wie ihre Altersgenossen von der anderen Seite der Limmat wurden auch sie mit Suppe mit Spatz verköstigt.

Auch Abordnungen der Gemeinderäte der Limmattaler Gemeinden sowie Vertreter der Bahngesellschaft unternahmen eine Fahrt auf der rund neun Kilometer langen Strecke. Der Journalist zeigte sich angetan von dem, was er dabei erlebte. Besonders ins Auge stach ihm das Wachstum im Limmattal. Dieses werde nun auch für jene ersichtlich, die «nicht gerade im Limmatthal unten hausen und geschäften». Die Entwicklung etwa von Schlieren bezeichnete er als grossartig und folgerte, dass «die neue Strassenbahn sie natürlich nicht stille stellen wird». Sogar den Leitungsmasten konnte er Positives abgewinnen. «Die stämmigen Galgen links und rechts der Strasse, bezogen aus den Wal-dungen von Langenthal, nehmen sich gar nicht hässlich aus, auch nicht die Schützenuniformen der Kondukteure.»

Ein Weihnachtspräsent für das Limmattal

Auch bezüglich des Fahrgefühls fand der Reporter lobende Worte. «Die Fahrt geht auffallend sanft vonstatten, was auch für den sachgemässen Unterbau zeugt, der bekanntlich nicht die allerbeste Strasse vorfand», hielt er fest. Deshalb war es aus seiner Sicht nur richtig, dass der Erbauer der Bahn, Ingenieur Charles Du Riche-Preller, sein Werk mit «berechtigtem Selbstgefühl dem Limmatthal als Weihnachtspräsent überantworten» durfte.

Einzig der Umstand, dass das Lisebethli die Niveaukreuzungen mit der Nordostbahn, etwa beim Farbhof oder beim Bahnhof Schlieren nur leer traversieren durfte und die Fahrgäste die Bahnübergänge zu Fuss überqueren mussten, sorgte im Zeitungsartikel für Unverständnis. «Ich kann bezeugen, dass kein einziger Passagier begriff, dass auch für eine solch ungefährliche Stelle vom eidgenössischen Eisenbahndepartement keine Ausnahme gestattet wird.»

Auch als wenige Monate später, an Ostern 1901, die Zweiglinie Schlieren–Unterengstringen–Weiningen eröffnet wurde, war man in der Zeitung voll des Lobes für die Limmattal-Strassenbahn und knüpfte einige Erwartungen an sie. «Die an landschaftlichen Reizen reiche Linie erhält eine besondere Haltestelle bei der Limmatbrücke für das bekannte Kloster Fahr und erschliesst jenseits Weiningen gegen Oetwil, Altberg, Regensdorf ein neues, ausgedehntes und lohnendes Ausflugsgebiet, welches von Zürich aus vermittelst der Hauptlinie der Strassenbahn (Zürich–Schlieren– Dietikon), oder über Höngg, bequem zugänglich ist», hiess es in der «NZZ».

Die Schienen wurden zu Kostentreibern

Wie die Geschichte zeigte, lief bei der Limmattal-Strassenbahn, die ein Produkt einer generellen Tram-Euphorie Ende des 19. Jahrhunderts war, schon bald einiges nicht so rund wie erwartet. Dabei waren die Schikanen der Nordostbahn nur eines von verschiedenen Problemen, die die Bahn begleiteten, wie Peter Suter in seinem Buch «Die Limmattal-Strassenbahn» darlegte. Die Vorortsbahn, die vor allem den Arbeiterinnen und Arbeitern den täglichen Fussmarsch zu den Fabriken in und um Zürich ersparen sollte, hatte immer wieder mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Diese verunmöglichten regelmässige und notwendige Rückstellungen. Ein wesentlicher Kostentreiber waren die nur ungenügend auf dem miserablen Strassengrund verankerten Schienen, die immer wieder Reparaturen nach sich zogen. Auch ein mehrwöchiger Streik 1908 im Anschluss an die fristlose Entlassung eines Kondukteurs wegen angeblicher Unterschlagung setzte der Gesellschaft zu.

1928 wurde schliesslich der Trambetrieb auf der Strecke Schlieren–Dietikon eingestellt und die Geleise herausgerissen. Ein provisorischer Busbetrieb wurde eingeführt. Wenig später war dann endgültig Schluss. 1930 ging die Limmattal-Strassenbahn AG in Liquidation. Im Jahr darauf wurde der Betrieb von der Stadt Zürich übernommen und in die Städtische Strassenbahn Zürich überführt. Die Strecken Schlieren–Dietikon und Schlieren–Weiningen wurden endgültig auf Autobusse umgestellt. Das 2er-Tram verkehrte noch bis 1955 nach Schlieren. Danach kamen ebenfalls Busse zum Einsatz.

Nun kehrt das – wegen des damals aufgewirbelten Strassenstaubs gelb angestrichene – Lisebethli für einen Tag zurück nach Schlieren.

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