Jugendtreff
Zum Töggelen gehen Schlieremer Jugendliche in die Moschee

Das bosnische Zentrum bietet neu Jugendarbeit an – und tut es den Reformierten gleich.

Bastian Heiniger
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In Schlieren gibt es bereits einen öffentlichen Jugendtreff, nun können sich Jugendliche aber auch in der Moschee treffen.

In Schlieren gibt es bereits einen öffentlichen Jugendtreff, nun können sich Jugendliche aber auch in der Moschee treffen.

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In Schlieren gibt es einen neuen Jugendtreff – für Muslime. Jeden Samstagabend können sich Jungen und Mädchen seit diesem November im Restaurant der Islamischen Gemeinschaft Bosniens in Schlieren treffen. Ein festes Programm gibt es dabei nicht. Vielmehr spielen die Jugendlichen gemeinsam Tischtennis, gamen auf der Playstation oder messen sich beim Töggelen, je nach Lust und Laune.

Zwar existiert in Schlieren bereits seit 2010 der öffentliche Jugendtreff «Kube». Die Organisatoren des Treffs in der Moschee sind dennoch überzeugt, dass ihr Angebot nötig ist: «Wir stellten fest, dass es bei muslimischen Jugendlichen ein Bedürfnis gibt, sich untereinander am Wochenende zu treffen», sagt Abduselam Halilovic. Gemeinsam mit Naveed Khan stellte er in seiner Freizeit den Treff auf die Beine. Es habe zwar bereits kulturelle Veranstaltungen für junge Muslime gegeben, doch keinen Ort, wo sie hätten verweilen können.

Da viele der praktizierenden jungen Muslime ansonsten nicht in den Ausgang gingen, sei ein solcher Ort umso wichtiger. Der Raum dafür stellt nun die Moschee zur Verfügung, organisiert wird der Treff privat. Dennoch: Wenn religiöse Gemeinschaften Jugendarbeit leisten, geht es dann nicht auch darum, neue Mitglieder zu rekrutieren? So auch beim Jugendtreff in der Schlieremer Moschee?

Nein, meint Halilovic. Darum gehe es ihnen nicht. Die meisten Besucher seien ohnehin bereits praktizierende Muslime. Es werde zu den Gebetszeiten auch niemand zum Beten animiert. Jeder könne das für sich entscheiden, sagt er. Gleichwohl ist es im Jugendtreff der Moschee nicht so, dass die Religion überhaupt keine Rolle spielen würde. Halilovic will künftig auch Imame einladen, die zu bestimmten religiösen Themen Vorträge halten. Allerdings sei es dabei jedem selber überlassen, ob er lieber zuhöre oder eine Partie Pingpong spiele.

Auch Nichtmuslime willkommen

Christoph Hak, Leiter der städtischen Jugendarbeit, sagt, er hätte Mühe, wenn Jugendarbeit benutzt würde, um zu missionieren. Doch so wie er die Leute von der bosnischen Moschee einschätze, sei das dort nicht der Fall. Die Moschee sei darauf bedacht, Integrationsarbeit zu leisten, sagt er. Ausserdem hätten ohnehin die meisten Kirchen eine eigene Jugendarbeit. Die reformierte Kirche in Schlieren führt ebenfalls einen eigenen Jugendtreff. Bei vereinzelten Projekten – etwa während der Sommerferien – arbeiten die Stadt und die reformierte Kirche auch zusammen. Eine Zusammenarbeit mit der Moschee sei bisher jedoch nicht geplant, sagt Hak.

Wenn sich also die reformierte wie auch die katholische Kirche um die Freizeitbeschäftigung von Jugendlichen kümmern, ist es nur logisch, dass auch Muslime etwas anbieten wollen. Halilovic will dabei jedoch niemanden ausschliessen. Es dürften gerne auch nichtmuslimische Jugendliche kommen, sagt er.

Dass ein muslimischer Jugendtreff nicht integrationshemmend wirken muss, hat ein Forschungsprojekt der Universität Luzern zu muslimischen Jugendgruppen ergeben. Einerseits könnten sich die Jugendlichen in einer Gruppe darüber austauschen, was es bedeute, als Muslim in der Schweiz zu leben. Andererseits halte die Zugehörigkeit zu einer muslimischen Jugendgruppe nicht davon ab, sich auch ausserhalb des religiösen Kontextes sportlich oder sozial zu engagieren, heisst es in der Studie.