Insgesamt 3,7 Kilogramm reines Kokain reiste in fünf Mägen von Kolumbien bis nach Dietikon. Die Drogenkuriere im Alter von 21 bis 28 Jahren schluckten sogenannte Fingerlinge, also Drogen, die in verschiedenen Kunststoffen verpackt werden. Jeder der Fünf würgte rund 30 Stück herunter. Die Reise von Bogotá über Paris nach Dietikon sollte in einer Wohnung an der Heimstrasse enden, wo die Drogenfingerlinge ausgeschieden und aufbereitet werden sollten. So weit kam es aber nicht. Die fünf Drogenkuriere wurden verhaftet.

Am Valentinstag startete der erste Teil des Prozesses, wo zwei der Männer, ein Stylist und ein Student, befragt wurden. Am Dienstag fand nun der zweite Teil statt und die restlichen drei Kuriere mussten sich verantworten. Zuerst fragte Gerichtspräsident Stephan Aeschbacher die Beschuldigten, warum sie einwilligten, Drogen in die Schweiz zu schmuggeln. Sie gaben ähnliche Antworten wie zuvor schon der Stylist und Student.

Alle waren in grosser, finanzieller Not, hatten Familien, die von ihrem Geld abhängig waren, Schulden oder gesundheitliche Probleme. Der erste Befragte, ein 24-jähriger Grafiker, erzählte, dass er HIV-positiv ist, nicht krankenversichert und arbeitslos. Für den Drogentransport wurden ihm 4450 Franken versprochen – viel Geld in Kolumbien. Laut dem Anwalt des Beschuldigen habe er aber gehadert, den Kurierdienst wirklich durchzuziehen. Eine Wahl hatte er aber nicht.

Durch das Schlucken der Fingerlinge bekam der Beschuldigte Halsschmerzen und wollte aufhören. Dafür hatten die Drogenbosse aber kein Gehör. Der Grafiker wurde schliesslich dazu gezwungen und musste eine gelartige Flüssigkeit trinken. «Das Schlucken der Drogen war Horror», sagte der Verteidiger.

Entschuldigung an die Schweiz

Der zweite Beschuldigte ist der jüngste der Truppe. Der 21-Jährige ist auch arbeitslos, seine Mutter und seine Grossmutter sind von gesundheitlichen Problemen geplagt. Er hatte Schulden, weil er selbst gerade operiert werden musste. Der dritte Beschuldigte, mit 28 Jahren der älteste, ist dreifacher Vater. Seine Partnerin arbeitet nicht. Der gelernte Mechaniker fand keinen Job, der Drogentransport schien der letzte Ausweg. Anders als Stylist und Student vergossen die drei Beschuldigten keine Tränen vor Gericht. Trotzdem zeigten sie sich reuig und baten die Schweizer Bevölkerung um Entschuldigung.

Der anwesende Staatsanwalt hielt das gleiche Plädoyer wie am ersten Verhandlungstag. «Als sogenannte Bodypacker haben die Beschuldigten zwar eine tiefe hierarchische Stellung im Drogenhandel inne», sagte der Staatsanwalt, «aber trotzdem eine wichtige Rolle. Denn ohne sie würden die Drogen erst gar nicht in die Schweiz kommen.» Der Staatsanwalt forderte eine teilbedingte Haftstrafe von 36 Monaten. 18 davon sollen aufgeschoben und die bereits abgesessenen 9 Monate angerechnet werden. Ausserdem sollen alle fünf Drogenkuriere für sieben Jahre des Landes verwiesen werden.

Vorwürfe an den Staatsanwalt

Der Anwalt des Grafikers setzte sich in seinem Plädoyer für eine bedingte Haftstrafe von 16 Monaten und einen Landesverweis von sieben Jahren ein. Sein Mandant sei geständig, habe kooperiert und wolle in Kolumbien sein Leben auf die Reihe bringen. «Obwohl er selbst die Drogen schluckte und transportierte, war er auch selbst Transportgut der Hintermänner», so der Anwalt. Ähnliches sagte der Verteidiger des 21-Jährigen. Zusätzlich machte er der Staatsanwaltschaft Vorwürfe. Die geforderte Haftstrafe sei viel zu hoch. «Wollen Sie damit ein Zeichen setzen?», fragte er.

In ihrem Heimatland hätten die kolumbianischen Drogenkuriere viel höhere Strafen zu erwarten. Die Schweizer Justiz dürfe sich aber nicht danach richten. Ausserdem unterstellte er der Staatsanwaltschaft, sie wolle die Drogenkuriere länger inhaftiert sehen, um mehr über die Hintermänner zu erfahren. Der Anwalt zählte ähnliche Fälle auf und sagte: «Ein abgekürztes Verfahren wäre kein Problem gewesen.» Für den 21-Jährigen forderte er eine bedingte Haftstrafe von 16 Monaten und einen Landesverweis von fünf Jahren.

Für den dreifachen Vater forderte der Verteidiger eine teilbedingte Haftstrafe von 18 Monaten. Sein Mandant habe aus enormer Perspektivlosigkeit gehandelt. Trotz Ausbildung als Mechaniker hielt er sich als Supermarktangestellter und Parfümverkäufer über Wasser. Ausserdem sei der Beschuldigte ein arbeitsamer Mensch: In Haft erarbeitete er sich 4000 Franken, die er zu seiner Familie nach Kolumbien schickte. Das Urteil gegen alle fünf Drogenkuriere fällt am 12. März.