Dietikon
Zum Mietvertrag gibts ein iPad oder einen Einkaufsgutschein

Mit ungewöhnlichen Aktionen sollen Wohnungen im Dietiker Limmatfeld an die Mieter gebracht werden. Solche Vorgehen sind für den Grossraum Zürich unüblich.

Alex Rudolf
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Im Limmatfeld werden Mieter mit neuen Strategien von einer Wohnungsmiete überzeugt.

Im Limmatfeld werden Mieter mit neuen Strategien von einer Wohnungsmiete überzeugt.

Alex Rudolf

Die Immobiliendienstleister Wincasa und Livit schöpfen aus dem Vollen. Auf den Wohnungsplattformen Homegate bietet die Wincasa potenziellen Mietern im neuen Dietiker Stadtteil Limmatfeld diverse Zückerchen. Wer bis Ende April einen Mietvertrag für eine Wohnung im Gebäude Lindenhof unterzeichnet, dem wird eine ganze Monatsmiete erlassen. Sputen muss sich, wer zu einer Bleibe im Haus Westhöfe noch ein iPad geschenkt bekommen will. Dieses Angebot läuft nur noch wenige Tage bis Ende März.

Auch Livit, die für die Vermarktung des Gebäudes Zedernhof – ebenfalls im Dietiker Limmatfeld – verantwortlich zeichnet, buhlt um Kunden. Auf www.homestreet.ch bietet sie bei einer Mindestmietdauer von einem Jahr zwei Gratismonate und einen Einkaufsgutschein im Wert von 1000 Franken.

Bringt man Wohnungen nicht los?

Auf den jeweiligen Homepages der Projekte ist ersichtlich, dass zurzeit je drei Wohnungen leerstehen. Bei 66 Wohnungen in den Westhöfen und deren 146 im Lindenhof ist dies ein relativ geringer Prozentsatz. Erstaunlich, dass ein Monatemieterlass oder ein geschenktes iPad als Anreiz nötig ist. Glaubt man den Angaben der anderen Homepages, der verschiedenen Gebäude, sind im gesamten Limmatfeld nur gerade sieben Wohnungen frei.

Andreas Loepfe, am Institut für Banking und Finance der Universität Zürich für Fragen des Immobilienmanagements zuständig, hält diese Art von Massnahmen für eine kluge Strategie: «Ein iPad oder eine geschenkte Monatsmiete ist für die Vermieter unter Umständen billiger als eine Reduktion des Mietzinses.» Lassen sich potenzielle Mieter auf eine solche Aktion ein? «Als Faustregel gilt, dass bereits eine Preisdifferenz von 100 Franken pro Monat einen Umzug auslösen kann», so Loepfe. Für den Entscheid zwischen zwei Wohnungen könnten weit geringere Unterschiede ausschlaggebend sein, sagt er weiter. Es sei auch so, dass mit einer Mietzinsreduktion kommunikativ weniger gut Aufmerksamkeit erzeugt werden könne, als mit etwas Gegenständlichem wie einem iPad.

Kühlschrank oder Zügelhilfe

Bei Gewerbeflächen sei mietfreie Zeit ein Standardinstrument des Marketings. «Immer häufiger wird auch das Interesse von Wohnungsmietern auf diese Weise geweckt», so Loepfe und verweist darauf, dass Immobilienunternehmen ihren Neumietern auch schon volle Kühlschränke oder Hilfe beim Zügeln als Willkommensgeschenk offeriert haben.

Dass sich Bewohner des Grossraums Zürich diese Art von Buhlen um den Mieter nicht gewohnt sind, führt er auf die angespannte Lage am hiesigen Immobilienmarkt zurück. Loepfe meint: «Wohnt man nicht in den Ballungsräumen Genf oder Zürich, dann ist es in der Schweiz üblich, dass Mieter ihre Wohnung aussuchen und nicht Vermieter ihre Mieter.»