Wie alt sind unsere Gemeinden? Auf diese an und für sich einfache Frage gibt es mehrere Antworten. Das Limmattal war schon in der Ur- und Frühzeit besiedelt. Auch die Römer liessen sich hier nieder. Ihre Namen erhielten die heutigen Gemeinden allerdings viel später. In der Regel beginnt die Zeitrechnung einer Ortschaft mit ihrer ersten urkundlichen Erwähnung. So kommt es, dass Oberengstringen 2020 sein 1150-Jahr-Jubiläum begehen kann und will.

In einer auf den 8. Februar 870 datierten Urkunde wird Engstringen – zwischen Ober- und Unterengstringen wurde damals noch nicht unterschieden – erstmals schriftlich erwähnt. Aus dem Schriftstück geht hervor, dass ein Grossgrundbesitzer namens Landeloh als Gegenleistung für Schenkungen an das Kloster St. Gallen von diesem unter anderem Liegenschaften in Enstelingon, Affaltrahe (Affoltern) und Reganesdorf (Regensdorf) zu Lehen erhielt. In derselben Urkunde findet auch Weiningen, als Winingon, Erwähnung. Landelohs Besitztümer in der Ortschaft sind Teil der Schenkung ans Kloster St. Gallen.

Oberengstringen, Unterengstringen und Weiningen gehören somit – gemessen an ihrer ersten schriftlichen Erwähnung – zu den ältesten Gemeinden im Limmattal, wie ein Blick in die Geschichte zeigt. Noch früher, bereits am 1. Juni 828, taucht Schlieren erstmals in einem Schriftstück auf. Wie beim Engstringer Dokument handelt es sich dabei um eine sogenannte Traditionsurkunde.

Auch im Fall von Schlieren schenkt ein wohlbegüterter Grundbesitzer namens Nandher sein Gut in Würenlingen dem Kloster St. Gallen und erhält sein Eigentum als Leihgabe zurück. Angefertigt wurde das Schriftstück in Sleiron, also Schlieren. Dies wohl deshalb, weil das Kloster im Ort an der Limmat Grundeigentümer war und es von dort nicht allzu weit nach Würenlingen ist.

Ein Zinsverzeichnis als Quelle

Schenkungen an Klöster, wie im Fall von Engstringen und Schlieren, waren zu jener Zeit nicht unüblich. Vorgenommen wurden sie aus unterschiedlichen Gründen. Einer davon war etwa die grosse Frömmigkeit. Aber auch die Loyalität zu einem Kloster konnte ein Beweggrund sein. Andere Grundbesitzer wollten mit einer Schenkung ihr Gut nach ihrem Ableben einem Kloster sichern und so verhindern, dass weltliche Herrscher Ansprüche darauf geltend machen konnten.

Doch nicht nur in Schenkungsurkunden tauchen immer wieder Gemeindenamen auf. Etwa um 850 – eine eindeutige Datierung liegt nicht vor – wird Oetwil in einem Zinsleuteverzeichnis des Klosters St. Gallen aufgeführt. Daraus geht hervor, dass die Grundbesitzer Engilger und Altmann aus Otenwilare dem Kloster zinspflichtig waren. Die beiden Alemannen dürften die frühsten dokumentierten Einwohner Oetwils sein. Mit Crifo aus Winingun ist im Dokument auch ein Weininger Einwohner aufgeführt.

Das Verzeichnis, das mit selbst gemachter Tinte auf Pergament notiert wurde, hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Es gehört zu den 52 Urkunden, die dem Kloster in der Reformationszeit entwendet wurden und auf Umwegen nach Bremen gelangten. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelangten sie wieder zurück in die Schweiz.

Auch Birmensdorf ist eine der Limmattaler Gemeinden, die bereits im 1. Jahrtausend n. Chr. erstmals in einem Schriftstück erwähnt wurden. Das Dokument stammt aus dem Jahre 876. Damals schenkte Adalpern dem Felix-und-Regula-Stift in Zürich einen Hof zu Piripoumesdorf. Nur wenig später, im Jahr 885, erfolgte die Schenkung eines weiteren Hofs in Biribumerstorff an das Grossmünster.

Keine präzise Ortsangabe

Birmensdorfs Nachbargemeinde Aesch erscheint am 28. Dezember 1124 zum ersten Mal in einem Schriftstück. Daraus geht hervor, dass die Aescher ihren Zehnten dem Spital Altstetten, das dem Kloster Engelberg gehörte, zu entrichten hatten. Bereits im Jahr 1036 taucht ein Aesch in einer Urkunde auf.

Dort wird über einen Gütertausch zwischen dem Felix-und-Regula-Stift in Zürich und dem Grundbesitzer Kundelo berichtet. Zu den Besitzungen gehörten Güter in Cham und Asche. Allerdings wird nicht präzisiert, um welches Aesch es sich handelt. Aus dem Jahr 1184 stammt ein weiteres Dokument, in dem Papst Lucius III. den Besitz des Klosters Engelberg in Asche bestätigte.

Ebenfalls im Jahr 1124 taucht auch der Name Paltoswilare (Baltenschwil) auf. Es ist das erste Mal, dass einer der Weiler oberhalb Dietikons schriftlich erwähnt wird. Zur eigenständigen Gemeinde wurde Bergdietikon jedoch erst 1798.

Zu einer ähnlichen Zeit wie Aesch findet auch der heutige Bezirkshauptort erstmals Erwähnung in einem Dokument. In einer 1135 verfassten Chronik über das in Süddeutschland gelegene Kloster Zwiefalten wird berichtet, dass Kuno von Wülflingen um das Jahr 1089 dem von ihm gegründeten Kloster unter anderem einen Viertel von Dorf, Kirche und Limmatfischenz in Dietikon übertragen hatte.

Bereits sieben Jahre später verkaufte das Kloster seine Besitzungen bereits wieder, und zwar an die Gattin des Grafen Otto von Habsburg, die wahrscheinlich schon zuvor Besitzerin der anderen drei Viertel von Dietikon war.

Ebenfalls im 12. Jahrhundert wird Urdorf zum ersten Mal in der heutigen Schreibweise in einer Urkunde erwähnt. 1179 werden in einem Dokument über die Stiftung des Klosters Engelberg durch Konrad von Sellenbüren in einem Verzeichnis des Gutsbesitzes Spretinbach (Spreitenbach), Urdorf, Paltoswilare (Baltenschwil), Salenburon (Sellenbüren), Stallenchoven (Stallikon) und Bounstetin (Bonstetten) erwähnt. Bereits vor 1140 ist überdies Besitz des Klosters Muri in Urdorf verbürgt.

Meist waren es kleine Weiler

Im 13. Jahrhundert finden sich schliesslich auch noch die Namen von Uitikon und Geroldswil erstmals in Urkunden wieder. Wie in anderen Ortschaften waren zu jener Zeit auch in Uitikon verschiedene Klöster Grundeigentümer in Uitikon. Um 1150 werden erstmals Einkünfte des Grossmünsters in Ringelinchon, also in Ringlikon, vermerkt und vor 1227 dann auch in Uetinchon. Zudem wird 1259 in einer Urkunde auf einen Hof in Uitinkon hingewiesen. Fünf Jahre später werden dann auch Einkünfte des Klosters Wettingen in Uitichon ausgewiesen.

Etwa zur gleichen Zeit wie Uitikon findet sich auch erstmals der Name Geroltzwiler in einem Schriftstück. Es handelt sich dabei um eine auf den 20. April 1255 datierte Schenkung eines Grundstücks in Geroldswil von Ritter Rudolf von Thurn und seiner Gattin Emma an das Kloster Wettingen. Wie aus dem Dokument hervorgeht (siehe Bild und dazugehörigen Text links), bestand das Dorf, oder besser gesagt der Weiler, damals aus einigen wenigen Bauernhöfen, aus Äckern, Wiesen und Weiden – wie so viele Ortschaften im Zürichbiet.

Am Anfang standen Familienverbände

Nein, der Wein stand nicht Pate für den Namen Weiningen. Wie bei anderen Limmattalern Gemeinden ist auch die Ortsbezeichnung des Weindorfes eng mit der Besiedlungsgeschichte der Region verknüpft. Etwa ab dem 6. Jahrhundert begannen die nördlich des Rheins angesiedelten Alemannen auf der Suche nach neuem Siedlungsraum in der Schweiz Fuss zu fassen. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch den Zerfall des Römischen Reichs.

Meist handelte es sich um grössere Familienverbände, die sich, etwa entlang der Limmat, niederliessen. Oft waren es Gruppen, die sich um eine einflussreiche Persönlichkeit versammelt hatten. Teile dieser Gesellschaftsstruktur lassen sich in den Ortsnamen finden, die sie hinterliessen.

So bezeichnete der Rufname einer Person in Kombination mit der Endung -ing(en) zuerst eine Personengruppe. Mit der Zeit wurden daraus schliesslich Ortsnamen, wie aus dem «Kleinen Sprachatlas der deutschen Schweiz» hervorgeht. Weiningen leitet sich demnach vom alemannischen Personennamen Wino oder Wini ab, was so viel bedeutet wie Freund oder Genosse. Engstringen geht auf den Namen Anstilo oder Enstilo zurück.
Endung -wil kommt zuletzt

Zeitlich betrachtet folgten auf Ortschaften mit den Endungen -ing(en) jene, die durch den Zusatz Hof oder Haus nun eine Siedlung bezeichneten. In der Regel wurden diese Endungen zu -ikon verkürzt. Etwas jünger als die Ortschaften, die auf -hofen- und -hausen enden, sind jene, die den Zusatz -dorf im Namen führen. Wobei es im Fall von Urdorf eher als unwahrscheinlich erscheint, dass der Name auf einen Mann namens Uro zurückgeht.

Wahrscheinlicher ist, dass Urdorf für altes Dorf steht.
Der jüngste Namenstyp – er taucht ab dem 8. Jahrhundert auf – ist jener, der auf -wil oder -wiler für Weiler endet. Meist ist ihm ebenfalls ein Personenname vorangestellt. So ist etwa Oetwil der Weiler des Oto und Geroldswil jener des Gerold.