Dietikon

Zum Jubiläum der «dreh&angel» eine Hand voll Slam-Poetry

Zum Jubiläum der «dreh&angel» GmbH präsentiert die Slam-Poetry-Agentur am Freitag einen buten Abend mit vielen berühmten Slam-Poeten.

Viel wortgewaltiger hätte dieses Jubiläum in Dietikon nicht begangen werden können: Zum zehnjährigen Bestehen der «dreh&angel. GmbH», der schweizweit ersten Agentur für Slam-Poeten, wurde im Gleis 21 beträchtliche Starpower aufgeboten. Mit Lara Stoll, Renato Kaiser, Bänz Friedli, Gabriel Vetter, Etrit Hasler, Kilian Ziegler und Samuel Blatter waren am Freitagabend fast alle Schützlinge der Agentur angetreten. Sie brannten zur Jubiläumsfeier ein rhetorisches Feuerwerk nach dem anderen ab.

Etrit Hasler mokierte sich über die ins Heroische verstiegenen Ideale alter Männlichkeit: Ein Mann – ein richtiger, aufrechter – müsse im Steinbruch mit blossen Händen schuften, den Gaul beim Ritt durch den Canyon auf die Schulter nehmen und tunlichst darauf verzichten, jemals seine Unterhosen zu wechseln. Hasler hatte danach die schwierige Aufgabe, sämtliche kommenden Acts zusammenzufassen und am Schluss noch einmal im Schnelldurchlauf zum Besten zu geben.

Von «orgiastisch-aromatisch dampfenden Ramen-Suppen» berichtete dann Lara Stoll, die 2019 den deutschen Kleinkunstpreis gewinnen konnte. Obschon sie eine Stunde vor Beginn noch in Erfahrung bringen musste, wo das Ding eigentlich stattfinde – ob in Dietlikon oder in Dietikon –, glänzte sie mit einer atemlosen Performance und erhitzte sich bis zur Weissglut im Laufe ihres Vortrags. Denn die Schweizer, so lautete ihr vernichtendes Fazit, wissen nicht, wie man Ramen-Suppe isst.

Dass richtig grosse Bäuche auch als Datenspeicher dienen können, durfte man sich im zweiten Teil von Gabriel Vetter versichern lassen. Jedes Fettpölsterchen diene als fleischgewordene Erinnerung an ein besonderes Ereignis, etwa an jene von der Grossmutter liebevoll verabreichte Cremeschnitte – und sei deshalb höchst erhaltenswert.

Obschon solche skurrilen und komischen Beiträge die Mehrzahl bildeten, gab es auch nachdenklichere Texte zu hören. Renato Kaiser schilderte auf psychologisch tief blickende Weise, was abwertende Labels für ausländische Volksgruppen auslösen können. Und Bänz Friedli berichtete über eine philosophische Begegnung mit einem Mädchen, die ihn an sein nicht mehr jugendliches Alter erinnerte. Nicht zuletzt trugen Kilian Ziegler und Samuel Blatter zum Gelingen des Abends bei, ersterer agierte als verflixt guter Moderator, während sich Blatter mit absurd-schrägen Songs hervortat.

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