Fröhlich klingend wurde am Mittwoch in der Oetwiler Gemeindescheune angestossen. Der Gemeinderat hatte zusammen mit der FDP-Ortspartei zum traditionellen Neujahrsapéro geladen. Gut über 100 Bewohnerinnen und Bewohner folgten der Einladung zu Sekt, Wein und den schmackhaften Häppchen. Auch wenn auf ein gutes neues Jahr angestossen wurde, war die Vergangenheit Oetwils an diesem Anlass allgegenwärtig.

«Oetwil im Wandel der Zeit» lautete nicht nur das Motto des Neujahrsapéros, sondern auch der Titel der neu aufgelegten Dorfchronik. Dieses 92-seitige Buch wurde den Gästen kostenlos abgegeben. An diversen Stellwänden im Saal verteilt waren zusätzlich Hintergrundinformationen zu einzelnen in der neuen Dorfchronik behandelten Themen zu entdecken.

Entstanden sei diese kleine aber feine Ausstellung im letzten halben Jahr, erzählte Paul Studer. Nebst Erklärungen unter anderem zur Rolle der Landgemeinden und Informationen über den Zehntenspycher wurden auch Zahlen präsentiert. Dazu gehörte ein «Finanzgedächtnis» in Tabellenform, das von 1900 bis 2017 aufgearbeitet wurde. Das Prunkstück der Ausstellung aber war das detailgetreue 1:100-Modell der Seidenzwirnerei. Das Gebäude und ehemalige Wahrzeichen der Oetwiler Industrie wurde 1981 abgerissen und nun von Studer in monatelanger Arbeit als Modell aus Sperrholz und Karton wieder aufgebaut.

«Wir sind eine typische Agglomerationsgemeinde», erklärte Studer, nachdem er die für den Apéro gedachten Weinflaschen entkorkt und für die eintreffenden Gäste bereitgestellt hatte. Dennoch sei Oetwil keineswegs eine Schlafgemeinde, sondern pflege ein aktives Dorfleben, fügte der während 20 Jahren als Gemeindepräsident amtende Studer an. Dies bekräftigte ebenso das Ehepaar Stephan und Franziska Hauck.

Aber auch die Geschichte des Dorfes sei spannend. «Es interessiert mich, was hier passiert ist», meinte Stephan Hauck, «die Seidenzwirnerei ist ja im gleichen Jahr abgerissen worden, in dem ich geboren wurde.» Eigene Erinnerungen an diese Zeit hatte Cilio Gosteli beim Blick auf den ebenfalls nachgebauten Fussweg am Modell. «Jeweils ab dem 1. März konnte man von diesem Fussweg bestens Forellen fischen», erklärte er. Und bekräftigte: «Aber die zulässige Fangzahl habe ich nie überschritten.»

Die amtierende Gemeindepräsidentin, Rahel von Planta (FDP), machte sich in der Neujahrsansprache Gedanken zum Thema Zeit. Ausserdem seien solche Anlässe bestens geeignet, um Begegnungen zu ermöglichen, «das ist uns wichtig». Auch der Co-Gastgeber und Präsident der FDP-Ortspartei, Erwin Bühler, begrüsste die Gäste von der Bühne, bevor Paul Studer einige erklärende Worte zur neuen Chronik zum Besten gab. Für die Zukunft von Oetwil wünscht er sich, dass der Charakter und der Dorfkern und somit auch der Dorfgeist bewahrt bleiben.