Dietikon
Zum Gedenken an Karl Klenk - Er wäre gerne noch älter geworden

Erinnerungen an den Dietiker Ehrenbürger Karl Klenk, der am Samstagabend, kurz vor seinem 105. Geburtstag, verstarb.

Regula Stauber
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Karl Klenk vor wenigen Wochen in seinem Garten in Dietikon, aufgenommen von seinem Sohn.

Karl Klenk vor wenigen Wochen in seinem Garten in Dietikon, aufgenommen von seinem Sohn.

Karl Klenk

Karl Klenk, geboren am 19. Juli 1912 in Meilen, Ehrenbürger von Dietikon, war mit Abstand der älteste Einwohner unserer Stadt. Obwohl auch ihm die Beschwerden des Alters nicht erspart blieben, wäre er gerne noch ein paar Jährchen älter geworden.

Karl Klenk verbrachte fast sein ganzes Berufsleben als Sekundarlehrer in Dietikon. Er überlebte sehr viele seiner Schüler, sind doch die ältesten unter ihnen auch schon weit über 90 Jahre alt.
Seine Jugendzeit verbrachte Karl zusammen mit seiner um drei Jahre jüngeren Schwester Martha in Meilen. Unterbrochen wurden diese Jahre durch den Ersten Weltkrieg. Als damals noch deutscher Staatsbürger musste sein Vater, Karl Immanuel Klenk, in die deutsche Armee einrücken und sowohl an der Ost- wie auch an der Westfront Dienst tun. Glücklicherweise kam er trotz Verletzungen mit dem Leben davon.

Karl Klenks Abdankung findet an dem Tag statt, an dem er 105 Jahre alt geworden wäre: Am 19. Juli um 14 Uhr in der reformierten Kirche Dietikon.

Während der Kriegsjahre hielt sich die Mutter mit ihren beiden Kindern in Heilbronn am Neckar auf, wo der kleine Karl seine ersten zweieinhalb Schuljahre an der sogenannten Knaben-Mittelschule verbrachte. Zurück in Meilen wunderte er sich, dass hier Knaben und Mädchen gemeinsam unterrichtet wurden. Im Jahr 1926 wurde die Familie Klenk in der Schweiz eingebürgert und wie Karl Klenk betont, war die Familie sehr stolz auf das neu erworbene Schweizer Bürgerrecht.

Im Jahr 1940 heiratete Karl Klenk Maria Baumberger (1917–1990). 1943 kam Sohn Karl Heinrich zur Welt und im Jahr 1946 folgte Sohn Ulrich Werner.

Schnipseln für die Dorfchronik

Während vielen Jahrzehnten war Karl Klenk Mitglied der Kommission für Heimatkunde. Er befasste sich hauptsächlich mit der Dorfchronik. Bis zum Aufkommen des Computers schnitt er alle für Dietikon wichtigen Zeitungsartikel aus, klebte sie auf und sammelte sie in Ordnern. Später ersetzte eine Datenbank die mühsame Handarbeit. Von da an war Karl Klenk täglich im Ortsmuseum anzutreffen, wo er mithilfe des Computers auch gleich das Kreuzworträtsel der Limmattaler Zeitung löste. Und das als 104-Jähriger!

Während vielen Jahren notierte Karl Klenk die Erinnerungen und Begebenheiten aus seinem Leben. Abgesehen von persönlichen Erlebnissen hielt er alles schriftlich fest, was ihm wichtig war und wofür er sich interessierte. Seine bevorzugten Themen waren seine Jugendzeit in Meilen, Verwandtschaftsbeziehungen, seine Wohngemeinde Dietikon, Schule, Politik, Persönlichkeiten im In- und Ausland, Gesundheit, Reisebeschreibungen und der Volkstanz.
Es handelt sich dabei nicht um ein Tagebuch mit chronologischem Ablauf, sondern um eine eigentliche Fundgrube, eine vielfältige Sammlung von Erlebnissen, Geschichten und Notizen, angelegt von einem weltoffenen und an allem interessierten Menschen. Vor einigen Monaten wurden die 4126 Seiten umfassenden Aufzeichnungen eingescannt und sind nun auf der Homepage des Stadtvereins Dietikon einsehbar. In Vereinbarung mit Karl Klenk war die Bekanntgabe zu seinem 105. Geburtstag im Juli dieses Jahres geplant.

An dieser Stelle danken wir Karl Klenk für seine treue Mitgliedschaft in unserer Kommission für Heimatkunde und für die Zustimmung zur Digitalisierung und Veröffentlichung seiner Erinnerungen und Notizen aus seinem langen Leben.

Für den Stadtverein und die Kommission für Heimatkunde, Regula Stauber.