Ein kräftiger Schluck Süssmost muss jetzt sein. In einem Zug leert Kilian seinen Becher. Es ist der verdiente Lohn für die zuvor verrichtete harte Arbeit. Gemeinsam mit 24 anderen Kindern hat der 8-Jährige am Rande der Kiesgrube oberhalb des Klosters Fahr einen kleinen Hang von schädlichen Goldruten befreit. Normalerweise wird diese Aufgabe von den «Zivis» des Vereins Naturnetz ausgeführt. Die gemeinnützige Naturschutzorganisation ist seit 2008 im Kloster Fahr zu Hause. Mit Gruppen von Zivildienstleistenden führt sie Projekte in der Schaffung und Pflege von naturnahen Gebieten durch.

An diesem Mittwoch sind es für einmal andere, aber ebenso motivierte Helfer, die dem Verein zur Hand gehen. Die Aktion ist Teil eines vom WWF organisierten Kinderlagers – eines so genannten Tierspurenlagers. Am Sonntag haben die 25 Kinder aus der ganzen Schweiz zusammen mit ihren sechs Leitern ihre Zelte im Weininger Wiesentäli aufgeschlagen und lernen seither im nahen Wald die dort lebende Tierwelt kennen. «Die Kinder sollen die Vielfalt der Waldtiere und deren Zusammenleben kennen lernen», sagt Lagerleiterin Alexandra Tiefenbacher. In erster Linie gehe es darum, den Teilnehmern zu zeigen, wie der ökologische Kreislauf im Wald funktioniert, und dass der Mensch Teil dieses Netzwerkes sei.

Goldruten pflücken im Kloster Fahr

Kinder pflücken die Goldruten

Die Aktion im Kloster Fahr ist nicht nur Bestandteil des Lagers, sondern wird speziell im Rahmen des 50-Jahr-Jubiläums des WWF durchgeführt. «Die Mithilfe der Kinder ist ein Geburtstagsgeschenk an den WWF, ein Geschenk an die Natur», so Tiefenbacher. Da sie selber in Weiningen aufgewachsen sei, kenne sie die Gegend. Deshalb habe sie sich für ein Lager im Limmattal entschieden. Der Kontakt zum Verein Naturnetz sei über dessen stellvertretenden Geschäftsführer Benjamin Kämpfen entstanden, mit dem sie zusammen studiert habe.

Kämpfen und seine Kollegin Dominique Haiden vom Naturnetz sind denn auch froh über die vielen helfenden Hände. «Der Hang dient als ökologische Ausgleichsfläche und Lebensraum von Heuschrecken sowie Eidechsen», erklärt Kämpfen. Die Goldrute, so Haiden, sei ein invasiver Neophyt, also eine nicht heimische Pflanze. «Sie hat in der Schweiz keine natürlichen Feinde und vermehrt sich sehr schnell. Einerseits unterirdisch, andererseits – wie andere Pflanzen auch – durch Samen», sagt sie. Das führe dazu, dass die anderen Pflanzen in ihrer Umgebung und damit auch die Nahrung der Tiere verdrängte würden. Deshalb müsse man die Fläche von der Goldrute befreien und zwar samt Wurzel.

Wettbewerb als Anreiz

Um den Reiz der Arbeit zu erhöhen, wurde aus der Pflückaktion ein Wettbewerb gemacht. Die Kinder teilten sich in zwei Gruppen auf. Gewinner war jene Gruppe, die innerhalb von 45 Minuten am meisten Goldruten entwurzeln konnte. Als Preis wurde eine Extraportion Schokolade in Aussicht gestellt.

Angespornt von der verlockenden Prämie entwickelte sich ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Am Schluss konnten die Leiter stolz verkünden, dass rund 4000 Pflanzen gepflückt wurden. Eine Zahl, die auch den Leuten vom Verein Naturnetz ein Staunen entlockte und ein Sonderapplaus Wert war.

Zufrieden waren auch die fleissigen Helfer, auch wenn die Arbeit anstrengend war. «Vor allem die Brennnesseln waren mühsam», sagt Kilian nach getaner Arbeit. Seine Kollegin Livia fügt an, dass es ihr Spass bereitet habe, zu helfen. «Jetzt freue ich mich aber auf eine Dusche in unserem Camp», hält sie fest. Diese bestehe aus einer Giesskanne. Auch das gehört im WWF-Lager zum Naturerlebnis dazu.