Song Contest
Zum Daumendrücken an den Bodensee

Familie Brunovic fiebert dem Auftritt ihrer Tochter Bernarda beim Song Contest entgegen

Sandro Zimmerli
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Fühlen sich in Dietikon wohl: Zeljko, Ruschka, Manuela und Bernarda Brunovic (im Uhrzeigersinn von oben links). zim

Fühlen sich in Dietikon wohl: Zeljko, Ruschka, Manuela und Bernarda Brunovic (im Uhrzeigersinn von oben links). zim

Limmattaler Zeitung

«Es ist doch selbstverständlich, dass die ganze Familie anwesend sein wird. Einen solchen Anlass gibt es nicht alle Tage», sagt Zeljko Brunovic. «Wir sind eine Familie, in der jeder jeden unterstützt. Darum werden wir vor Ort in Kreuzlingen mitfiebern», erklärt seine Frau Ruschka.

In der Familie Brunovic fiebert man dem Samstagabend entgegen. Dann ist es so weit: Die 17-jährige Bernarda will mit ihrem Auftritt das Schweizer Fernsehpublikum von ihrem Song «Confidence» überzeugen und so das Ticket an den Eurovision Song Contest 2011 nach Düsseldorf lösen. Damit das gelingt, muss sie sich gegen 11 andere Kandidaten durchsetzen. Live vor Ort, in der Bodenseearena, werden Schwester Manuela, Mutter Ruschka und Vater Zeljko Brunovic ganz besonders fest die Daumen drücken, damit die Dietiker Gymnasiastin ihr grosses Ziel erreicht.

Erster Auftritt bei Erstkommunion

Vor 17 Jahren ist die Familie aus Kroatien in die Schweiz gekommen und, nach einem kurzen Aufenthalt in Zürich, in Dietikon heimisch geworden. Die ältere Tochter Manuela war damals 10 Jahre alt, Bernarda eben erst auf die Welt gekommen. «Schon da haben wir gemerkt, dass Bernarda eine besondere Beziehung zur Musik hat. Mein Mann hat herausgefunden, dass sie gut einschlafen kann, wenn man ihr die Kopfhörer eines Walkmans aufsetzt. Hat man sie ihr weggenommen, hat sie zu weinen begonnen», erklärt Mutter Ruschka. Mit der Zeit habe ihre Tochter dann damit begonnen, mit allen möglichen Gegenständen Lieder, die im Radio liefen, rhythmisch zu begleiten. «Das konnte manchmal auch unangenehm sein, vor allem dann, wenn Bernarda in der Kirche begann, zu klatschen», erinnert sich die Mutter.

Richtig los mit der Musik ging es aber erst ein paar Jahre später. Ihren ersten Auftritt hatte Bernarda, die seit Geburt an einer starken Sehbehinderung leidet, anlässlich ihrer Erstkommunion. «Ich habe mit einer Kollegin gesungen. Allerdings war mir der Auftritt unangenehm. Es passte irgendwie nicht zusammen», sagt Bernarda. Erst, als sie in der Kirche das erste Mal solo aufgetreten sei, habe sie gewusst, dass Singen das Richtige für sie sei. «Den Durchbruch hatte Bernarda dann mit etwa 11 Jahren, als wir in Kroatien in den Ferien waren», hält die Mutter fest. Damals sei auf der Terrasse des Hotels eine Band aufgetreten und Bernarda spontan auf die Bühne gebeten worden, um den Equals-Hit «Baby come back» zum Besten zu geben. «Danach habe ich mein erstes Keyboard erhalten und mit dem Komponieren eigener Songs begonnen», so Bernarda.

Woher sie das Talent zum Musikmachen hat, weiss die Mutter nicht genau, sie hat aber eine Vermutung. «Musik spielte in unserer Familie immer eine Rolle. Aber besonders meine Eltern waren sehr musikalisch. Ich selber habe begonnen, Gitarre zu spielen, habe aber schnell wieder aufgehört», erklärt Ruschka Brunovic. Sie sei eben nicht so diszipliniert wie ihre Tochter. Doch trotz dieser grossen Disziplin staune sie immer wieder, welch Musikgefühl ihre Tochter besitze. «Sie hat die Lieder im Kopf, schreibt nichts auf. Zudem verfügt sie über ein unglaubliches Gehör», so die Mutter.

Zuerst die Matura machen

Wie gross ihr Talent und ihre Stimme ist, das will Bernarda am Samstag unter Beweis stellen. Bei der Familie ist man sicher, dass Bernarda dann auf die Unterstützung von ganz Dietikon zählen kann. «Wie es der Songtitel ausdrückt: Wir haben Vertrauen, dass alles gut kommt», meint Vater Zeljko. Und wenn es doch nicht klappen sollte, sei das auch nicht so schlimm. «Musikmachen ist nicht wie Sport. Als Spitzensportler dauert die Karriere bis 30. Musik kann man ein ganzes Leben langen machen, hält er fest. Ihm sei ohnehin wichtiger, dass Bernarda zuerst die Matura an der Kantonsschule Limmattal mache. Dann werde man weitersehen.

Bernarda jedenfalls ist davon überzeugt, dass sie noch lange Musik machen wird. Und auch ihre Familie kann sich nichts anderes vorstellen. Genauso sicher ist man sich bei Brunovic’, dass, egal was am Samstag passiert, Bernarda nicht abheben wird. «Sie nimmt alles, was rund um sie passiert, ganz locker. Sie hat und wird sich nicht verändern», sagt Schwester Manuela. Und Mutter Ruschka ergänzt: «Sollte sie Erfolg haben, dann wird sie ihn mit allen teilen wollen. Bernarda ist sehr einfach. Sie braucht nicht viel». Das gelte für die ganze Familie. «Es ist spielt keine Rolle, wie viel man hat, sondern was man hat.»