Oberengstringen
Zum Ausklang assistiert Sangiovanni in die Super League

Der Oberengstringer Carmine Sangiovanni schafft als Schiedsrichterassistent den Aufstieg in die höchste Liga. er Oberengstringer machte erst mit 29 Jahren den Schiedsrichtergrundkurs. Jetzt, neuneinhalb Jahre später, erreicht er die Super League.

Raphael Biermayr
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Muss immer auf Ballhöhe sein:Carmine Sangiovanni.zvg

Muss immer auf Ballhöhe sein:Carmine Sangiovanni.zvg

Immer auf den letzten Drücker – das trifft auf die Unparteiischenkarriere von Carmine Sangiovanni zu. Der Oberengstringer machte erst mit 29 Jahren den Schiedsrichtergrundkurs. Jetzt, neuneinhalb Jahre später, hat der frühere FC-Engstringen-Spieler als Assistent die Super-League-Qualifikation in der Tasche. Zu Neujahr erreichte den Teamleiter bei einem Telekommunikationsunternehmen die frohe Botschaft, kürzlich weilte er mit seinen Kollegen aus den höchsten beiden Ligen im Trainingslager auf Gran Canaria.

Die Basis für die Promotion sei eine «hervorragende Saison» gewesen. Was bei Spielern zum Beispiel viele Tore bedeutet, heisst auf Referees gemünzt: gute Benotungen und Rückmeldungen von erfahrenen Kollegen. «Ich erhielt von allen Schiedsrichtern positive Feedbacks», sagt Sangiovanni. Änderungen im Vergleich zu seiner Zeit in der Challenge League, für die er selbstredend weiterhin aufgeboten werden kann, erwarten den zweifachen Familienvater kaum. Zumindest, was das Organisatorische anbelangt. Anders sind hingegen die Spielintensität und der Rahmen: «Die Spieler sind besser und schneller, es hat mehr Zuschauer.» Eine Neuheit erwähnt Sangiovanni im Gespräch immer wieder: den grossen medialen Druck.

Der 38-Jährige hat bereits seine Erfahrungen damit gemacht. In der Vorrunde der laufenden SL-Saison erhielt er zwei Testspiele, die ihn beide an den Neuenburgersee führten. Bei Xamax - GC habe er einen unaufgeregten Abend verbracht, bei Xamax - YB dann aber ein Wechselbad der Gefühle. Sangiovanni entschied beim Treffer zum 0:1 für die Berner in der Nachspielzeit auf Abseits. Ein Fehlentscheid. «Dieser Fehler machte mir zu schaffen. Ich verbrachte eine schlaflose Nacht. Zu Hause habe ich mir die Situation zehn-, fünfzehnmal angeschaut, bis ich wusste, warum ich falsch entschieden hatte.» Die Szene war auch Thema im Trainingslager, wo ein Psychologe zugegen war, um mit den Unparteiischen im mentalen Bereich und an der Körpersprache zu arbeiten.

Auf den positiven Gesamteindruck hatte der genannte Fehler offensichtlich keinen Einfluss. Am kommenden Wochenende beginnt die Rückrunde in der höchsten Liga, ob auch für Sangiovanni, weiss er noch nicht. So oder so bedeu-
tet diese Beförderung das Ende der Fahnenstange für den Limmattaler. Für den nächsten Schritt (Fifa-Schiedsrichterassistent) ist er zu alt. Das tut seiner Freude keinen Abbruch. «Ich erhalte
die Chance, in die neuen Stadien der Schweiz einzulaufen. Es ist grossartig, dass ich das erleben darf.»

Das Ende seiner Laufbahn erwartet Sangiovanni endgültig mit 45 Jahren. Dann fällt das Beil der Altersguillotine in den höchsten Ligen. Bis dahin will er, «sofern es die Gesundheit zulässt», dabei sein. Schliesslich gilt es, den Ausklang der Karriere in vollen Zügen geniessen – in der höchsten Liga.