Man ist nie zu alt, um etwas Neues auszuprobieren. So lud das Freibad Weihermatt in Urdorf an seinem 50-Jahr-Jubiläum die Badegäste zu einer Zeltnacht ein. Rund 50 Zelte wurden aufgestellt, und die Badi verwandelte sich am Freitagabend kurzerhand in ein Campingdorf.

Konzert der Steelband Calaloo in der Badi Weihermatt

Die Steelband Calaloo spielt in der Badi Weihermatt auf.

«Es war schön, mit so vielen Urdorfern spontan zu zelten. Das Dorf wuchs zu einer grossen Familie zusammen», sagte Nicole Reisle, die mit Tochter Muriel, ihrer Freundin Isabel Keel und deren Kindern in der Badi übernachtet hatten. Neben dem Rauschen des Schäflibachs und dem Läuten der Kirchenglocken bis 23 Uhr hätten sie auch noch das Gekicher und Geplauder der Jugendlichen gehört, so Keel.

«Wir haben bis vier Uhr morgens die Sterne beobachtet, Karten gespielt und geplaudert», beschrieb die 14-jährige Jessica Brändle, wie sie mit Freunden die Zeltnacht verbrachte. Doch nicht nur die grossen Kinder genossen die Zeltnacht. Die Kleinen fanden es genau so aufregend und toll, in ihrer Lieblingsbadi zu übernachten, spät aufzubleiben und im Abendlicht die Rutschbahn hinunterzusausen.

«Es war mega cool», meinte der neunjährige Robin Bollinger. Für die richtige Atmosphäre und Sicherheit sorgte das Team um Bademeister Hans Kaeser. «Nachdem ich geholfen hatte, die Lichter und Fackeln zu installieren, durfte ich in die Haut der Gäste schlüpfen und an meinem Arbeitsort übernachten», verriet Mitarbeiter Oliver Ritter. Die Badi habe auch auf ihn als «Gast» einen gut organisierten Eindruck gemacht.

Voll des Lobes war der Liegenschaftenvorstand Roland Stämpfli. Im Rahmen seiner Ansprache zum Jubiläum bedankte er sich für die ausgezeichnete Arbeit des Freibad-Teams. Dabei skizzierte Stämpfli auch die historische Entwicklung der Anlage. Sie erforderte seinerzeit einen Kredit von über 3,3 Millionen Franken, was ein enormer Betrag war für die damaligen Verhältnisse von 2000 Einwohnern.

«Das Ja zur Anlage Weihermatt bewies visionäre Voraussicht, Mut und Überzeugungskraft», sagte der Urdorfer Liegenschaftenvorstand. Zwar prognostizierte man damals für heute eine Einwohnerzahl von 25 000, doch bleibe die Anlage auch für rund 9600 Einwohnern ein Ort mit überregionaler Attraktivität und Anziehungskraft, so Stämpfli.

Badi als Sommerwohnung

Die 83-jährige Ingrid Heinzelmann kennt die Badi schon von Anfang an. Sie sei ein Riesenfan und wohne seit zehn Jahren gegenüber der Anlage. Trotzdem habe sie hier eine Kabine gemietet. Das Freibad sei so etwas wie ihre Sommerwohnung, scherzte Heinzelmann, die zusammen mit Gertrud Fischer das Konzert der Steelband Calaloo genoss. Calaloo spielte fröhlich-sommerliche Musik mit karibischem Flair. Es sei eine grosse Ehre, am Jubiläum der Badi auftreten zu dürfen, so die Bandleader Charly und Bea Raetz.

Am sonnigen Samstagmorgen kam die Badi kaum noch aus der Feierlaune. Neben reichhaltigem Frühstücksbuffet und Beachvolleyball konnte man Yoga-Luft bei Tina Fessel schnuppern oder mit der Autodrehleiter der Feuerwehr Urdorf 30 Meter in die Höhe fahren und die Badi von oben sehen: Dem Besucher bot das Freibad auch mit 50 Jahren eine beeindruckende Aussicht.