Berufswahl
Zukunftstag will Hemmschwellen senken

Am gestrigen Zukunftstag hatten Kinder in der ganzen Schweiz die Möglichkeit, ihren Eltern über die Schultern zu schauen. Auch der Werkhof Dietikon öffnete seine Türen.

Julia Wartmann
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Dominik Fahrni (17) zeigt Corina Steiger (11), wie man einen Verbundsteinplatz baut. Im Rahmen des Zukunftstags begleiten Kinder ihre Eltern an deren Arbeitsplätze.

Dominik Fahrni (17) zeigt Corina Steiger (11), wie man einen Verbundsteinplatz baut. Im Rahmen des Zukunftstags begleiten Kinder ihre Eltern an deren Arbeitsplätze.

Corina (11) kennt sich mit der Arbeit ihres Vaters bereits ein wenig aus. «Er erzählt manchmal zu Hause davon. Neu habe ich heute gelernt, dass die hellen Steine vor dem Platz Wassersteine heissen», sagt sie. Gestern begleitete sie ihren Vater Markus Steiger ihm Rahmen des Zukunftstags erstmals an seinen Arbeitsplatz.

Als Leiter der Abteilung für Strassenunterhalt Dietiker arbeitet er an verschiedenen Orten in der Stadt. Sein Team, das aus Fachmännern für Betriebsunterhalt besteht, befasst sich unter anderem mit Grünpflege, Recycling und der Wartung öffentlicher Plätze. Steiger sagt: «Heute heisst es Fachmann und Fachfrau Betriebsunterhalt. Bei uns gibt es derzeit aber keine Frau in der Lehrlingsausbildung.» Dass sich bisher noch nicht so viele Frauen für einen Beruf auf dem Werkhof interessieren, ist einer der Gründe, wieso es den Zukunftstag gibt.

Am Zukunftstag die Seite wechseln

Mädchen und Jungen von der fünften bis zur siebten Primarschulklasse werden einmal im Jahr ermutigt, am nationalen Zukunftstag in Berufen zu schnuppern, die sie vorher noch kaum kannten. Konkret heisst das: Mädchen in eher handwerklich-technischen Berufen und Knaben im Sozial- oder Bildungsbereich. Corina hat schon eine genaue Vorstellung davon, was sie einmal werden möchte: «Ich würde gerne mit Tieren arbeiten; als Bäuerin oder Tierärztin.» In die Fussstapfen ihres Vaters zu treten, kann sie sich bis jetzt nicht vorstellen.

Lehre bei der Stadt

Die Frauenquote bei den Auszubildenden der Stadtverwaltung ist, über alle Abteilungen gesehen, hoch. Laut Susanne Krähenbühl, der Lehrlingsverantwortlichen der Stadt Dietikon, sind von den 30 Lehrlingen 23 weiblich. Nur wenige sind aber in traditionell eher männlichen Berufsfeldern: So arbeitet eine junge Frau als Fachfrau Betriebsunterhalt, Fachrichtung Hausdienst, im Alters- und Gesundheitszentrum.

Markus Steiger hingegen hätte nichts gegen eine Lehrtochter in seiner Abteilung: «Es gibt auch Frauen, die gerne an der frischen Luft arbeiten. Und bei unserer Arbeit muss man das Wetter wirklich gern haben.» Diejenigen Frauen, die eine Ausbildung zur Fachfrau Betriebsunterhalt machen, gehen laut Steiger jedoch meistens in den Haus- und nicht in den Werkdienst. Die Fachrichtung Hausdienst beschäftigt sich mehr mit Reinigungsarbeiten aller Art. Nico Tinner, Fachmann für Betriebsunterhalt und Lehrlingsausbildner bei der Stadt Dietikon sagt: «Es wäre interessant, auch mal eine Frau als Lehrling auszubilden. In der Fortbildung zum Vorarbeiter haben wir nun eine Frau in der Klasse.» Während seiner Zeit als Lehrling hatte er keine Frau in der Klasse, in den Parallelklassen einige wenige. Mithilfe des nationalen Zukunftstages soll sich das ändern. Die Gleichstellung von Mann und Frau in der Berufswelt muss frühzeitig gefördert werden, fordern die Initianten des Projekts.

Optionen offen halten

Corina will sich auf jeden Fall alle Optionen offen halten: «Meine Mutter hat mir geraten, am nächsten Zukunftstag einen Bauern zu fragen, ob ich bei ihm schnuppern darf. Das werde ich tun.»