Während Noel einem Kind das Memory-Spiel erklärt, stossen nach und nach immer mehr dazu. «Ich will auch»-Rufe sind zu vernehmen und nach kurzer Zeit haben sich in der Kindertagesstätte KiBiZ in Geroldswil fünf Kinder um den Tisch versammelt. Mittendrin organisiert der 12-jährige Noel das Spiel und erklärt den Kleinen die Bilder auf den Karten. «Er ging gleich zu Beginn von sich aus auf drei Kinder zu, die in einer Ecke ein Buch lasen, und fragte sie über ihre Lektüre aus», freut sich Gruppenleiterin Andrea Ricklin über die aufgeschlossene Aushilfskraft und scherzt: «Eigentlich sind wir gerade arbeitslos». Noel schleppt gestrandete Spielfahrzeuge ab und hilft beim Bau von Legohäusern. Unterdessen spielt der 11-jährige Severin draussen mit der anderen Gruppe auf dem Schulhausplatz Fussball.

Herumblödeln macht Spass

Herumblödeln macht Spass

Die beiden Klassenkameraden erhalten im Rahmen des Nationalen Zukunftstags in der Kita Einblick in die Arbeit als Betreuer. Jeder begleitet eine der beiden Spielgruppen durch den Tag. Erfahrung im Umgang mit Kleinkindern haben beide aus ihrem familiären Umfeld eher wenig, aber die Arbeit mit den Kleinen hat es beiden angetan. «Mir gefällt der Umgang mit den Kindern. Es ist schön, zu sehen, wie viel Freude sie haben», sagt Severin und Noel pflichtet ihm bei.

Der grosse Entscheid

Beim Mittagessen blödelt Noel am Tisch mit einem Knirps herum. Ihre lachenden Gesichter verraten, wie viel Spass sie haben. Die zweite Gruppe muss sich im Raum nebenan noch kurz gedulden. Kein Problem, bilden die Kleinen doch singend eine menschliche Schlange, die immer weiter wächst. Severin steckt zur sichtlichen Freude der Kinder mittendrin. Anschliessend hilft er, das Essen zu servieren. Hier steht ein wichtiger Entscheid an: Älplermagronen oder Nudeln mit Tomatensauce? Bei der Auswahl sind einige der Kleinen eine Weile am Grübeln. Nur beim Salat scheint sich die Mehrheit einig, dass weniger mehr ist.

«Als Noel und Severin heute Morgen ankamen, wirkten beide noch scheu», sagt Krippenleiterin Michèle Keller. «Es ist schön, wie schnell sie sich öffneten und auf die Kinder zugingen.» Wie in vielen Kitas arbeiten im KiBiZ zurzeit nur Frauen und bei anderen Schnupperangeboten melden sich meistens auch nur Mädchen. Keller wollte deshalb unbedingt am Zukunftstag teilnehmen, «damit mehr Knaben auf den Beruf aufmerksam werden.» Männer hätten oft einen anderen Umgang mit Kindern und es sei für die Entwicklung des Kindes wichtig, dass sie auch männliche Vorbilder um sich herum haben. Deshalb fände sie es schön, wenn mehr Männer den Zugang zum Beruf finden würden.

Werden Noel und Severin eines Tages vielleicht auch diesen Berufsweg wählen? Bisher interessieren sich die beiden eher für typische Männerdomänen. Während Severin ein leidenschaftlicher Tüftler ist und an eine Zukunft als Programmierer denkt, interessiert sich Noel für Elektronik und Informatik. Gelohnt hat sich ihr Ausflug in die ihnen unbekannte Arbeitswelt dennoch allemal. Beide erzählen nur Positives über ihren Einsatz in der Kita und wollen die Erfahrung ihren Klassenkollegen weiterempfehlen.