Noch vor zwei Jahren schien es so, als sei das Gasthaus Sonne in Birmensdorf gerettet: Im Rahmen eines grösseren Bauprojekts sollte es saniert und als Gastro-Betrieb mit Hotelzimmern erhalten werden. Die Zürcher Schällibaum und Partner AG hatte die Liegenschaft mit zwei weiteren anliegenden Gebäuden an der Luzernerstrasse gekauft und ein Projekt für eine Wohnüberbauung mit Gewerbenutzung und Hotelleriebetrieb ausgearbeitet. Doch dann passierte lange nichts. Nun sind auf der Website der Schällibaum und Partner AG alle drei Liegenschaften samt dem baubewilligten Projekt zum Verkauf ausgeschrieben – für insgesamt 15,15 Millionen Franken. Wie steht es also um das traditionsreiche Restaurant?

Es ist – was angesichts der bisherigen Geschichte dieser Liegenschaft kaum erstaunt – wieder vieles in der Schwebe. Wie eine Anfrage bei den Eigentümern zeigt, ist selbst die Verkaufsannonce längst überholt. Remo Schällibaum, Mitinhaber und Geschäftsleiter von Schällibaum und Partner, erklärt, dass nur das Gebäude, in dem sich die «Sonne» befindet, samt dem zwischenzeitlich baubewilligten Projekt verkauft werden soll (siehe Kontext). «Wir stehen mit mehreren Interessenten in Kontakt», sagt er. Zum Verkaufspreis will er sich nicht äussern, dieser ist Gegenstand der aktuellen Verhandlungen.

Eigner kann auch neu planen

Mit dem Verkauf der Liegenschaft ist auch nicht mehr sicher, ob das Restaurant Sonne tatsächlich weiter bestehen wird und ob auch die im Teilprojekt vorgesehenen Wohnungen und Hotelzimmer erstellt werden. «Wir verkaufen das Gebäude zwar samt Bauprojekt, aber ob der neue Eigner dieses oder ein eigenes Vorhaben mit einer anderen Nutzung umsetzt, liegt nicht in unserer Hand», sagt Schällibaum. Dass seine Firma die Um- und Neubauten nicht selbst umsetzt, sei schon immer eine Option gewesen, sagt der Architekt.

Die Liegenschaften an der Luzernerstrasse 3 und 5 behält Schällibaums Firma selbst. Er begründet dies damit, dass man Eigenbedarf für die Gewerbeflächen festgestellt habe. Auch bei diesen beiden Gebäuden sind die Um- und Neubauarbeiten vorerst auf Eis gelegt, obwohl gemäss Bauprojekt neue Gewerbeflächen vorgesehen wären: «Die vorhandenen bestehenden Räumlichkeiten erfüllen den Zweck für uns gut», erklärt Schällibaum. Daher dränge sich eine Neubebauung nicht auf. Er verweist zudem darauf, dass die bestehenden Wohnungen eher im günstigen Mietzinssegment angesiedelt seien. «Es erscheint mir wichtig, dass auch Wohnungen im günstigen Segment angeboten werden können», so Schällibaum.

Aufseiten der Gemeinde wusste man offenbar nicht um die neuste Wendung betreffend die drei Liegenschaften. «Es war bisher nicht klar, ob die Entwicklerin selbst umsetzt oder das Projekt pfannenfertig verkauft», sagt Peter Siegrist, Leiter des Birmensdorfer Bauamtes. Dass mit dem Verkauf der Luzernerstrasse 1 auch das Fortbestehen des Restaurants «Sonne» in der Schwebe ist, freut die Behörden nicht. Bereits 2014 erklärte Bauvorstand Bruno Knecht (parteilos): «Die ‹Sonne› gehört zu Birmensdorf.»

Zur neuen Situation sagt Gemeindeschreiber Angelo Umberg: «Wir würden es sehr begrüssen, wenn an diesem Ort wieder ein Restaurant betrieben würde.» Der Gemeinderat habe zuletzt auch die Absicht geäussert, möglichen Betreibern zu helfen, «was die Rahmenbedingungen anbelangt». Ein finanzielles Engagement seitens der Gemeinde sei jedoch nicht geplant, so Umberg.

50 Jahre lang ein Familienbetrieb

Das Gasthaus Sonne ist für die Gemeinde Birmensdorf von historischer Bedeutung: Das Restaurant samt Gästezimmern wurde über 50 Jahre lang von der Aescher Wirtefamilie Ramseyer betrieben. Bis zu seiner Schliessung Ende 2014 führte es Daniel Ramseyer in der zweiten Generation. Und die «Sonne» war nicht nur bei der Dorfbevölkerung beliebt, auch Rekruten vom Waffenplatz Reppischtal verbrachten dort regelmässig ihren Ausgang.

Dass Ramseyer den Betrieb aufgab und die Liegenschaft verkaufte, lag in erster Linie daran, dass der heute 60-Jährige keine familieninterne Nachfolge hatte. Als die Generalunternehmerin Schällibaum und Partner AG mit dem Gedanken spielte, die Luzernerstrasse 3 und 5 zu erwerben, fragte Remo Schällibaum den Wirt bei einem Besuch seiner Beiz spontan an, ob er das Gasthaus verkaufen würde. Dieser hatte einen Verkauf nach eigenen Angaben schon früher in Erwägung gezogen und sagte nach einigen weiteren Gesprächen zu. So ging schliesslich auch die Luzernerstrasse 1 in den Besitz der Zürcher Firma über.