Limmattal
Zügeln: Gang an den Schalter entfällt bald – nur zwei Gemeinden sind nicht digital

Nur Dietikon und Birmensdorf sind noch nicht für das digitale System zum Wohnortswechsel angemeldet.

Flurina Dünki
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Zügeln soll im Limmattal dank Digitalisierung bald erleichtert werden.

Zügeln soll im Limmattal dank Digitalisierung bald erleichtert werden.

Keystone

Ein Wohnungswechsel ist an sich schon strapaziös genug. Ist mit dem Umzug auch ein Gemeindewechsel verbunden, kommt auf den Zügelnden ein zusätzlicher zeitraubender bürokratischer Aufwand hinzu. Umso grösser war der Andrang, als sich die Zürcher Gemeinden ab dem 11. April dieses Jahres beim Kanton für das System des elektronischen Umzugs (eUmzug) anmelden konnten. Das Online-Werkzeug ermöglicht es, sich per Mausklick von der bisherigen Gemeinde ab- und auf der neuen Gemeinde anzumelden. Schaltergänge bleiben dem Umziehenden erspart.

Nach eineinhalb Monaten stehen bereits 140 der 168 Zürcher Gemeinden auf der Warteliste. 30 Gemeinden sind schon ans System angeschossen, darunter auch Schlieren und Uitikon, beide seit dem 1. Juni. Die hohe Teilnehmerzahl innert kurzer Zeit überrascht selbst die Geschäftsstelle «egovpartner» des Kantons. «Wir sind sehr positiv überrascht von der schnellen Reaktion der Gemeinden und auch ihrer Bürger, die das System schon fleissig nutzen», sagt Geschäftsstellenleiter Lukas Steudler. Wer die digitale Kantonskarte aufruft, auf der teilnehmende Gemeinden eingefärbt sind, erkennt im Limmattal zwei weisse Flecken. Der eine ist Birmensdorf, der andere Dietikon. Tatsächlich habe sein Team bisher trotz Aufrufen noch von keiner der beiden Gemeinden etwas gehört, sagt Steudler.

Systemwechsel in Birmensdorf

Birmensdorf habe von seinem Softwarelieferant gerade den nötigen Release des Systems erhalten, der noch in der Testphase sei, sagt Daniela Suppiger, Leiterin der Abteilung Sicherheit und Gesundheit, auf Anfrage. Die Aufschaltung des eUmzugs sei geplant, schon weil der Kanton eine flächendeckende Einführung als Ziel gesetzt habe. Einen genauen Zeitpunkt kenne man aber noch nicht.

Steudler weist darauf hin, dass sich eine Gemeinde trotz laufendem Systemwechsel anmelden kann. «Sie könnte etwa vermerken, dass sie erst im Jahr 2017 an den eUmzug aufgeschaltet werden möchte», sagt er. Natürlich verstehe der Kanton aber, dass die Birmensdorfer aktuell mit internen Prozessen etwas zugedeckt seien. Jedoch sei die Aufschaltung des elektronischen Umzugssystems überaus einfach. So seien alle im Kanton angewendeten Einwohnerkontrollsysteme für den eUmzug kompatibel.

eUmzug

Durch das System des elektronischen Umzugs wird die Abmeldung bei der Gemeinde und die Anmeldung auf der Zuzugsgemeinde auf einen Schritt reduziert. Beides kann über den Onlineschalter der Wegzugsgemeinde rund um die Uhr erledigt werden. Auch eine Schnittstelle zum Krankenkassengrundversicherungsregister sowie des Gebäude- und Wohnungsregisters des Bundes besteht. Die Gebühren können am Schluss des Prozesses ebenfalls online beglichen werden.
Die Gemeinden können zur Installation des Systems zwischen mehreren IT-Dienstleistern wählen. Vorerst existiert der eUmzug nur im Kanton Zürich, andere Kantone wie der Aargau haben jedoch bereits Interesse bekundet. Ziel des Kantons Zürich, der als Leiter des Projekts auftritt, ist es, dass der eUmzug von allen Zürcher Gemeinden übernommen wird.

Anders gelagert ist der Fall in Dietikon. Die Gemeinde ist gemäss Steudler die einzige Stadt im Kanton, die noch gar nicht auf die Aufrufe zur Installation des eUmzugs reagiert hat. An den elektronischen Umzug anschliessen will sich gemäss Thomas Winkelmann, Leiter der Sicherheits- und Gesundheitsabteilung, auch Dietikon. Nur dauere es seine Zeit, bis das Projekt mit Budget abgesegnet sei. Geplant sei eine Aufschaltung auf Januar 2017. Es seien bereits Offerten von Anbietern eingeholt worden, nun müssten diese durch die vorberatenden Stadtratskommission für EDV-Fragen überprüft und die endgültige Projektsumme für das Budget 2017 abgesegnet werden.

Allzu stark zur Kasse gebeten werden die Gemeinden beim eUmzug-Projekt jedoch nicht. Der kantonale Teil des Projekts ist gemäss Steudler für die Gemeinden kostenlos. Das lokale Branchensystem müsse aber für das neue System kompatibel sein. Die Kosten für die Installation und den Betrieb von eUmzug sind individuell, je nach Software-Anbieter. Ueli Gündel vom IT-Anbieter Ruf Informatik, der von mehreren Gemeinden des rechten Limmatufers mit der Installierung von eUmzug beauftragt wurde, spricht von einem Betrag von rund 1900 Franken für die komplette Aufschaltung einer Gemeinde. Für Uitikon hat das Verwaltungsrechnungszentrum AG St. Gallen die Installierung realisiert. Dieses rechnet gemäss Einwohnerwesen-Vorstand Patrik Wolf entsprechend der Einwohnerzahl der Gemeinde ab, was für Uitikon jährlich 500 Franken ausmacht.

Dietikon sieht Nutzen

Ist das Budget tatsächlich der einzige Grund, weshalb sich Dietikon mit dem neuen Onlineinstrument schwertut? Der Kanton berechne nicht alle Kosten, entgegnet Winkelmann. Je nach Software würden sie für eine Anpassung höher oder tiefer ausfallen. Zudem müsse auch die Finanzsoftware bei einer Installierung von eUmzug angepasst werden. All diese Budgetposten müssten zuerst geklärt werden, bevor das Projekt zur Absegnung unterbreitet werden könne. Den Nutzen des Online-Dienstes sehe Dietikon durchaus. Doch bei Informatikprojekten könne es auch einmal angebracht sein, wenn man nicht gleich der erste Teilnehmer sei.

«In Dietikon wird der digitale Fortschritt nicht vorangetrieben.» Philipp MüllerDietiker Gemeinderat (FDP)

«In Dietikon wird der digitale Fortschritt nicht vorangetrieben.» Philipp MüllerDietiker Gemeinderat (FDP)

Zur Verfügung gestellt

Anders sieht das der Dietiker Gemeinderat Philipp Müller (FDP). Er hat schon mehrere Vorstösse eingereicht, mit dem Ziel, die Stadt digital auf Vordermann zu bringen. In Dietikon werde der digitale Fortschritt nicht vorangetrieben, sagt Müller. «Ein Internetauftritt ist die Visitenkarte einer Gemeinde und derjenige von Dietikon ist in die Jahre gekommen.» Es gäbe zwar einen Onlineschalter, die Angebote seien aber eher versteckt. Bereits 2011 reichte Müller beim Stadtrat eine Interpellation ein, mit der er sich über aktuelle und zukünftige E-Government-Angebote erkundigte. In der Antwort des Stadtrats wurde bereits damals der eUmzug als zukünftiges Angebot genannt. «Wenn ich den digitalen Stand Dietikons betrachte, so überlege ich mir, einen erneuten Vorstoss mit der gleichen Frage einzureichen», sagt Müller. Zur Verbesserung der aktuellen Situation kann er sich die Benennung einer Person der Stadtverwaltung als E-Government-Beauftragten vorstellen.

Über einen solchen Verantwortlichen verfügt Schlieren mit Stephan Knobel, Abteilungsleiter Sicherheit und Gesundheit. «In Schlieren haben wir allgemein sehr grosses Interesse am Online-Dienstleistungen, weshalb das Thema auch vom Stadtrat vorangetrieben wird», sagt Knobel, der seine Masterarbeit über das Thema E-Government verfasst hat. Selbst in den Regierungsschwerpunkten sei die «Erweiterung der elektronisch verfügbaren Dienstleistungen» festgehalten. Auch sieht er es für die Zukunft als unrealistisch, dass ein Angestellter, der nebenher noch eine reguläre Funktion innerhalb der Verwaltung hat, eine solche Rolle seriös wahrnehmen kann. «Der Aufwand für die Umsetzung einer gesamtheitlichen E-Goverments-Strategie benötigt vor allem in der Projektphase zusätzliche Ressourcen.»

Über kurz oder lang werden alle Gemeinden an das System des E-Umzugs angeschlossen. Der Kanton arbeitet momentan an rechtlichen Instrumenten, welche die Verwaltungen verpflichten, den eUmzug anzubieten. In allen Gemeinden wird der Gang auf die Verwaltung aber weiterhin möglich sein. Wer zwischen einer bereits an den eUmzug angebundenen Gemeinde und einem noch nicht teilnehmenden Ort wechselt, kann das System auch nur für die Ab- oder die Anmeldung nutzen.