Zürich
Nach Sturm Bernd: Vor der alten Kirche in Albisrieden wurde eine neue Linde gepflanzt – und mit ihr ein Stück Limmattal

Mitte Juli hatte ein Unwetter die 70-jährige Linde auf dem Kirchenplatz in Albisrieden entwurzelt. Nun hat Grün Stadt Zürich einen neuen Baum gesetzt – und mit ihm eine Schatulle aus Dietikon, die unter anderem eine Ausgabe der «Limmattaler Zeitung» enthält.

Sven Hoti
Drucken
Teilen
Mitarbeiter von Grün Stadt Zürich haben am Dienstagmorgen auf dem Kirchenplatz in Albisrieden eine junge Winterlinde gepflanzt.

Mitarbeiter von Grün Stadt Zürich haben am Dienstagmorgen auf dem Kirchenplatz in Albisrieden eine junge Winterlinde gepflanzt.

zvg/Hans Amstad

Das Jahr 2021 war kein gutes für den Stadtzürcher Baumbestand. Gemäss Grün Stadt Zürich sind rund 2000 Park- und Strassenbäume dem starken Schneefall im Winter und Sturm Bernd im Sommer zum Opfer gefallen. Einer davon ist die 70-jährige Linde vor der alten Kirche in Albisrieden –das Unwetter hatte sie entwurzelt. Dabei war unter dem Wurzelstock eine alte Schatulle mit Tageszeitungen aus dem Jahr 1951 zum Vorschein gekommen – darunter eine Ausgabe des «Limmattaler Tagblattes». Das Behältnis war damals mit der Linde vergraben worden.

So gross die Neugierde und Freude über den Fund ist, so traurig waren die Albisriederinnen und Albisrieder ob des Verlusts des alten Baumes. Doch die Geschichte hat ein Happy End: Am Dienstagmorgen hat Grün Stadt Zürich – das für die städtischen Grünanlagen verantwortlich ist und derzeit die zerstörten Bäume ersetzt – am gleichen Ort vor der alten Kirche eine junge Winterlinde gepflanzt. Die Kosten dafür habe die Stadt übernommen, wie Hans Amstad, Präsident des Ortsmuseums Albisrieden und Vorstandsmitglied des Quartiervereins Albisrieden, mitteilt.

In Zusammenarbeit mit dem Quartierverein wurde dabei auch eine neue Zeitkapsel unter dem Wurzelstock des Baumes vergraben. Darin befinden sich Bilder von der Lindensetzung 1951, ein Text zu deren Geschichte sowie Fotos der entwurzelten Linde von diesem Jahr. Aber auch Tageszeitungen und Berichte zu Sturm Bernd wurden beigelegt. Darunter ist auch die Ausgabe der «Limmattaler Zeitung» vom 9. August, wie der Museumspräsident verrät. Jene Ausgabe also, in welcher über die Zerstörung der alten Linde und den Fund berichtet worden war.

Lesen Sie hier nochmals die Geschichte zum Fund der alten Schatulle:

Ein Fest wie vor 70 Jahren hat es keines gegeben. «Die Ankündigung durch Grün Stadt Zürich kam viel zu kurzfristig. Wir haben davon am letzten Donnerstag erfahren und schnell in Dietikon diese Schatulle besorgt.» Im Unterschied zur alten Kupferschatulle besteht die neue Zeitkapsel aus Aluminium und ist wasserfest. Die Beilagen im Innern wurden mehrheitlich laminiert. Die Zukunft wird zeigen, ob die Zeitkapsel der Witterung gewachsen ist.

In Zusammenarbeit mit dem Quartierverein Albisrieden wurde unter dem Wurzelstock der Junglinde eine Schatulle aus Aluminium vergraben.

In Zusammenarbeit mit dem Quartierverein Albisrieden wurde unter dem Wurzelstock der Junglinde eine Schatulle aus Aluminium vergraben.

zvg/Hans Amstad

Die Fundsachen aus der alten Schatulle sind im Ortsmuseum ausgestellt

Amstad war 1951 als Sechsjähriger dabei, als die alte Linde mitsamt Schatulle verpflanzt wurde. Das Ereignis hat einen bleibenden Eindruck bei ihm hinterlassen. Dass er nun derjenige sein durfte, der die neue Zeitkapsel vergräbt, sei schon speziell, sagt er und führt aus:

«Es ist etwas, das man voraussichtlich nie mehr in die Hand nehmen wird. Darin hat es Dinge, die vielleicht irgendjemand einmal ausgraben und anschauen wird.»

Die Fundsachen aus der alten Schatulle können derzeit im Ortsmuseum Albisrieden begutachtet werden. Amstad und sein Team haben die gefundenen Münzen – darunter eine Gedenkmünze zum 600-Jahr-Jubiläum von Zürich in der Eidgenossenschaft – sowie verschiedene, teils heute nicht mehr existierende Zeitungen in einer Vitrine ausgestellt. Das Museum ist bis zum 12. Dezember jedes Wochenende geöffnet, dies von 13 bis 17 Uhr.

Aktuelle Nachrichten