Zürich
Über 2000 Arbeitsplätze, eine atemberaubende Aussicht und keine pinken Zellen: So sieht das neue Polizei- und Justizzentrum kurz vor seiner Fertigstellung aus

Das neue Polizei- und Justizzentrum bringt Polizei und Justiz ab 2022 an einen Ort. Bei einem dreistündigen Rundgang zeigten die Verantwortlichen, wie weit der Bau des Gebäudes fortgeschritten ist.

Sven Hoti
Drucken
Teilen
Die Fassade des neuen Polizei- und Justizzentrums (PJZ) besteht aus grünen Sedimentgesteinen aus dem Wallis.
16 Bilder
Am Haupteingang stechen die ringförmigen Leuchten ins Auge. Die Besucherinnen und Besucher werden hier ähnlich streng kontrolliert wie am Flughafen Zürich.
Nach dem Eingang kommt das Atrium, von wo aus die fünf Stockwerke erreichbar sind.
Die vielen Fenster gewähren schöne Aussichten – zum Beispiel in einen der Innenhöfe.
Ein Mix aus Beton, Holz und Glas macht das Erscheinungsbild der insgesamt 2030 Arbeitsplätze aus.
Auch die Forensik ist im Neubau untergebracht und hat grosszügige Labors erhalten.
Den Mitarbeitenden steht ein Personalrestaurant zur Verfügung.
Auf dem Dach wurden Fotovoltaikanlagen installiert.
Im neuen Polizei- und Justizzentrum kommen nicht nur die Kantonspolizei und Strafverfolgungsbehörden unter, sondern auch die Polizeischule.
Den Mitarbeitenden und angehenden Polizistinnen und Polizisten steht unter anderem eine Turnhalle mit Kletterwand zur sportlichen Betätigung zur Verfügung.
Insgesamt 241 Gefängnisplätze zählt der Neubau; 124 Plätze für vorläufige Festnahmen und 117 für die Untersuchungshaft.
Eine Gefängniszelle für Untersuchungshäftlinge von innen. Auf den Bettern werden bis zur Eröffnung noch Matratzen platziert.
Den Untersuchungshäftlingen stehen sogenannte Spazierhöfe für Freizeitaktivitäten zur Verfügung.
Im dritten Untergeschoss befindet sich eine Tiefgarage.
In der Tiefgarage befinden zusätzliche Zellen für Massenverhaftungen.
Das PJZ verfügt über eine eigene Tankstelle für die Dienstfahrzeuge.

Die Fassade des neuen Polizei- und Justizzentrums (PJZ) besteht aus grünen Sedimentgesteinen aus dem Wallis.

Valentin Hehli

«Es besteht immer noch die Gefahr, dass Sie auf Nägel treten», warnte Dominik Bonderer, Leiter Kommunikation bei der kantonalen Baudirektion, gleich zu Beginn des dreistündigen Medienrundganges durch das neue Polizei- und Justizzentrum (PJZ) am Freitagmorgen. Nach über vier Jahren Bauzeit ist das Mammutprojekt auf dem Areal Güterbahnhof in Zürich Aussersihl-Hard nämlich noch immer nicht ganz fertig. Die Arbeiten verliefen jedoch nach Plan, versicherte Hans-Rudolf Blöchlinger, PJZ-Projektdelegierter des Regierungsrates. Heisst: Mitte Januar soll der fertige Bau an den Kanton übergeben und am 28. Oktober offiziell eröffnet werden.

Im Vergleich zum letzten Medienrundgang 2019, als der fertige Rohbau vorgestellt worden war, hat sich einiges getan – dem rund 280 Meter langen, 130 Meter breiten und 35 Meter hohen Gebäude aus der Feder des Zürcher Architekturbüros Theo Hotz Partner AG ist Leben eingehaucht worden. Die Baugerüste sind verschwunden und haben die grüne Fassade aus Verte de Salvan, ein Walliser Sedimentgestein, freigegeben. Für die insgesamt 2030 Mitarbeitenden von Polizei, Staatsanwaltschaft und Forensik sind Büroräume aus einem Materialmix von Sichtbeton, Holz und Glas und grosszügige Labore entstanden. Lange Gänge, verschiedene Treppen und 32 Liftanlagen verbinden die insgesamt acht Stockwerke, von denen drei unterirdisch sind. Hohe Fenster erlauben eine atemberaubende Aussicht auf den Kreis 4.

Im Gebäude werden dereinst nicht nur die Mitarbeitenden der Polizei- und Strafverfolgungsbehörden tagtäglich ein und aus gehen, sondern auch Gefangene, Zeuginnen und Zeugen, Anwältinnen und Anwälte oder Übersetzerinnen und Übersetzer. «Es wird ein lebendiger Ort werden», sagte Blöchlinger. Öffentlich zugänglich wird das Gebäude jedoch nicht sein. Es soll nur reinkommen, wer einen Grund dazu hat, betonten die Verantwortlichen. Am Haupteingang gibt es einen Kontrollprozess, der mit demjenigen des Flughafens Zürich vergleichbar sei. Im Gebäude sorgen Schleusen für die Feinverteilung der Besucherströme.

Insgesamt hat es 241 Gefängnisplätze

Insgesamt 241 Gefängnisplätze zählt der Neubau; 124 Plätze für vorläufige Festnahmen und 117 für die Untersuchungshaft. Sie wurden so im Gebäude unterteilt, dass sich Personen, welche die gleiche Straftat begangen haben, nicht begegnen können. Damit sollen Absprachen untereinander verhindert werden. Erstmals stehen der Polizei und der Staatsanwaltschaft zudem separate Räume für die Einvernahme zur Verfügung. Bisher geschah das Frage-Antwort-Spiel im Büro des oder der jeweiligen Sachverständigen.

Zusätzliche Zellen befinden sich in der Tiefgarage im dritten Untergeschoss. Sie dienen Massenverhaftungen bei Grossereignissen wie etwa 1.-Mai-Demonstrationen. Pinke Zellen hingegen, wie sie früher für besonders aggressive Gefangene entworfen wurden, gibt es keine. Die Idee sei überholt, meinte Michael Wirth, Chef Betrieb PJZ der Kantonspolizei, mit einem Schmunzeln. «Heute beruhigen wir sie mittels Betreuung.»

Chronologie: Der Standortentscheid ist schon fast 20 Jahre her

13.9.2000: Der Regierungsrat fällt den Standortentscheid: Auf dem Güterbahnhofsareal in Zürich-West soll ein Polizei- und Justizzentrum (PJZ) entstehen.

30.11.2003: Das Stimmvolk stimmt dem PJZ-Gesetz zu. Geplant wird ein Bau für 490 Millionen Franken, der Polizei und Justiz unter einem Dach zusammenbringt.

21.4.2006: Das Architekturbüro Theo Hotz Partner AG gewinnt den Architekturwettbewerb.

20.9.2010: Der Kantonsrat lehnt den Objektkredit fürs PJZ ab. Kritisiert werden zu hohe Kosten.

4.9.2011: Das kantonale Stimmvolk stimmt dem Projekt PJZ ein zweites Mal zu, diesmal mit 54,2 Prozent Ja-Stimmen. Jetzt soll der Bau 568,6 Millionen Franken kosten.

12.10.2012: Das Bundesgericht weist die letzte Beschwerde gegen den Bau des PJZ ab.

Mai 2013: Der Güterbahnhof wird teilweise abgebaut, um für das PJZ Platz zu schaffen.

22.6.2017: Grundsteinlegung fürs PJZ. Das 280 Meter lange Gebäude wird allmählich sichtbar.

10.4.2019: Der Regierungsrat stockt die Ausgaben für die PJZ-Einrichtung um 48,5 Millionen Franken auf. Ein Grund sind neue Anforderungen an die U-Haft.

2022: Das Polizei- und Justizzentrum Zürich soll bezogen werden. (mts)

Das PJZ soll die bisher an über 30 Standorten verteilte Kantonspolizei mit den Strafverfolgungsbehörden und dem Polizei- und Justizgefängnis an einem Ort zusammenbringen. Auch die Polizeischule wird ins PJZ wechseln. Der Kanton verspricht sich davon eine effizientere Zusammenarbeit unter den einzelnen Organen. Zudem ermöglicht der Bau die Freigabe des Kasernenareals, wo sich heute der Hauptsitz der Kantonspolizei und das provisorische Polizeigefängnis befinden.

Insgesamt 568,6 Millionen Franken lässt sich der Kanton den Neubau sowie den Kauf des Grundstücks aus dem Besitz der SBB kosten. Hinzu kommen 191,3 Millionen Franken für gebundene Ausgaben. Die Kosten waren in der Vergangenheit wiederholt Gegenstand von Diskussionen – auch weil der ursprüngliche Kostenrahmen nicht eingehalten werden konnte. Gegnerinnen und Gegner des Projekts hatten das PJZ deshalb auch als Justizpalast betitelt.

Aktuelle Nachrichten