Zürich
Im Gedenken an Corona- und Gewaltopfer: Dirigentin Gabriella Carli lädt zu den ersten «covidistischen» Konzerten

Die österreichisch-italienische Dirigentin Gabriella Carli widmet den Leidtragenden der Coronapandemie und Gewaltopfern eine Konzertreihe. Für die Künstlerin sind es die ersten Konzerte nach zwei coronabedingt ruinösen Jahren.

Sven Hoti
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Mit Begleitung des Berner Kammerorchesters und zwei Violine-Solisten gibt Dirigentin Gabriella Carli klassische Werke von Johann Sebastian Bach und Arvo Pärt zum Besten.

Mit Begleitung des Berner Kammerorchesters und zwei Violine-Solisten gibt Dirigentin Gabriella Carli klassische Werke von Johann Sebastian Bach und Arvo Pärt zum Besten.

zVg

Wenn Gabriella Carli den Dirigierstab schwingt, dann dient das oft nicht nur der Orientierung des Orchesters vor ihr, sondern auch einem guten Zweck. Die italienisch-österreichische Dirigentin und Gründerin des Vereins «Steh wieder auf» ist bekannt für ihre Benefizkonzerte für Gewaltopfer. Mit den «covidistischen Konzerten für den Frieden» will sie nun zusätzlich den Leidtragenden der Coronapandemie gedenken.

Zusammen mit dem Berner Kammerorchester und den beiden Violine-Solisten Bartlomiej Niziol und Keisuke Okazaki präsentiert sie im Rahmen der neuen Konzertreihe klassische Werke von Johann Sebastian Bach und Arvo Pärt. Niziol doziert an der Berner Hochschule der Künste. Zusammen mit Okazaki leitet er als Konzertmeister die Philharmonia Zürich – das Hausorchester des Zürcher Opernhauses. Die Aufführungen finden am 17. November in der Zürcher Kirche St. Peter und am 20. November im Basler Musik- und Kulturzentrum Don Bosco jeweils um 19.30 Uhr statt.

Mit der neuen Konzertreihe will Dirigentin Gabriella Carli «ein starkes Zeichen setzen».

Mit der neuen Konzertreihe will Dirigentin Gabriella Carli «ein starkes Zeichen setzen».

zVg

Der Ausdruck «covidistisch» ist dabei eine Eigenkreation der 68-Jährigen. Er steht als Oberbegriff für die verschiedenen durch Corona bedingten Veränderungen in der Gesellschaft. «Dieser widerspiegelt jegliche Einschränkungen, denen wir aufgrund von Covid-19 ausgesetzt waren und sind», heisst es in einem Pressetext. Passend dazu würden auch die beiden Konzerte auf der Zeit-, Raum-, Klang- und Ensemble-Ebene beschränkt werden. Heisst: Kürzeres Programm, kleineres Publikum, weniger Musiker und – als Folge dessen – weniger Klang als in den Jahren vor Corona.

Covidistische Konzerte für den Frieden 2021

Mittwoch, 17.11.: Kirche St. Peter in Zürich, St.-Peter-Hofstatt, 8001 Zürich.

Samstag, 20.11.: Musik- und Kulturzentrum Don Bosco in Basel, Waldenburgerstrasse 34, 4052 Basel.

Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Online-Vorverkauf unter www.ticketino.com, an Ticketino-Vorverkaufsstellen oder unter der Bestellnummer 0900 441 441 (CHF 1.00/Min.). Alternativ gibt es eine Abendkasse eine Stunde vor Öffnungsbeginn. 

Für Carli sind es die ersten Konzerte nach zweijährigem Unterbruch. Zwei Jahre, die vor allem für freischaffende Künstlerinnen wie sie den Ruin bedeutet hätten, erzählt die Musikerin am Telefon. Konzerte seien abgesagt worden, das Einkommen fehlte und Veranstaltungen seien auch heute noch nur eingeschränkt möglich. «Ich weiss nicht, wann wir wieder ein normales Konzert haben werden», sagt die Dirigentin etwas resigniert.

Als Gründerin des Vereins «Steh wieder auf» hat Carli in den vergangenen Jahren immer wieder Benefizkonzerte für Gewaltopfer durchgeführt. Mit der neuen Konzertreihe möchte sie «ein starkes Zeichen setzen» und Solidarität spenden, wie sie sagt. Sowohl Gewaltopfern als auch den Leidtragenden der Pandemie. «Wir wollen dabei aber nicht nur den Covid-Toten, sondern auch denjenigen gedenken, die durch die Krise gesundheitlich, finanziell oder psychologisch geschädigt wurden sowie all jenen, die sich während dieser Zeit engagiert haben.» Dazu wird die Dirigentin an den beiden Konzerten eine Schweigeminute abhalten.

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