Zürich
Anklage: Brians Psychiater müssen sich vor dem Zürcher Obergericht verantworten

Weil sie den jungen «Carlos», oder Brian, wie er mit richtigem Namen heisst, während 13 Tagen ans Bett gebunden haben, kommen drei Psychiater vor das Zürcher Obergericht. Im vergangenen August wurden sie am Bezirksgericht Zürich noch freigesprochen.

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Portraitzeichnung des Häftlings Brian (bekannt als Carlos).

Portraitzeichnung des Häftlings Brian (bekannt als Carlos).

Linda Graedel / KEYSTONE

Das Obergericht hat den Verhandlungstermin gegen die drei angeklagten Psychiater auf den 28. Oktober festgelegt. Der Freispruch für die drei Mediziner im August 2020 war eine Schlappe für die Zürcher Staatsanwaltschaft. Sie hatte Verurteilungen wegen Freiheitsberaubung beziehungsweise Gehilfenschaft zur Freiheitsberaubung gefordert.

Brian sei damals im Jahr 2011 für einmal Opfer und nicht Täter gewesen, argumentiert die Staatsanwaltschaft. Den erst 15-jährigen Jugendlichen für 13 Tage festzubinden sei eine klare Misshandlung gewesen. Die lange Zeit in Bewegungslosigkeit führte dazu, dass der junge Straftäter kurzzeitig sogar im Rollstuhl transportiert werden musste und Hilfe beim Treppensteigen benötigte.

«Keine Alternative zum Festbinden»

Das Bezirksgericht Zürich teilte aber die Ansicht der drei Psychiater und sprach diese frei. Es habe damals keine Alternative zum Festbinden gegeben. Brian wurde 2011 in die Psychiatrie eingeliefert, weil er versucht hatte, sich im Gefängnis umzubringen.

Für Brian begann damals die bekannte Odyssee durch Gefängnisse, Kliniken und Gerichtssäle. Heute ist er 25 Jahre alt und sitzt in Isolationshaft in der Zürcher Strafanstalt Pöschwies. Wegen mehrfacher Angriffe innerhalb der Gefängnismauern wurde er zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Seine drei Anwälte bezeichnen die andauernde Einzelhaft als Folter.

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