Sie sei nicht mehr das, was sie einmal war, sagt Corinne Florin über die Fasnacht in der Stadt Zürich. «Die Stadt wird immer engstirniger und snobistischer.» Florin weiss, wovon sie spricht: Seit ihrem Beitritt bei den Urdorfer «Stiereschränzern» vor 20 Jahren war sie jedes Jahr dabei, als am elften November auf dem Zürcher Hirschenplatz jeweils unzählige Guggen aus Zürich und Umgebung sowie einzelne aus anderen Kantonen den offiziellen Start der Fasnacht feierten. «Vor einigen Jahren konnten wir es noch viel bunter treiben», erzählt sie. «Manchmal sind wir durch den ganzen Manor gezogen und haben den Gästen im Restaurant unter dem Dach ein Ständchen gespielt.» Heute seien die Guggen im Warenhaus nicht mehr erwünscht; auch im Zeughauskeller, früher eine traditionelle Fasnachtsbeiz, will man das Guggen-Gedröhne nicht mehr hören.

All das ändert nichts daran, dass der elfte November für die Urdorferin und viele andere Fasnächtler ein wichtiger Anlass geblieben ist. «Obwohl wir das ganze Jahr hindurch an Anlässen auftreten, sind wir froh, dass es endlich wieder losgeht», sagt Florin. Es handle sich zwar nur um eine eintägige Feier, für einen richtigen Fasnächtler sei das jedoch völlig ausreichend, um voll auf Touren zu kommen. «Wenn wir uns am Morgen schminken lassen, sind wir sofort wieder in Fasnachtsstimmung.»

Nach dem 1. November ziehen sich die Fasnächtler erst einmal zurück, bevor sie zur eigentlichen Fasnachtszeit im Winter umso lauter wieder auf der Bildfläche erscheinen. Der nächste Februar wird für die «Stiereschränzer» intensiv: Vom 4. Februar, dem Schmutzigen Donnerstag, bis zum 20. Februar wird die Urdorfer Gugge an jedem Wochenende unterwegs sein. Die «Stiereschränzer» feiern 2016 ihr 40-jähriges Bestehen, eine feuchtfröhliche Fasnachtszeit ist also Pflicht. Am 6. Februar steigt der Ball der «Stiereschränzer» im Urdorfer Embrisaal.

Die Vorbereitungen für den kommenden Februar sind schon längst angelaufen. Im August beginnen die «Stiereschränzer» jeweils einmal wöchentlich zu proben. Auch die neuen Kostüme fürs Jubiläumsjahr sind bereits in Arbeit. «Früher habe ich mich jeweils selber hinter die Nähmaschine gesetzt», so Florin, «aber heute lasse ich meine Kostüme von jemand anderem machen.» Damit erspart sich die Urdorferin viel Arbeit, denn auch ihr Mann und ihre Tochter sind Mitglieder der «Stiereschränzer».

Das Erfolgsrezept

Dass es die «Stiereschränzer» bereits 40 Jahre gibt, spricht für sich. Die Urdorfer Gugge ist in der Limmattaler Fasnachts-Community eine Institution. «Aus uns sind schon zahlreiche neue Guggen hervorgegangen», erzählt Florin, «die sind mittlerweile aber alle wieder eingegangen – uns gibt es immer noch.» Vor etwa 20 Jahren sei die Mitgliederzahl auf ein Allzeittief von etwa 13 gesunken, mittlerweile zählen die «Stiereschränzer» aber wieder fast 30 Nasen. Und fürs Jubiläumsjahr gibts sogar zusätzliche Verstärkung von anderen Guggen: «Bis zu 37 Leute werden für uns spielen», sagt Florin erfreut.

Die Mitglieder der «Stiereschränzer» würden sich sehr stark mit ihrem Verein identifizieren, meint Florin, und seien stolz, in dieser Gugge spielen zu dürfen. Sie selbst sei dafür das beste Beispiel: Florin und ihr Mann spielen bereits seit 20 Jahre in der Gugge, sie ist zudem seit zehn Jahren im Vorstand organisiert.

Nach der Guggen-Zusammenkunft auf dem Hirschenplatz werden die «Stiereschränzer» noch zusammen durch die Stadt ziehen. Für den Fasnachtsauftakt konnte sich Florin freinehmen. Dies sei heute aber nicht mehr bei allen Gugge-Mitgliedern möglich, sagt sie. «Ich habe den Eindruck, dass unsere Chefs bei der Arbeit etwas strenger geworden sind.»

Fasnachtsstart, heute um 11 Uhr 11 auf dem Hirschenplatz in Zürich. Nächste Stationen der «Stiereschränzer»: die Restaurants «Johanniter», «Turm» und «Wolf».