Ja, aber nur zu unseren Bedingungen: Das sagt die Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL), ein Zweckverband aller Gemeinden im Bezirk Dietikon, zum 90-Millionen-Landkauf der Limeco. Auf dem Gelände der heutigen Coop-Verteilzentrale in Dietikon-Silbern soll eine neue Kehrichtverwertungsanlage (KVA) entstehen, weil die alte 2035 ersetzt werden muss. Über den dafür nötigen Landkauf werden die Limmattaler am 10. Juni abstimmen können.

«Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ausgeschlossen»

Jetzt schaltet sich also die ZPL auf der Pro-Seite in den Abstimmungskampf ein. Trotz ihrem Ja zum Landkauf will sie aber keine 160'000-Tonnen KVA, sondern nur eine 120'000-Tonnen-Anlage. Diese Zahl hat kürzlich auch der Stadtrat Dietikon in seinem Landkaufs-Antrag an das Parlament so geschrieben. Ein Problem, denn die Betreibergesellschaft Limeco, die acht Limmattaler Gemeinden gehört, plant nach wie vor mit der 160'000-Tonnen-Grossanlage. Stefano Kunz (CVP), Schlieremer Stadtrat und Verwaltungsratspräsident der Limeco, erfährt von der Limmattaler Zeitung von der Medienmitteilung der ZPL. Er sagt: «Für uns ist eine 120'000-Tonnen-KVA aus betriebswirtschaftlicher Sicht ausgeschlossen. Und wir sind einer betriebswirtschaftlichen Führung verpflichtet.» Der Gemeinderat Urdorf lehnt den Landkauf bisher als einzige Exekutive rundweg ab und lässt sich vom ZPL-Plan nicht umstimmen. Für ihn ist die Notwendigkeit der Erweiterung nicht belegt.

Heinz Schröder, Regionalplaner der ZPL, sagt: «Wir glauben nicht, dass die Anlage mit 120'000 Tonnen pro Jahr völlig unwirtschaftlich wäre. Es gibt ja auch andere KVAs mit solchen Tonnagen.» VR-Präsident Kunz hält dagegen: «Wir werden vom Kanton zu gewissen Einlieferpreisen verpflichtet. Diese erreichen wir nur mit 160'000 Tonnen.»
Im kantonalen Richtplan wird die Limeco-KVA auch mit einer solch grossen Kapazität geführt. In der neuen kantonalen Abfallplanung, die noch nicht öffentlich ist, ist die Limeco ebenfalls mit 160'000 Tonnen Kapazität enthalten, wie die Limmattaler Zeitung weiss.
Bei der aktuell gültigen Planung hat man sich zuvor kantonsweit um 50'000 Tonnen Abfall pro Jahr verschätzt. Davon werden jetzt 40'000 Tonnen ins Limmattal abgeschoben. So kämen die 160'000-Tonnen in Dietikon zustande.

«Wir wollen eine regionsverträgliche KVA. Das wäre eine 160'000-Tonnen-Anlage nicht», sagt Schröder. Um diese zu verhindern, wird man dem Regierungsrat im Februar eine Einwendung zum Richtplan senden. Dieser liegt noch bis Anfang März zur Revision auf. Wenn die Einwendung durchkäme, wäre eine 160'000-Tonnen-Anlage wohl fürs Erste vom Tisch. Über den Richtplan entscheidet schlussendlich der Kantonsrat. Er hat das letzte Wort.
Ausserdem fordert die ZPL die Erhaltung des Coop-Bahnanschlusses und möchte die Hälfte des Areals für andere, «wertschöpfende» Nutzungen verwenden.

15 LKW mehr pro Arbeitstag

Generell wird die Verkehrsbelastung mit der Schliessung der Coop-Zentrale und der Eröffnung der neuen KVA wohl sinken. Aber 160'000 anstatt 120'000 Tonnen Abfall pro Jahr würden eine erhebliche Mehrbelastung bringen.

Bei einem LKW-Fassungsvermögen von zehn Tonnen müsste man mit 4000 Lastwagenfahrten mehr pro Jahr rechnen. Auf die durchschnittliche Anzahl Arbeitstage gerechnet, ergibt das
etwa 15 Fahrten pro Tag mehr.

Ändert sich die Haltung der ZPL zum Landkauf, wenn die 160'000 Tonnen bestehen bleiben? Schröder sagt: «Der Vorstand müsste sich erneut mit der Materie beschäftigen.»