Das Grossprojekt Limmattalbahn kommt allmählich in Fahrt. Die erste Etappe soll im Herbst 2019 fertig sein, die zweite Ende 2022. Für Letztere ist der Bau eines Tramdepots nötig, wie Baudirektor Markus Kägi (SVP) gestern im Kantonsrat betonte. Dieses soll im Dietiker Gebiet im Müsli auf 1,5 Hektaren hochwertigen Kulturlands gleich neben dem Rangierbahnhof entstehen. Der Kantonsrat gab gestern mit 100:65 Stimmen bei 3 Enthaltungen grünes Licht für den entsprechenden Richtplaneintrag.

Auch wenn das Ergebnis deutlich ausfiel: Das Projekt Tramdepot war heftig umstritten. SVP, Grüne und EDU lehnten es vehement ab. Auch seitens der GLP gab es Bedenken, weil dem Tramdepot Kulturland zum Opfer fallen soll. Besser geeignet wäre das Gebiet Asp auf Spreitenbacher Boden, meinten die Kritiker. Schliesslich wäre dort, gleich angrenzend ans Gebiet im Müsli, lediglich eine schlecht genutzte Industriebrache betroffen.

Ursprünglich hatte auch der Zürcher Regierungsrat das Gebiet Asp als Depot-Standort ins Auge gefasst. Doch weil dort eine kostspielige Altlastensanierung nötig wäre, sprach er sich letztlich dagegen aus. Die Mehrkosten hätten sich laut Regierungsrat auf 25 bis 30 Millionen Franken belaufen. Die Gesamtkosten für das Depot im Müsli veranschlagt die Regierung auf 35 bis 40 Millionen Franken. Sie sind bereits im Kredit enthalten, den das Kantonalzürcher Stimmvolk im November 2015 mit 64,5 Prozent Ja-Stimmen guthiess.

Im Bezirk Dietikon hatte die Mehrheit der Bevölkerung die Limmattalbahn abgelehnt. Mit Ausnahme von Sonja Gehrig (GLP, Urdorf), die sich in der Schlussabstimmung der Stimme enthielt, waren von Limmattaler Kantonsratsmitgliedern in der gestrigen Debatte indes nur zustimmende Voten zum Depotstandort im Müsli zu hören. Gehrig erinnerte daran, dass auch ein Tramdepot im Dietiker Entwicklungsgebiet Niderfeld möglich wäre, mit Grünflächen auf dem Dach: «Mit etwas gutem Willen hätte die Stadt Dietikon so etwas realisieren können», meinte sie. Auch der Standort Asp wäre laut Gehrig besser geeignet als jener im Müsli.

Beide Alternativstandorte würden jedoch das Risiko mehrjähriger Verzögerungen bergen, wie Rosmarie Joss (SP, Dietikon) ausführte. Ohnehin habe der Grüngürtel im Müsli ein «Ablaufdatum»: «Mit dem Müsli-Depot wird er jetzt etwas früher angeknabbert», so Joss. Josef Wiederkehr (CVP, Dietikon) erinnerte daran, dass der Kulturlandverlust durch eine mit dem gestrigen Kantonsratsentscheid im Richtplan verankerte Bodenaufwertung in Maschwanden mehr als kompensiert werde. Und Martin Romer (FDP, Dietikon) warnte: «Spielen Sie nicht mit dem Feuer auf Kosten des Limmattals.» Die Region leide täglich unter dem Verkehrschaos. Den Volksentscheid für die Limmattalbahn gelte es nun umzusetzen.

«Was ist dieser Richtplan wert?»

Anders sah es die Allianz aus SVP, Grünen und EDU: «Der Richtplan sieht vor, dass bauliche Entwicklung im Siedlungsgebiet stattfindet», sagte Christian Lucek (SVP, Dänikon) — und: «Was ist dieser Richtplan wert, wenn wir jetzt bei erster Gelegenheit Kulturland und Freihalteflächen verbauen?» Baudirektor Markus Kägi (SVP) hielt dagegen: «Unter dem Strich geht kein Kulturland verloren», sagte er mit Verweis auf die Kompensation in Maschwanden. Kägi weiter: «Die Limmattalbahn ermöglicht eine dichte Bebauung im Siedlungsgebiet. Sie fährt aber nur, wenn wir den Bau des Depots ermöglichen.» Ein anderer Standort als jener im Müsli seit in kurzer Zeit nicht realisierbar.

Am Ende sorgten SP, FDP, CVP, BDP, EVP, AL und der Grossteil der GLP mit ihrem Ja zur Richtplanänderung dafür, dass das Tramdepot im Müsli gebaut werden kann. Dies soll gemäss Zeitplan der Regierung im Zeitraum 2019/2020 geschehen.

Eine Fahrt mit der Limmattalbahn gefällig? Die geplante Strecke im Schnelldurchlauf – inklusive Haltestellen.

Eine Fahrt mit der Limmattalbahn gefällig? Die geplante Strecke im Schnelldurchlauf – inklusive Haltestellen.

Die Redaktoren der Limmattalerzeitung sind die künftige Strecke schone einmal abgefahren, respektive abgelaufen. (14. Oktober 2016)