Persönlich
Zuckersüss, aber bitter

Cynthia Mira
Cynthia Mira
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Zuckersüss, aber bitter diese Funktion

Zuckersüss, aber bitter diese Funktion

Keystone

Netter Versuch, Whatsapp. Die Funktion, eine Nachricht zu löschen, bevor sie auf der anderen Seite gelesen wird, kann ein Segen sein. Du gibst mir damit die Chance, Losgewordenes nochmals zu überdenken. Aber jetzt mal im Ernst, Herr Zuckerberg. Es bringt mir herzlich wenig, wenn ich
eine Nachricht lösche und das Gegenüber gleichzeitig erfährt, dass ich diese soeben gelöscht habe. Zurück kommt da verständlicherweise gerne mal ein Fragezeichen. Der Hinweis «this message was deleted» bringt
mich höchstens in Erklärungsnot. Dabei habe ich die Mitteilung zurückgezogen, um nicht darüber zu reden.
Anscheinend stört das aber niemanden, denn Whatsapp verzeichnet bekanntermassen Milliarden versendete Nachrichten pro Tag. Oder überlegen sich so viele Menschen auf der Welt gewisse Dinge nicht zweimal? Immerhin bleiben mir die Emojis übrig, sie können die Gefühlslage gleich ohne weitere Worte übermitteln. Aber man stelle sich auch das Gegenüber vor. Wie fest es die Person auf der anderen Seite wundernehmen muss, was sie nie erfahren wird. Was wollte sie mir sagen? Was war so wichtig, dass es wieder gelöscht werden musste? War es ein einfacher Tippfehler oder gerade die Liebeserklärung meines Lebens, die ich verpasse? Um das ganze Löschdebakel mit den Worten des Musikduos Lo & Leduc
und ihrem Song «Online» zu umschreiben: «Blaui Hääggli, die Sach het kei Haagge, sondern zwei.»