Für schwache Gemüter ist der Präsentationstext der Aescherin Fiona Hatz und ihrem Team nicht geeignet. Heisst es doch darin, dass die neun Jugendlichen viele Wochenstunden damit verbringen würden, einander abzustechen. Nur gut, dass der Text, mit dem die Truppe auf der Crowdfunding-Plattform «ibelieveinyou» für Spenden wirbt, von Bild- und Videomaterial begleitet wird, das sie als Juniorenmannschaft des Fechtclubs Zürich identifiziert.

Vor sechs Jahren besuchte Fiona Hatz ihre erste Fechtlektion. Damals war sie zehn und sofort vom Fechtsport begeistert: «Beim Fechten geht es nicht nur um die Stärke, sondern auch um taktisches Geschick», sagt sie. Inzwischen hat die Gymnasiastin einen vom Fechten bestimmten Freizeitplan. Im September tritt sie in die Juniorenkategorie ein und wird sich mit Gleichaltrigen auch an internationalen Turnieren messen. Ein Schritt nach oben in der Fechtkarriere, der jedoch nicht nur Freudensprünge auslöste. Wie viele Jungathleten müssen sich Fiona Hatz und ihre acht Junioren-Kollegen überlegen, wie sie die Reise- und Aufenthaltskosten, die ein Turnier mit sich bringt, finanzieren können.

Die Aescher Fechterin Fiona Hatz und ihre Kollegen vom Zürcher Fechtclub starten ein Crowdfunding-Projekt

Die Aescher Fechterin Fiona Hatz und ihre Kollegen vom Zürcher Fechtclub starten ein Crowdfunding-Projekt

BeschreibungDie Aescher Fechterin Fiona Hatz und ihre Kollegen vom Zürcher Fechtclub starten ein Crowdfunding-Projekt

Ein dreitägiger Aufenthalt in Austragungsorten wie Helsinki, Budapest oder Luxemburg kostet schnell einmal 1000 Franken pro Teilnehmer. Da Fechten kein besonders medienwirksamer Sport sei, würden ihnen die Sponsoren leider nicht die Türe einrennen, sagt Fiona Hatz. Also haben sich die Zürcher Junioren entschlossen, ein Crowdfunding-Projekt zu starten, für das jeder, der die Fechttalente unterstützen will, ab dem 7. Juli Geld spenden kann. 12 000 Franken wollen sie bis September mit der Aktion einnehmen, was ihnen einen Teil der Turnierkosten der kommenden Saison abnehmen soll. Beim Crowdfunding, zu deutsch Schwarmfinanzierung, wird ein Projekt nicht durch ein paar wenige Spender finanziert, sondern durch kleinere Beiträge einer grossen Anzahl Spendenwilligen – vorwiegend über Internetplattformen.

Spendenplattform für Sportler

Auf der Plattform «ibelieveinyou», auf der Fiona Hatz und ihr Team um Spender buhlen, suchen fast ausschliesslich Jungsportler Finanzierung für ihre Projekte. Mitbegründer Fabian Kauter ist ebenfalls Fechter. Im August wird er seine zweiten Olympischen Spiele bestreiten. «Ausser im Fussball und Eishockey haben es Athleten jeder Sportart bei der Sponsorensuche sehr schwer, nicht nur die Fechter», sagt Kauter. Wer aber sind die Gönner, die den jungen Sporttalenten ihre Träume ermöglichen? Laut Kauter ist es meist der Familien- und Bekanntenkreis, der die ersten Beträge beisteuert. Nach dem Anlaufen der Aktion würden Sportfans des ganzen Landes auf den Spendenzug aufspringen. Denn sie wüssten aus ihrer eigenen Jugendzeit, wie schwierig sich die Finanzierung eines solchen Hobbys gestaltet. So suchen auf dem Spendenportal von der Eisprinzessin über den Mountainbiker bis zur Frauen-Rugby-Team Vertreter aller möglichen Sportarten nach einem Zustupf. Und dies teilweise mit grossem Erfolg.

Bei solch starker Konkurrenz muss das Präsentationsvideo die potenziellen Spender auf den ersten Blick überzeugen. So sieht man im Fechtclub-Video, wie Fiona Hatz und ihre Freunde mittels Autostopp den Weg ans Turnier auf sich nehmen und auf der Parkbank übernachten müssen, sollten sie nicht die erhofften Spendenbeträge erhalten.

Wie üblich bei Crowdfunding-Projekten sollten sich die Begünstigten bei jedem Sponsor mit einer kleinen Gegenleistung bedanken. Fiona hat bereits Ideen, wie die Fechtjunioren sich bei den Spendern erkenntlich zeigen könnten: «Wir werden Fotos von uns am Turnier schiessen und diese als Postkarten an die Unterstützer verschicken. Für grosszügigen Spenden werden wir spezielle Dankeschöns wie Fecht-Daumenkinos oder T-Shirts kreieren.»