In England, wo sie mehrere Einsätze in Hospizen absolviert habe, herrsche eine andere Haltung gegenüber dem Sterben vor, sagt Schwester Elisabeth Müggler. 30 bis 40 Menschen seien dort – damals wie auch heute – in einem Raum untergebracht, wo sie in den Tod begleitet werden. «Wollte man jemanden umquartieren, war das weder im Sinn des Sterbenden noch in jenem der anderen Patienten», sagt sie. Als Gründerin des Vereins Wabe (Wachen und Begleiten) stehen Müggler und ihre Freiwilligen Menschen bei, die kurz vor ihrem Tod stehen. Hier in der Schweiz sei das Sterben im Gegensatz zu anderen Kulturkreisen etwas sehr Privates, fährt Müggler fort, und verweist darauf, dass Sterbende und deren Begleiter den Prozess öfter in einem separaten Raum verbringen.

Das Bedürfnis, alleine zu sterben, kann besonders in Pflegeinstitutionen manchmal nur schwer befriedigt werden. Aktuell wird das Thema nun in Schlieren. Gemeinderat Jürg Naumann vom Quartierverein (QV) reichte beim Stadtrat kürzlich ein Postulat ein. Darin fordert er von der Exekutive, zu prüfen, ob im Alterszentrum Sandbühl ein separates Sterbezimmer eingerichtet werden kann. Liege ein Bewohner der Mehrbettzimmer im Sterben, werde dessen Bereich lediglich mit einem Paravent abgetrennt, schreibt Naumann. «In diesem Zustand muss das Umfeld von seinem Liebsten Abschied nehmen. Dies ist sowohl für die Mitbewohner des Sterbenden wie auch für dessen Angehörige unzumutbar», schreibt Naumann in seiner Begründung. Und für den Sterbenden selbst? «Für ihn ist dies sogar unter jeder Menschenwürde.» Naumann und seine Mitunterzeichner sind sich sicher, dass, mit gutem Willen, den sterbenden Bewohnern ein separates Zimmer zur Verfügung gestellt werden kann.

Anderswo kein Thema

Schwester Elisabeth Müggler bestätigt auf Anfrage der Limmattaler Zeitung, dass es im Alterszentrum Sandbühl hin und wieder zu schwierigen Situationen komme. «Die Nacht können der Sterbende und seine Begleiter öfters in Gemeinschaftszimmern verbringen», sagt sie. Tagsüber sei dies jedoch leider nicht möglich. Das Sandbühl sei sich dieser unbefriedigenden Situation bewusst und gestalte das Umfeld des Sterbeprozesses so würdevoll wie möglich.

Da die restlichen Institutionen der Region, etwa die Alterszentren Ruggacker in Dietikon oder Weihermatt in Urdorf, erst in jüngster Vergangenheit saniert oder neu erstellt wurden, komme es dort kaum zu solchen Situationen. «Dort hat es in der Regel Einer- oder Zweierzimmer. Dass wie im Sandbühl bis zu vier Personen in demselben Raum sind, kommt nicht vor», so Müggler. Aus ihrer Sicht wäre ein solches Zimmer, in welches sich Sterbende und deren Angehörige zurückziehen können, sehr sinnvoll. «Mir ist aber sehr wohl klar, dass man es sich nicht überall leisten kann, ein Zimmer monatlich nur zwei bis drei Tage zu nutzen und es die restliche Zeit leer stehen zu lassen», so Müggler.

«Bereits bekanntes Problem»

Das Haus für Betagte Sandbühl öffnete seine Tore im Jahr 1974. Daher lässt sich die Situation wohl besser mit dem Alterszentrum «Im Morgen» in Weiningen vergleichen, welches im Jahr 1978 erbaut wurde. In Weiningen sei das Problem jedoch nicht so akut, sagt Zentrumsleiter René Brüggemann. So habe das Zentrum vorwiegend Einzelzimmer und verfüge lediglich über vier Doppelzimmer. «Ist einer der beiden Bewohner im Sterbeprozess, schauen wir nach Alternativen, etwa vorübergehend leerstehende Einzelzimmer», so Brüggemann. Sei dies nicht möglich, würde der Raum ebenfalls mit einem Stoffvorhang abgegrenzt. «Zentral dabei ist, dass sowohl der Sterbende wie auch sein Zimmergenosse intensiv betreut wird», sagt er weiter. Zu dieser Massnahme komme es aber nur selten.

Ob der Stadtrat Naumanns Postulat entgegennehmen wird, zeigt sich voraussichtlich erst nach den Sommerferien. Die Zeichen dafür stehen jedoch nicht schlecht. Für die Exekutive ist fehlende Privatsphäre beim Sterben im Sandbühl ein bereits bekanntes Problem, wie Christian Meier (SVP), Ressortvorsteher Alter und Soziales, auf Anfrage sagt. Im Alterszentrum sei es hin und wieder zu unangenehmen Situationen gekommen. «Zum einen ist ein separates Zimmer jedoch eine Frage der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel, zum anderen aber auch eines der Organisation im eher alten Sandbühl-Gebäude», sagt Meier.