Die Not machte Nadine Russenberger erfinderisch. Am 2. April wird sie ihre Filiale des Geschäfts Trend Products neu an der Grabenstrasse 5 im Coiffeursalon La Coupe von Ingrid Liburni wiedereröffnen. Russenberger ist die Geschäftsführerin von Trend Products in der Schweiz, einem Hersteller von Haushaltswaren und ökologischen Reinigungsartikeln. Bis vor kurzem arbeitete sie in ihrem Ladenlokal an der Grabenstrasse 12, nur ein paar Häuser neben dem jetzigen Standort. In den letzten 34 Jahren vertrieb und verkaufte sie dort ihre Produkte.

Von 170 Quadratmetern auf 15

Wegen Renovationsarbeiten im Haus musste sie sich jetzt eine neue Bleibe suchen. Über ein Jahr blieb die Suche ohne Erfolg. «Ich habe mich überall umgeschaut, habe aber nichts Geeignetes gefunden», sagt Russenberger. Das Problem sei nicht das fehlende Angebot an Ladeflächen, sondern deren Preis. «Diejenigen Flächen, die nicht zu klein oder zu weit weg vom Zentrum sind, kann ich nicht bezahlen», sagt Russenberger.

An ihrem früheren Standort richtete sich die Geschäftsführerin auf 170 Quadratmetern ihr Büro, das Materiallager und den Postversand ein. Dafür bezahlte sie monatlich 2500 Franken. Als Untermieterin von Coiffeuse Liburni bezahlt sie jetzt zwar viel weniger, dafür beschränkt sich hier ihr Platz auf gerade mal 15 Quadratmeter. «Dass ich nach all den Jahren im Schlieremer Gewerbe nichts Bezahlbares gefunden habe, enttäuscht mich», sagt Russenberger.

Viel Leerstand bei Büroflächen

Albert Schweizer, Bereichsleiter Liegenschaften und Standortförderung der Stadt Schlieren, glaubt nicht, dass Russenbergers Situation exemplarisch ist. Bis jetzt gebe es in Schlieren noch keine Probleme, Ladenflächen zu vermieten, sagt er. Er wisse aber, dass teure Geschäftslokale schweizweit immer mehr zu einem Thema würden, vor allem für Detailhändler. In Schlieren seien es hauptsächlich Büroflächen, die es im Übermass gebe. «Momentan sind es an die 12 000 Quadratmeter, die leer stehen», so Schweizer.

Nach etlichen Besichtigungsterminen dachte Russenberger sogar darüber nach, sich ihr Büro zu Hause einzurichten. Doch: «Das wäre für mich eine denkbar schlechte Lösung gewesen», sagt sie. Sie sah sich daher nach Alternativen um - und fand die Lösung schliesslich in der Kooperation mit ihrer langjährigen Kollegin. «Klar hätte ich lieber wieder einen eigenen Laden gehabt, aber mit dieser Lösung bin ich absolut zufrieden.»

Der Umzug bringt aber einiges an Umstellungen mit sich. Da Russenberger nun keinen Platz mehr für das Lager und den Vertrieb hat, wird in Zukunft alles aus dem Mutterhaus in Österreich ausgeliefert. «Damit verlängert sich die Lieferzeit ein wenig. Doch wenigstens muss ich nicht mehr alle Waren ins Lager schleppen», sagt sie und lacht.

Russenberger und Liburni haben sich mit der Situation abgefunden und freuen sich jetzt auf ihren gemeinsamen Betrieb. Beide sind der Meinung, dass Russenbergers Haushaltsartikel und Liburnis Coiffeursalon gut zusammenpassen. «Und ich bin nicht mehr den ganzen Tag alleine im Laden», sagt Russenberger.