Noch bis 2018 unterstützt der Bund den Kampf gegen den Lärm von Gemeindestrassen. Bundesbern und die Gemeinden zahlen einen Teil an die Sanierungsmassnahmen. Das zeigt sich auch im Limmattal, wo jüngst die Gemeinde Urdorf ein Lärmschutzprojekt erarbeiten liess.

Der entsprechende Bericht – er lässt sich auf der Gemeindeverwaltung einsehen – zeigt nun, wie die Betroffenen vor Strassenlärm geschützt werden sollen. Oder eben nicht: Denn total werden zwar bei 86 der 173 untersuchten Gebäude die sogenannten Immissionsgrenzwerte überschritten. Aber nur bei 13 Gebäuden soll die Situation verbessert werden.

Dies liegt insbesondere darin begründet, dass die Eigentümer entscheiden können, ob sie überhaupt Schallschutzfenster einbauen wollen. Denn auch sie müssen dafür Geld in die Hand nehmen, der Staat übernimmt nicht die ganzen Kosten. Beim vorliegenden Projekt in Urdorf summieren sich die Beiträge von staatlicher Seite, also von Bund und Gemeinde, auf total 27 450 Franken. Im Durchschnitt sind das etwas mehr als 2100 Franken pro Gebäude. In den meisten Fällen zahlt die Gemeinde 100 und der Bund 200 Franken pro Fenster.

Mit 6150 Franken am teuersten wird die Lärmsanierung eines Hauses an der Bahnhofstrasse, wo der Immissionsgrenzwert am stärksten übertroffen wird: Tagsüber wurden dort 67 Dezibel gemessen – das sind 7 Dezibel zu viel. Bei den anderen Gebäuden liegt die Überschreitung des Grenzwerts zwischen einem und vier Dezibel.

Kosten könnten sechsmal höher sein

Würden bei allen 86 betroffenen Gebäuden Schallschutzfenster eingebaut, fiele die Rechnung gut sechsmal höher aus: Etwas mehr als 180 000 Franken resultieren, wenn man den Durchschnittsbetrag hochrechnet. Eine konservative Schätzung, zumal gerade an der Weihermattstrasse viele Bauten stehen, bei denen jeweils Dutzende Schallschutzfenster pro Gebäude eingebaut werden müssten. Sowohl Staat und Immobilienbesitzer sparen also Geld.

Zwar ist die Gemeinde gemäss Lärmschutzverordnung verpflichtet, entlang von Gemeindestrassen Massnahmen zu ergreifen, wenn der Immissionsgrenzwert überschritten wird. Kann sie eine solche Massnahme aber nicht direkt an der Lärmquelle umsetzen, kommen Ersatzmassnahmen wie Schallschutzfenster zum Zug. Und diese muss die Gemeinde nur dann finanzieren, wenn der sogenannte Alarmgrenzwert überschritten wird – dieser liegt im Wohngebiet tagsüber bei 70 Dezibel.

Die möglichen Massnahmen direkt an der Strasse, welche die Gemeinde komplett finanzieren müsste, unterschieden sich preislich ebenfalls stark: Am günstigsten ist die Einführung von Tempo 30. Wer langsamer fährt, verursacht weniger Lärm. Doch bei einem Teil der Strassen wurde Tempo 30 schon eingeführt und bei den meisten anderen ist das nicht möglich, weil sie als sogenannte Sammelstrassen dienen, die den Verkehr auf die grösseren Strassen führen und auf denen auch Busse verkehren. Einzig bei der Weihermattstrasse wird eventuell bis ins Jahr 2020 noch Tempo 30 eingeführt, heisst es im Bericht. Teurer als Tempo 30 wären sogenannte Flüsterbeläge: Diese werden im Bericht nicht empfohlen, da sie häufiger saniert werden müssten. Zudem sei es wissenschaftlich noch nicht erforscht, dass Flüsterbeläge auch zehn Jahre nach ihrem Einbau noch immer leiser sind als normale Strassenbeläge.

Es ist die letzte Lärmsanierung

Eine dritte Möglichkeit, den Lärm direkt bei der Strasse zu minimieren, wären Lärmschutzwände. Auch dagegen zählt der Bericht Argumente auf, darunter den Schutz des Ortsbildes sowie das Gewähren der Zufahrt auf die einzelnen Liegenschaften.

Konkret liess die Gemeinde die Situation bei Bahnhofstrasse, Schlierenstrasse, Weihermattstrasse, Bergstrasse und Uitikonerstrasse untersuchen. Das Projekt liegt noch bis 22. September auf. Es ist das letzte Lärmsanierungsprojekt für Gemeindestrassen in Urdorf: «Nachdem die Kantone in den vergangenen Jahren für ihre Strassen Lärmsanierungsprojekte durchgeführt haben, haben dies nun die Gemeinden zu machen. In das aufliegende Projekt wurden alle relevanten Strassenzüge integriert. Es ist damit abschliessend», sagt die Bereichsleiterin Planung, Bau und Werke der Gemeinde Urdorf, Rebecca Bauder.

Bei Neubauten stellt sich die Frage nach einer Lärmsanierung nicht: Sie müssen so gebaut werden, dass es keine Überschreitung der Grenzwerte gibt.