Was sich bereits Mitte Februar abzeichnete, ist nun definitiv: Die Poststellen in der Fahrweid und in Weiningen werden geschlossen. Dies gab die Schweizerische Post gestern in einer Medienmitteilung bekannt. So würden die beiden Filialen nur ungenügend genutzt und könnten nicht wirtschaftlich betrieben werden, heisst es weiter. Bereits vor knapp drei Monaten, als die Gewerkschaft Syndicom eine Gefahrenkarte mit von der Schliessung gefährdeten Poststellen veröffentlichte, gaben die Behörden bekannt, mit der Post in Gesprächen zu sein.

Ein konkretes Datum, wann die beiden Filialen mit den Postleitzahlen 8951 und 8104 schliessen werden, und in welcher Form die Weininger und Fahrweider künftig ihre Postgeschäfte erledigen werden, geben die Verantwortlichen noch nicht bekannt. «Derzeit sind wir noch im Gespräch mit Behörden und lokalen Anbietern für zwei allfällige Postagenturen», sagt Post-Sprecher Markus Werner auf Anfrage. Aktuell ist an beiden Orten je ein Mitarbeiter beschäftigt. «Sind Mitarbeiter von einer Restrukturierung betroffen, wird nach individuellen Lösungen gesucht.»

600 Filialen fallen weg

Immer mehr Menschen würden ihre Einzahlungen nicht mehr am Postschalter erledigen oder per Brief kommunizieren. «Stattdessen erledigen sie ihre Geschäfte via E-Banking oder mittels E-Mail», so Werner. Die Nutzung der klassischen Postfilialen nehme vor diesem Hintergrund kontinuierlich ab. Daher werden die Verantwortlichen aktiv: Bis 2020 sollen schweizweit rund 600 der aktuell 1400 Filialen wegfallen und oder mit sogenannten Postagenturen ersetzt werden. Dabei handelt es sich um ein Modell, bei dem gemeinsam mit lokalen Partnern, etwa Lebensmittelgeschäften, Postdienstleistungen angeboten werden. In der Region fiel zuletzt die Bergdietiker Post dieser gesellschaftlichen Entwicklung zum Opfer, sie wurde Anfang 2015 mit einer Agentur ersetzt.

Der Weininger Gemeindepräsident Hanspeter Haug (SVP) hat eine pragmatische Sicht. «Mit detaillierten Zahlen konnten die Verantwortlichen der Post erklären, dass die Umsätze stetig sanken und nach Alternativen gesucht werden muss», sagt er auf Anfrage. Dass sich eine Schliessung abzeichne, habe man im Dorf schon länger vermutet. «Kritische Stimmen gab es bislang jedoch wenige. «Die meisten haben Verständnis für diesen Entscheid und erhoffen sich nun eine gute Ersatzlösung», so Haug.

Emotionaler wird Hans-Ulrich Furrer, Präsident des Fahrweider Quartiervereins, in dieser Angelegenheit. «Schweren Herzens müssen wir diese Tatsache akzeptieren. Wir sind ganz und gar nicht glücklich», sagt er. Er war als Vertreter des Quartiers ebenfalls am Verhandlungstisch mit der Post und dem Weininger Gemeindepräsidenten. «Wir wurden mehr oder weniger vor vollendete Tatsachen gestellt. Zwar werden uns Alternativen geboten, wahrscheinlich in Form einer privaten Postagentur», sagt er. Doch seiner Meinung nach gehören Aufgaben wie das Aushändigen eingeschriebener Briefe in den Kompetenzbereich der Post und nicht in jene eines Detailhändlers.

Defizit von rund 200 Millionen

Wie defizitär die beiden Postfilialen in der Fahrweid und in Weiningen genau sind, darüber machen die Verantwortlichen keine Zahlen öffentlich. «Es lässt sich lediglich sagen, dass wir mit den aktuell schweizweit rund 1400 Poststellen einen Verlust von rund 200 Millionen Franken eingefahren haben», sagt Werner. Diesem Problem müsse man begegnen. Ob allenfalls noch weitere der insgesamt elf Limmattaler Standorte verschwinden, darüber kann er noch keine Auskunft geben. «Die Gespräche mit dem Kanton Zürich laufen derzeit. Wir hoffen, sie bis Mitte 2017 abschliessen zu können und anschliessend die Bevölkerung im Detail darüber zu informieren», so Werner.

Am 16. Mai findet eine Informationsveranstaltung im Mehrzwecksaal des Weininger Oberstufenschulhauses statt, tags darauf eine im Quartierzentrum Föhrewäldli. «Gut möglich, dass dort einige Einwohner den Kropf leeren, doch eine harte Debatte erwarte ich nicht», so Haug.

An vielen anderen Orten der Schweiz sieht dies anders aus. Erst am vergangenen Wochenende fanden in den Kantonen Tessin, Waadt und Freiburg Demonstrationen gegen die Schliessungspläne der Post statt. Organisiert wurden sie von der Gewerkschaft Syndicom. Druck geht auch von mehreren Stadt-, Gemeinde- und Kantonsparlamenten aus. Auf sämtlichen Stufen wurden Vorstösse eingereicht, in denen verlangt wird, die Post solle ihre Pläne überdenken.