In Perth verlassen wir die Küste und fahren ins Landesinnere. Nun werden wir fast 4000 Kilometer zurücklegen, bis wir wieder in eine Grossstadt kommen.
Nach zwei Tagen erreichen wir Kalgoorlie, wo man 1893 erstmals Gold fand.

In der Folge brach ein Goldrausch aus: Menschen in Australien und später in der ganzen Welt strömten hierher. Einige wurden reich, andere bezahlten den Ruf des Golds mit dem Leben. Denn die Bedingungen in dieser unwirtlichen Gegend waren unvorstellbar hart. Es fehlte an allem, auch Trinkwasser war Mangelware. Nach 30 Jahren waren die Goldvorkommen erschöpft. Nach und nach verliessen die Menschen die Gegend und aus den blühenden Ortschaften sind Geisterstädte geworden.

1084 Kilometer bis zum Fels

Von hier aus wollen wir auf der wenig befahrenen «Great Central Road» in das Rote Zentrum zum Ayers Rock und weiter nach Alice Springs fahren. Die Werbung hat aus dieser Verbindung «Australia's Longest Shortcut», «die längste Abkürzung Australiens» gemacht. Lang ist diese Piste allemal, unser GPS zeigt bis zum Ayers Rock 1084 km.

Sie ist technisch nicht schwierig zu befahren, doch die harten Bodenwellen, die kein Ende nehmen wollen, sind zermürbend. Die Strecke führt durch kaum besiedeltes und einsames Gebiet.

Unterwegs gibt es nur drei Versorgungsstützpunkte, wo wir tanken und im Falle einer Panne Hilfe bekommen können. Letzteres wollen wir möglichst vermeiden, denn ein Abschleppen über einige Hundert Kilometer kostet in dieser abgelegenen Gegend fast so viel wie ein neues Auto. Aus diesem Grund ist die Piste gesäumt von Autowracks, die hier für die Ewigkeit in der australischen Sonne dahinrosten.

Unterricht per Internet

Auch eine Bewilligung brauchen wir, denn die Route führt vorwiegend durch Aborigines-Reservate. Nach vier Tagen im Nirgendwo werden wir mit dem Anblick des Wahrzeichen Australiens, dem Ayers Rock, für die Mühsal belohnt. Von den hier beheimateten Anangu-Aborigines wird der Fels als heiliger Ort verehrt und sie bitten darum, ihn nicht zu besteigen. Der aus der flachen Ebene aufragende Monolith beeindruckt mir einer Höhe von 348 Metern. Wir umrunden ihn zu Fuss - das sind immerhin 10 Kilometer Weg.

In Alice Springs besuchen wir die «School of the Air», eine Besonderheit des Outbacks. Kinder in weit abgelegen Gegenden, die keine Möglichkeit haben, eine Schule zu besuchen, werden von hier aus über Internet unterrichtet.

Das weltweit grösste Klassenzimmer misst 1,3 Millionen Quadratkilometer, die dreissigfache Grösse der Schweiz. Um an diesem Schulprogramm teilnehmen zu können, muss ein Kind mindestens 50 Kilometer weit von einer öffentlichen Schule wohnen. Zurzeit nehmen 140 Kinder am Programm teil, die Entfernung zu dem am weitesten entfernten Schüler beträgt zurzeit 1009 Kilometer.

In ganz Australien gibt es 26 solcher Schulen, die durch das Bildungsministerium des jeweiligen Staates finanziert werden. Die Schüler und Schülerinnen leben auf Bauernhöfen, in Gemeinschaften der Aborigines, in Nationalparks, Bergbausiedlungen oder auf Militärstationen. Im Alter von viereinhalb Jahren können sie am Vorschulprogramm teilnehmen und werden bis zum Ende der Grundstufe unterrichtet. Danach müssen sie in ein Internat eintreten. Alle Lehrkräfte sind speziell ausgebildet und haben den regulären Lehrplan einzuhalten.

In der Regel wird fünf Mal pro Woche eine Stunde lang per Internet aus dem Studio in Alice Springs unterrichtet, dazu gibt es einmal pro Woche zehn Minuten Einzelunterricht. Der grösste Teil des Lernprogramms wird in Form von Hausaufgaben per E-Mail erledigt.

Die Lehrer besuchen ihre Schüler und Schülerinnen mindestens einmal pro Jahr. Zudem organisiert die «School of the Air» drei bis vier einwöchige Schulveranstaltungen pro Jahr in Alice Springs. Dies soll unter anderem die sozialen Kontakte unter den Kindern fördern und bei dieser Gelegenheit werden auch Prüfungen durchgeführt.