Urdorf
Zu Besuch bei den edlen Pferden im Rennstall Beliar

Alles begann mit ein paar dampfenden Pferdeäpfeln auf den Waldwegen von Urdorf und Uitikon. Spaziergänger beschwerten sich. Der Uitiker Gemeinderat lud zur Aussprache. Und schon war die Idee eines Tages der offenen Tür im Rennstall Beliar geboren.

Franziska Schädel
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Tägliches Fitnessprogramm für Ross und Reiter
7 Bilder
Jockey Sarah Leutwiler ist Vizeweltmeisterin der Amateurreiter
Richard Dohnalek -alles nur nicht reiten
Trainer Miro Weiss mit Wallach Lodano
Snowy River darf dieses Mal nicht mit
Die Besucher besichtigen den Stall
Tag der offenen Tür im Pferderennstall

Tägliches Fitnessprogramm für Ross und Reiter

Franziska Schädel

Am Samstag war es auf dem Hof «Im Schüracker in Urdorf so weit. Viele Interessierte nahmen die Gelegenheit wahr, sich den Trainingsbetrieb erklären zu lassen und dem einen oder andren Vollblut den Hals zu klopfen. Im Schüracker leben edle Pferde. Es sind ausschliesslich Vollblüter, deren Stammbaum sich auf eine Herde von 3 Hengsten und 20 Stuten im England des 18. Jahrhunderts zurückführen lassen. Trainer Miro Weiss bereitet sie auf eine Karriere im Schweizer Pferderennsport vor.

Tric und Trac, die beiden Hofhunde, begrüssen die Besucher mit Gebell und es ist nicht klar, ob sie von den vielen «Eindringlingen» begeistert sind. Vor den Ställen drehen Jockeys Aufwärmrunden auf ihren Pferden, bevor sie zum Lauftraining auf die Rennstrecke entlang der S-Bahn-Linie Urdorf-Birmensdorf reiten.

Kein Vergleich zu England

Barbara Bachofner, selber Besitzerin von 1/5 Rennpferd mit Namen Baseline, führt durch die Stallungen und beantwortet die Fragen der Gäste. «Vor dem Rennen sollte ein Pferd 80 Prozent fit und 20 Prozent frisch sein», erklärt sie und ergänzt: «Ein guter Jockey gewinnt mit nur einer Nasenlänge. Denn für jede Länge Vorsprung muss das Pferd an künftigen Rennen bis zu einem Kilo mehr Gewicht tragen.» Natürlich interessiert auch, wie viel ein Rennpferd kostet. «Der Rennsport in der Schweiz ist nicht zu vergleichen mit dem in Frankreich oder England. Dort wird schon mal bis zu einer Million Euro für ein Rennpferd bezahlt», sagt Weiss. Die Pensionäre im Stall Beliar nehmen sich mit einem Wert von 50000 bis 100000 Franken dagegen schon fast bescheiden aus.

Besucher, die Anstoss nehmen am Pferdemist, sind unter den Gästen keine auszumachen. Hanspeter Kunz aus Uitikon ist seit Jahrzehnten mit dem Rennsport verbunden und er verrät, dass er auf dem «Eidgenossen» seines Vaters getauft worden sei. Auch der Uitiker Peter Kapp will sich ein Bild machen: «Wenn wir im Wald spazieren, treffen wir immer wieder Pferde an. Wir wollten einmal sehen, woher die kommen und was dahinter steckt. Ich bin beeindruckt.» Bruno Bauder, Gemeindeschreiber von Uitikon, hofft, dass dieser Anlass das Verständnis der Bevölkerung für den Stall im Schüracker fördere. Die Aufregung um den Pferdemist, so Bauder, habe sich inzwischen gelegt.

Ein internationales Team

Miro Weiss trainiert zwischen 60 und 70 Pferde. «Schon meine Vorfahren in der Slowakei haben mit Pferden gehandelt, sind Pferdekutschen gefahren», erzählt er.

Weiss führt den Trainingsbetrieb seit Jahren zusammen mit seiner Lebenspartnerin Ingrid Bult und einem motivierten, internationalen Team von Mitarbeitenden. Einer von ihnen ist Richard Dohnalek. Er hilft den Jockeys beim Aufsitzen, mistet die Ställe aus und präpariert die Bahn, auf der sich seine Schützlinge die Kondition für die Rennen in Avenches, Fehraltorf, Frauenfeld, Aarau oder Maienfeld holen. «Alles mach ich, nur nicht reiten», grinst er und leert schwungvoll seine Schubkarre voll Pferdemist – dem Mist, der im Dorf noch vor kurzem für so viel Aufregung gesorgt hat.