Schlieren
Zu abgelegen und zu teuer: Stadtrat erteilt dem Seilpark eine Abfuhr

Der Stadtrat erteilt dem Wunsch nach einem Seilpark eine Abfuhr - die Hürden seien zu hoch.

Alex Rudolf
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Wie hier der solothurnische Balmberg wird sich der Schlieremer Wald wohl kaum präsentieren – zu vieles spreche gegen einen Seilpark.

Wie hier der solothurnische Balmberg wird sich der Schlieremer Wald wohl kaum präsentieren – zu vieles spreche gegen einen Seilpark.

Hanspeter Bärtschi

Ein Skatepark im Zelgli-Quartier war mit der Ablehnung eines Zusatzkredits durch das Schlieremer Parlament grade vom Tisch, da lancierte Gemeinderat John Daniels (FDP) die Idee eines Seilparks auf dem Schlieremer Berg. So sollte unbedingt etwas Sinnvolleres für die Jugend gemacht werden, schrieb er in seinem Postulat. Nun hat der Stadtrat diese Idee geprüft und erteilt ihr eine Absage, wie sie deutlicher nicht sein könnte. «Der Bau eines Seilparks im Schlieremer Wald ist nicht sinnvoll und nur schwer realisierbar», schreibt er in seinem Antrag auf Abschreibung des Postulates.

Bei der Machbarkeitsstudie seien zwei Standorte ins Auge gefasst worden. Zum einen das Gebiet um die Trublerhütte und zum anderen jenes beim Hanenbüel (Alter Reitplatz). Ersterer wurde sogleich wieder verworfen, weil der Baumbestand zu mager und das nahegelegene Gewässer einschränkend sei, so der Stadtrat. Zudem fehle ein Ort für den Bau von Umkleide- und WC-Anlagen. Der Hanenbüel hingegen verfüge über gesunde Bäume und bietet bereits Toiletten.

Offene Fragen sieht die Exekutive jedoch bei der Bewilligungsfähigkeit. So brauche es für das Bauen ausserhalb der Bauzonen einen Gestaltungsplan. Ausschlaggebend, ob die Erstellung eines solchen gelingt, sei, inwieweit ein überwiegendes öffentliches Interesse an einem solchen Seilpark bestehe. Setze man auf einen privaten Gestaltungsplan, brauche man das Einverständnis des Grundeigentümers. Und genau hier findet sich die Knacknuss. Bereits hätten Gespräche mit der Holzkooperation Schlieren stattgefunden, die im Besitz der Parzelle Hanenbüel ist. Daraus ging hervor, dass die Holzkooperation einen Seilpark ablehnt, da der Wald keine Ausweitung der Freizeitnutzung mehr vertrage. Bereits heute steht der Wald der Öffentlichkeit für verschiedene Nutzungen zur Verfügung und befinde sich in einem «erfreulich guten Zustand.»

Schiesst am Ziel vorbei

Doch damit nicht genug. Auch andere Gründe sprechen gegen den Standort Schlieremer Wald. Denn: Selbst für kurze Distanzen würden Jugendliche den Bus nehmen. Dies zeige die Erfahrung der Schlieremer Fachstelle Jugend, so der Stadtrat weiter. Der Hanenbüel sei mit dem öffentlichen Verkehr schlecht erschlossen, was ein erhebliches Hindernis für Jugendliche sei. Zudem: «Durch die hohen Investitions- und Personalkosten wäre eine Benutzung der Anlage für die meisten Jugendlichen nur selten erschwinglich.» Jugendliche würden monieren, dass sie im öffentlichen Raum keinen Platz hätten, um sich zu treffen und herumzuhängen. Dies biete der Seilpark jedoch nicht.

Noch deutlicher fällt das Urteil der Schule aus: «Kaum werde eine Mehrheit der Jugendlichen regelmässig den Weg von 15 bis 20 Minuten in Kauf nehmen», lässt sie sich vom Stadtrat zitieren. So werde der Grossteil der Schüler dieses Angebot wohl nicht als regelmässiges Hobby wählen. Auch stelle sich die Schule die Frage, ob ein Seilpark das richtige Mittel sei, um die Sensibilität gegenüber der Natur zu stärken. «Immerhin ist er selber ein ziemlicher Eingriff in die Natur.»

Noch ein Vorstoss in der Pipeline

Für den Bericht des Stadtrates findet Daniels auf Anfrage lobende Worte. So sei dieser sauber ausgeführt worden. «Es wäre prinzipiell denkbar, eine Anlage zu erstellen, doch die Hürden sind hoch», sagt er. Er zeigt Verständnis für das Argument, der ungenügenden Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Verkehr. Diesbezüglich hätte er es jedoch gut gefunden, wenn auch ein Standort in der Nähe des Bahnhofs Urdorf geprüft worden wäre. «Zudem wäre es gut gewesen darauf zu verweisen, dass die Stadt nicht zwingend die Kosten für die Erstellung tragen müsste. Ein Investor hätte das Projekt wohl gerne realisiert.»

Zudem betont er, dass der Seilpark nicht als Ersatz für die nicht realisierte Skateanlage gedacht war. «Mir ging es darum, etwas aus dem Schlieremer Wald zu machen und ein Angebot für die gesamte Region zu schaffen.» Das Parlament sei schliesslich aufgefordert worden, Ideen zu liefern, was er getan habe, so Daniels. Daher befindet sich noch ein zweiter Vorschlag in der Pipeline. Ein Vorstoss von Quartierverein-Gemeinderat Thomas Widmer verlangt die Prüfung eines Bike Trails (Veloweg) oder Bike Parks (Veloparcours) ebenfalls im Schlieremer Wald. Zwar habe Daniels das weitere Vorgehen mit seiner Fraktion noch nicht besprochen, doch sehe es momentan danach aus, dass er mit Abschreibung des Postulates einverstanden sei.