Dietikon

Zigistummel auf Spielplätzen: Jetzt sollen es Bussen richten

Zigis gehören in den Aschenbecher. Da diese Regel auf Dietiker Spielplätzen missachtet wird, reagiert nun die Politik.

Zigis gehören in den Aschenbecher. Da diese Regel auf Dietiker Spielplätzen missachtet wird, reagiert nun die Politik.

16 Gemeinderäte fordern ein totales Rauchverbot auf öffentlichen Spielplätzen, um Kinder vor Vergiftungen und die Umwelt vor Zigarettenstummeln zu schützen.

Ob auf der Nötzliwiese oder in der Freizeitanlage Chrüzacher: Die Dietiker Spielplätze sind beliebt. Bei Kindern, aber auch bei den Erwachsenen, die sie begleiten. Darunter sind auch solche, die dem Tabakgenuss beziehungsweise der Sucht danach frönen. Das ist einigen Dietiker Gemeinderäten ein Dorn im Auge. Sie fordern ein Rauchverbot auf öffentlichen Spielplätzen. Eingereicht hat die Motion Catalina Wolf-Miranda von den Grünen. 15 Mitunterzeichnende hat sie für ihr Anliegen gewonnen. Es ist eine breite Allianz von links bis rechts.

Dietikon wäre mit einem solchen Verbot nicht alleine. So hat die Stadt Chur bereits 2008 ein Rauch- und Alkoholverbot auf öffentlichen Spielplätzen erlassen. Seit wenigen Jahren findet sie nun immer mehr Nachahmer. So haben auch Lugano und mehrere Aargauer Gemeinden ein Rauchverbot auf Spielplätzen eingeführt. Im zentralistischen Frankreich gilt es sogar landesweit. Auch weitere Nachbarländer kennen bereits solche Spielplatz-Regeln.

Gefahr des Verschluckens

Wolf-Miranda beschäftigt das Thema, seit sie vor sechs Jahren erstmals Mutter wurde. «Als ich mit den Kindern spielen ging, war ich erstaunt. Auf manchen Spielplätzen ist es wirklich ganz schlimm. Überall liegen Zigarettenstummel rum», sagt sie. Ein solcher Schwerpunkt sei etwa der Spielplatz auf der Nötzliwiese. «Ich habe gesehen, wie kleine Kinder die Stummel vom Boden aufnehmen», sagt Wolf-Miranda. Das sei gefährlich. «Kleinkinder können nicht zwischen Spielzeug und Zigarettenstummeln unterscheiden und nehmen alles in den Mund, was ihnen in die Hand kommt. Bei einem Baby kann bereits ein einziger verschluckter Zigarettenstummel zu deutlichen Vergiftungserscheinungen führen», schreibt sie in ihrer Motion.

Weiter argumentiert sie, dass gerade Kinder unter Passivrauch leiden, weil ihre Organe kleiner sind und ihr Immunsystem noch nicht so ausgereift ist. Zudem würden Zigarettenstummel Tausende Chemikalien enthalten und seien eine ernstzunehmende Umweltbelastung.
Wolf-Miranda ist überzeugt, dass nur noch Verbote nützen. «Der Chrüzacher empfiehlt seit einiger Zeit einen Rauchstopp. Eine solche Empfehlung ist meiner Meinung nach zu mild und leider meist wirkungslos, wie ein Augenschein vor Ort zeigt», schreibt sie.

Dietikon solle keinen Raum bieten für Gesundheitsschäden an Dritten. Vielmehr solle die Stadt eine Vorreiterrolle einnehmen «und empathisch, verantwortungsvoll und vorbildlich gegenüber den Jüngsten der Gesellschaft handeln». Ein Verbot habe zudem den Vorteil, dass die städtischen Reinigungsequipen entlastet würden. Wie Wolf-Miranda auf Anfrage sagt, solle das Verbot mit Bussen umgesetzt werden: «Das ist die einzige Massnahme, die nützt. Es geht hier um die Gesundheit der Kinder.» Weiter hält Wolf-Miranda fest, sie habe nichts gegen Raucher: «Ganz selten rauche nämlich auch ich mal eine Zigarette.»

Auch Bürgerliche machen mit

Die Motion wird auch von Mitgliedern der FDP und der SVP unterstützt. Beides Parteien, die grundsätzlich mehr Freiheit und weniger Verbote empfehlen. Seine Unterschrift sei in der Tat erklärungsbedürftig, sagt FDP-Fraktionspräsident Olivier Barthe auf Anfrage. «Freiheit und Eigenverantwortung setzen aber eine gewisse Reife voraus. Um diese erlangen zu können, sind Kinder auf Erwachsene als Vorbilder angewiesen.» Diese Vorbildfunktion nähmen manche Eltern aber nicht wahr. Deshalb komme ein Verbot in Betracht. Barthe betont: «Wir sind dagegen, Menschen einzuschränken, um sie vor sich selber zu schützen. Aber hier geht es darum, Kinder vor gesundheitlichen Schäden und dem schlechten Einfluss mancher Erwachsener zu schützen.» Als sich die FDP im Oktober auf freiwillige Putztour durch Dietikon begab, habe sie zudem schnell gemerkt, dass Zigarettenstummel den grössten Teil des Litterings in der Stadt ausmachen. Bei Aufräumaktionen in Städten seien 30 bis 40 Prozent des Abfalls Zigistummel, schreibt Wolf-Miranda in ihrer Motion.

Für Konrad Lips, Präsident der SVP-Fraktion, spielt ebenfalls das Littering eine wichtige Rolle. Er hat sein Geschäft bei der Haltestelle Schöneggstrasse der Bremgarten-Dietikon-Bahn. «Ich sehe dort jeden Tag, wie viele Stummel einfach auf den Boden geschmissen werden. Das und der Schutz der Kinder hat mich dazu bewogen, die Motion zu unterschreiben. Da das Rauchen bei den Schulhäusern verboten ist, ist es sinnvoll, es auch bei Spielplätzen zu verbieten.»
Kürzlich gab ein anderes Rauchverbot zu reden. So gaben die SBB Ende November bekannt, Raucher auch an Bahnhöfen in die Schranken zu weisen. Ab 1. Juni 2019 gilt ein generelles Rauchverbot an allen Schweizer Bahnhöfen. Rauchen ist dann nur noch in speziell markierten Zonen erlaubt.

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