Dietikon
Zentrum für Blinde: «Blind-Date» soll Defizit lindern

Erica Brühlmann-Jecklin setzt sich für den Erhalt des Bildungs- und Begegnungszentrums in Dietikon ein. Dazu hat sie ein Büchlein zum Thema Blindsein geschrieben, das sie nun verkauft.

Liana Soliman
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Erica Brühlmann-Jecklin möchte, dass das Bildungs- und Begegnungszentrum in Dietikon erhalten bleibt.

Erica Brühlmann-Jecklin möchte, dass das Bildungs- und Begegnungszentrum in Dietikon erhalten bleibt.

Liana Soliman

Um seine Existenz bangte letztes Jahr das Dietiker Bildungs- und Begegnungszentrum (BBZ) des Schweizerischen Blindenverbands (SBV). Wie die Limmattaler Zeitung berichtet hatte, drohte der Ort, wo viele Blinde und Sehbehinderte jeden Tag zusammenkommen, geschlossen zu werden. Um eine Haaresbreite entkam das BBZ dem Unglück. Besonders für den Erhalt eingesetzt hatte sich die Schlieremerin Erica Brühlmann-Jecklin. Sie ist Präsidentin des SBV der Kantone Zürich und Schaffhausen.

Der Schweizerische Blindenverband schreibt seit einigen Jahren Verluste. Auch die fünf Begegnungszentren in Dietikon, Bern, Luzern, St. Gallen und Lausanne waren defizitär geworden. Aus Spargründen hätten alle Bildungszentren geschlossen werden sollen. Im Dezember hat der Blindenverband dann aber entschieden, dass die Begegnungszentren weiterleben dürfen. «Man kann den Leuten nicht einfach den Boden unter den Füssen wegziehen», sagt Brühlmann-Jecklin.

Sie erklärt, dass man leider nicht Menschen zusammengezählt habe, sondern Zahlen. Nachdem Brühlmann-Jecklin in einem Beitrag in der Limmattaler Zeitung von der schwierigen Situation berichtete, erhielt das BBZ eine Spende von 1000 Franken von einer Privatperson. Aber damit ist das Problem noch nicht abschliessend gelöst. «Wir müssen jetzt etwas unternehmen», sagt Brühlmann-Jecklin.

Einnahmen dank Kursen

Der Bereichsleiter der Begegnungszentren, Philipp Thommen, erklärt, dass die Strategie des Blindenverbandes ein ausgeglichenes Budget anstrebe. Er erklärt, dass die einzelnen Zentren Projekte erarbeiten und präsentieren mussten, um die Defizite in Zukunft markant zu reduzieren.

Das BBZ in Dietikon bietet beispielsweise Kurse für Aussenstehende an und verkauft selbst hergestellte Produkte auf dem Markt. «Wir sind aber auf die Spenden von Privatpersonen und Stiftungen angewiesen», sagt Martin Bühler, Leiter des BBZ in Dietikon. Nur wenn das BBZ offenbleibe, könne man Blinden und Sehbehinderten einen Ort geben, wo sie sich austauschen, ihre Kompetenzen pflegen, sich weiterbilden und ihre handwerklichen Fähigkeiten und sozialen Kompetenzen fördern können.

Brühlmann-Jecklin erklärt, dass das Zentrum ihnen auch eine Tagesstruktur gebe und sie so mit anderen zusammen Zeit verbringen könnten. «Der Austausch hilft, weil alle merken: ‹Ich bin nicht allein mit diesem Problem›», sagt die Schlieremer Autorin.

Würde es diesen Ort nicht mehr geben, käme den Mitgliedern ein Gemeinschaftsort abhanden und sie würden nur noch zu Hause isoliert werden, führt Brühlmann-Jecklin weiter aus. «Das Zentrum darf man nicht schliessen. Das ist eine Familie», sagt sie, während sie Fotos von einem gemeinsamen Nachmittag im Zentrum anschaut.

«Blind-Date» soll helfen

Brühlmann-Jecklin möchte nun dem Zentrum mit dem Verkauf des Büchleins «Blind-Date» helfen. 31 Aphorismen zum Thema Blindsein hat sie innerhalb des letzten Jahres zu diesem Zweck geschrieben. Das Büchlein wurde vollständig vom Lions Club Limmattal gesponsert, sodass der ganze Erlös an das Begegnungszentrum geht. Bisher seien schon etwa 100 Büchlein im Wert von je zehn Franken verkauft worden, erklärt Brühlmann-Jecklin.

Das Büchlein solle nicht nur Geld für das Zentrum einbringen, sondern auch auf humorvolle Art die Menschen sensibilisieren und Freude verbreiten.

Kaufen lässt sich das Werk in der Bibliothek Schlieren oder bei Brühlmann-Jecklin selbst. Mit dem Erlös durch das Büchlein, so lautet das erklärte Ziel, solle das Zentrum erhalten bleiben.