Ob man hier noch Rechnungen bar bezahlen könne, fragt die junge Frau in der neuen Post-Agentur Fahrweid. Da müsse sie nach Dietikon oder Geroldswil, gibt ihr Mitarbeiter Kurt Zellweger zu verstehen. «Das ist blöd», sagt sie. Freundlich zwar. Aber sie benennt eines der grössten Mankos der Agenturen. Denn auch im Bezahlkarten-Zeitalter vertrauen viele Menschen auf Bargeld und wollen beim Rechnungszahlen keine Karte zücken.

Doch es ist, wie es ist. Seit Montag hat die Fahrweid eine Post-Agentur. Betrieben wird sie von der Miet and Drive AG, ein 2005 gegründetes Familienunternehmen, das Fahrzeuge vermietet, vom kleinen Personen- bis zum grossen Lieferwagen. Hinter der Theke steht ein bekanntes Gesicht: Kurt Zellweger politisierte zwölf Jahre lang für die SVP im Geroldswiler Gemeinderat – bis 1998. Der 71-Jährige arbeitet regelmässig. «Das hält mich fit und ich komme unter die Leute», sagt er.

Mit den Kunden habe er keine grossen Diskussionen wegen des Poststellen-Abbaus. Selber findet er: «Die Post ist den Leuten in vielerlei Hinsicht auch entgegengekommen. Man kann sich die Sachen dorthin senden lassen, wo man will.»

In einer zweitägigen Schulung wurden er und seine Tochter, Geschäftsführerin Corinne Zellweger (40), für die Post-Agentur ausgebildet. Diese Woche wurden Zellwegers zudem von einer erfahrenen Mitarbeiterin der Dietiker Post begleitet.

In der ersten Woche gleich Zahltag

Kurt Zellweger findet die Post-Agentur eine gute Ergänzung. Denn bei einer Autovermietung ist nicht den ganzen Tag gleich viel los. Nun sind die Zellwegers besser ausgelastet. Das minimiert die Kosten. «Für das Quartier sehe ich die Agentur zudem eher als Gewinn denn als Verlust, weil wir längere Öffnungszeiten haben», sagt er. Die Agentur bleibe für die Firma solange interessant, wie sie ihretwegen kein zusätzliches Personal anstellen muss. Diese Woche war schon einiges los. Jeden Morgen stapeln sich Päckli, die die Leute aus dem Quartier später abholen kommen. Und diese Woche war Zahltag: Da war das Begleichen von Rechnungen und das Abheben von Bargeld hoch im Kurs.

Die Zellwegers sehen sich als Geschäft aus dem Quartier, das jetzt auch eine Dienstleistung explizit fürs Quartier bietet. «So lernen wir neue Leute kennen und das Quartier lernt uns kennen. Das finde ich schön», sagt Corinne Zellweger. «Als Familienunternehmen haben wir vielleicht auch einen Sympathiebonus», fügt Kurt Zellweger an. Und hier muss man auch kein Nümmerchen ziehen wie in Dietikon.

Was mit der geschlossenen Post in der Fahrweid nun passiert, ist noch offen. Klar ist: Die Post muss sich nicht darum kümmern. Wie schon in Aesch, Oetwil und Bergdietikon war sie Mieterin im Gebäude.

Seit 1. September sind in Post-Agenturen auch Massensendungen möglich

Neben dem Poststellen-Abbau gibt es bei den Agenturen einen kleinen Ausbau: Die Post weist darauf hin, dass seit Anfang Monat KMU und Vereine Massensendungen neu bei Agenturen erledigen können. Zudem sind Bargeldeinzahlungen neu beim Pöstler an der Haustüre möglich (wenn man denn zu Hause ist). Sobald eine Agentur einmal in Betrieb sei, würden die Kunden schnell realisieren, dass auch dort ein breites Angebot vorhanden und die Öffnungszeiten länger sind, sagt die Post.

Übrigens: Wie eine Nachfrage bei Volg ergibt, muss man sich um Post-Agenturen in Volg-Läden keine Sorgen machen. Seit 2005 wurden 318 Agenturen in Volg-Läden eröffnet. Bis heute wurde keine Agentur in einem Volg geschlossen – hingegen nahm jeweils die Anzahl Volg-Kunden leicht zu.

Lesen Sie ausserdem: von 190 bis 900 Minuten am Samstag – die Rangliste der Limmattaler Post-Öffnungszeiten.

Wie war das eigentlich damals vor 175 Jahren, als im Limmattal die ersten Poststellen eröffnet wurden? Hier können Sie es nachlesen.