Die Stadt soll den «Alten Bären» nicht aus den Händen geben: Das fordert eine Gruppe von Dietiker Parlamentariern. Und: Sie haben auch schon eine Idee, wie das zu bewerkstelligen wäre.

Dass der «Alte Bären», eines der stadteigenen Gebäude auf dem Kronenareal, verkauft werden soll, ist seit Mai dieses Jahres bekannt. Zuvor hielt sich der Stadtrat immer bedeckt, wenn es um die Zukunft des geschichtsträchtigen, aber höchst renovationsbedürftigen Gebäudes ging. Klar war immer, dass die auf dem Areal geplanten Mehrfamilienhäuser «Flussbalkone» zum Verkauf bestimmt sind. Klar war auch, dass die Zehntenscheune im Eigentum der Stadt bleiben und zum kulturellen Veranstaltungsort werden soll. Doch im Zusammenhang mit dem «Alten Bären» wollte der Stadtrat lange Zeit die Katze nicht aus dem Sack lassen. Bis er schliesslich verkündete, man müsse ihn verkaufen, damit man sich die Sanierung der Zehntenscheune leisten könne.

Doch nun regt sich politischer Widerstand gegen den Entscheid. In einer Motion fordern SP-Gemeinderat Manuel Peer und elf Mitunterzeichnende den Stadtrat auf, den «Alten Bären» nicht zu verkaufen, sondern zu sanieren. Schliesslich seien alle angrenzenden Flächen im Eigentum der Öffentlichkeit, heisst es in der Begründung: «Mit dem Verkauf entstünde eine Insel von privatem Eigentum an einem für das öffentliche Leben der Stadt zentralen Ort.» Viel sinnvoller sei eine Sanierung, die durch eine Totalunternehmersubmission «ohne grossen Aufwand für die Stadt» durchgeführt werden könnte.

«Extrem ungeschickt»

Auf Anfrage sagt Peer, es sei ihm ein grosses Anliegen, dass der «Alte Bären» nicht verkauft werde. Dies nicht nur aus emotionalen, sondern auch aus praktischen Gründen: Wenn ein Privater, oder bei Stockwerkeigentum sogar mehrere Private, das Gebäude besässen, so wären diese bei allen Vorhaben auf dem Kronenareal rekursberechtigt. Das geplante Vorgehen des Stadtrats erachte er daher als «extrem ungeschickt», so Peer. Er vermute, dass der Stadtrat die Sanierung vor allem deshalb nicht selber angehen wolle, weil sie ihm zu mühsam sei. «Dabei könnte er das Projekt ausschreiben und hätte dann fast nichts mehr damit zu tun.»

Für sein Anliegen bekommt Peer selbst Unterstützung von bürgerlicher Seite: Unterzeichnet haben die Motion auch die CVP-Gemeinderäte Reto Siegrist und Max Wiederkehr sowie Martin Müller (DP). Der Kronenplatz sei der letzte zusammenhängende Zeitzeuge von Alt-Dietikon, sagt Siegrist, der sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat: «Diese Komposition muss unbedingt erhalten bleiben – und dazu dürfen wir den ‹Alten Bären› nicht aus den Händen geben.» Nur wer selber verantwortlich sei, bleibe handlungsfähig und handlungsfrei. Er wolle verhindern, so Siegrist, dass man sich in einigen Jahren, wenn Dietikon hoffentlich finanziell wieder besser dastehe, fragen müsse: «Was haben wir da angestellt?»

Es gibt einen Interessenten

Müller hingegen hat andere Sorgen in Bezug auf das Kronenareal. So behaupte der Stadtrat einerseits, er brauche die 400 000 Franken, die der Verkauf des «Alten Bären» wohl etwa einbringen werde, für die Sanierung der Zehntenscheune. Andererseits wolle der Stadtrat ein weiteres Gebäude auf dem Kronenareal, das Haus Brechtbühl, abreissen lassen – und dieses sei gemäss Angaben der Stadt ebenfalls noch 200 000 bis 300 000 Franken wert. «Ich verstehe nicht, dass man diesen Wert zuzüglich Abrisskosten einfach vernichten will», so Müller. «Der Stadtrat geht hier liederlich mit dem Volksvermögen um.»

Der Stadtrat hingegen wird von sich aus kaum seine Meinung ändern. Stadtpräsident Otto Müller (FDP) sagt auf Anfrage, es gebe ein sehr gutes Projekt, das den «Alten Bären» in seine Originalnutzung – das bedeutet Wohnen – zurückführen und sorgfältig mit der alten Bausubstanz umgehe wolle. Zudem sei bereits ein Interessent vorhanden, der dieses Projekt realisieren wolle. Einen Rückschlag hat die Stadt dafür mit Bezug auf die Mehrfamilienhäuser auf dem Areal erlitten. Bis vor kurzem war ein Investor vorhanden, der Interesse daran hatte, das Projekt mit Baubewilligung zu kaufen. Das hat sich nun geändert, wie Otto Müller sagt: «Zur Überraschung des Stadtrates hat der Investor sich inzwischen kurzfristig zurückgezogen und der Stadtrat wird die Ausgangslage neu beurteilen.»