Liebes 2017
Zehn Limmattaler Persönlichkeiten schreiben dem neuen Jahr einen Brief

«Lassen Sie Ihren Gedanken und Hoffnungen freien Lauf.» So lautete unser Auftrag, den zehn Briefeschreiber annahmen. Das Ergebnis berührt, stimmt mal fröhlich, mal nachdenklich.

Gabriele Heigl
Merken
Drucken
Teilen
Liebes 2017 ... wir freuen uns auf dich.

Liebes 2017 ... wir freuen uns auf dich.

at./ktg

Vor keine leichte Aufgabe hat die Redaktion diese zehn Autorinnen und Autoren gestellt. Wann schreibt man schon mal einem Jahr? Aber alle haben sie mit Bravour gemeistert. Die Briefeschreiberinnen und -schreiber hatten völlig freie Hand bei der Wahl von Inhalt und Stil. Und so sind zehn völlig individuelle, sehr persönliche Varianten herausgekommen.

To-do-Liste für das neue Jahr

Mal ist das Ergebnis ein Rückblick auf das, was nicht mehr ist oder ein Ausblick auf das, was man sich für sich selbst vom neuen Jahr erhofft, mal ein Appell an Politik und/oder Gesellschaft die Dinge, die nicht gut laufen, zum Besseren zu wenden, mal eine To-do-Liste, die dem neuen Jahr zur Erledigung aufgegeben wird, mal Exkurse aus einem spirituellen oder philosophischen Blickwinkel betrachtet, mal engagierter Aufruf.

Originell und lesenswert ist jeder der Briefe. Bei der Lektüre wird man an vielen Stellen zum Lächeln animiert, an anderen nachdenklich gestimmt. Die Redaktion der Limmattaler Zeitung dankt allen Autorinnen und Autoren für Mut und Mühe und wünscht den Leserinnen und Lesern viel Vergnügen.

Liebes 2017...

Stefan Baier (53) , Gründer der Dietiker Theateria und Schauspieler

Stefan Baier (53) , Gründer der Dietiker Theateria und Schauspieler

ZVG

Mit dem ersten Glockenschlag am Neujahrstag naht in Windeseile bereits wieder dein Ablaufdatum. Nach lediglich 365 Tagen stürzt du in die Vergangenheit und verschwindest im Meer des Vergessens. Zugegeben, es gibt ein paar wenige unter euch Jahren, die es zu Ruhm gebracht haben.

Ich denke an das Jahr 1291: Der Mythos um einen Armbrust-Schützen katapultierte es zum geschichtsträchtigen Meilenstein. Ja, in der Regel waren es Männer, die eine Handvoll deiner Vorgänger unvergesslich machten. Das Jahr null: Ein Bub wird geboren. 1492: Kolumbus glaubt, den Seeweg nach Indien gefunden zu haben. 1916: Einstein macht die Atombombe möglich. 2016: Ein Mann zieht ins Weisse Haus ein, obwohl die Mehrzahl der AmerikanerInnen ihre Stimme einer Frau anvertrauen.

Hüben und drüben maskuline Vorherrschaft, die dir, liebes 2017, mit fragwürdigen Methoden den Stempel aufdrücken will. Dabei agieren die Männer mit überhöhtem Selbstwertgefühl, risikofreudig, immer leicht schwebend, ohne Bodenhaftung, auch mit höchst krimineller Energie bis hin zum Krieg. Die grossen Mächte werden wohl noch lange mit von Testosteron gesteuerter Übermacht in der ersten Reihe aufmarschieren. Aber wo sind die Frauen? Ach ja, in Europa steht eine Physikerin als Fels in der Brandung.

Auch bei uns in der Schweiz durften wir für einen kurzen Moment eine Frauenbeteiligung in der Landes-Regierung proklamieren, die sich sehen liess. Über die Parteigrenzen hinaus lieferten alle drei erstklassige Arbeit. Aber das reichte nicht aus. Irrationale Männerdominanz schickte eine Magistratin in den Ruhestand.

Liebes 2017, willst du als das Entscheidendste deiner Art in die Annalen der Geschichte eingehen? Folge einfach meinem Rat und erfülle meinen Wunsch. Lass endlich die Gleichberechtigung der Frau über alle Grenzen hinweg Wirklichkeit werden. Ich garantiere dir, du wirst bis zum letzten Atemzug unserer Spezies das gewichtigste Gedenkjahr bleiben. Weltweit!

Ich freue mich auf dich ... herzlich grüsst ... Stefan Baier

Liebes 2017...

Thomas Brack (52), der Direktor des Spitals Limmattal in Schlieren schreibt im Namen des Spitals

Thomas Brack (52), der Direktor des Spitals Limmattal in Schlieren schreibt im Namen des Spitals

ZVG

Seit 47 Jahren gibt es mich bereits. Jahr für Jahr stand ich als markanter Punkt im Limmattal und widmete mich mit meinen vielseitigen Leistungen der Bevölkerung. So manches Schicksal innerhalb meiner Gemäuer habe ich miterlebt. Und nun sind meine Tage so langsam gezählt. Mein Nachfolger wird direkt neben mir aufgebaut. Schön ist es, mit anzusehen, wie die neue Silhouette und innere Strukturen entstehen. Manchmal schmerzt es aber auch, wenn bereits heute an mir gezerrt und genagt wird. Es dauert ja immerhin noch fast zwei Jahre, bis mein Nachfolger übernimmt.

Und du, liebes 2017, was spielst du für eine Rolle? Du gibst meinem Nachfolger und mir Zeit: ein ganzes Jahr, 365 Tage. Diese können wir gut gebrauchen. Ich habe die Möglichkeit, genau zu überlegen, was ich meinem Nachfolger weitergeben will. Dabei geht es nicht nur um Äusserlichkeiten, sondern vielmehr um innere Werte.

Bei mir arbeiten ja die unterschiedlichsten Menschen, die ebendiese inneren Werte ausmachen. Mein Nachfolger wird anders sein als ich, und trotzdem soll mein «Geist» weiterleben. Das heisst auch, dass die in mir arbeitenden Menschen beginnen müssen, sich mit meinem Nachfolger auseinanderzusetzen. Sie lernen ihn Schritt für Schritt kennen und werden ihn schätzen. Von alten Gewohnheiten werden sie sich lösen und von mir loslassen.

Auch mein Nachfolger braucht die 365 Tage Zeit, liebes 2017. Er muss noch geformt werden, braucht noch einen Feinschliff, damit er den hohen Anforderungen der Menschen, die zu ihm kommen, genügt. Mein Nachfolger zu werden, ist keine leichte Aufgabe, denn ich hinterlasse grosse Fussstapfen. Aber so, wie ich das sehe, wird er das schaffen! Ich freue mich auf dich, liebes 2017.

Und danke für die Zeit, die du uns schenkst!

Für das Spital Limmattal: Thomas Brack

Liebes 2017...

Silvia und Josef Zihlmann (69 und 72) , Tierschützer-Ehepaar aus Weiningen und Limmattaler des Jahres 2014

Silvia und Josef Zihlmann (69 und 72) , Tierschützer-Ehepaar aus Weiningen und Limmattaler des Jahres 2014

ZVG

Ignoranz, Gleichgültigkeit und Rücksichtslosigkeit, auch direkt vor unserer Haustüre, sind nicht zu übersehen. Täglich bringen fürsorgliche «Drohnen-Eltern» ihre Kinder zur Schule. Das chaotische Verkehrsaufkommen kümmert sie so wenig wie das, was sie ihren Kindern damit antun. Sie verwehren ihnen unvergessliche Abenteuer, die man nur auf dem Schulweg zu Fuss erlebt. Wird diese Förderung von Sozialkompetenz und Teamfähigkeit in den ersten Schuljahren versäumt, kann das nie mehr aufgeholt werden! Doch diese Eltern eilen gestresst von einem Termin zum nächsten. Nicht selten sind sie Doppelverdiener, um sich ein Zweitauto und all den unverzichtbaren Luxus leisten zu können.

Sie bieten ein jämmerliches Bild in ihren pelzbesetzten Jacken. Pelz gehört heute einfach dazu. Natürlich haben sie nie von der grauenvollen Haltung dieser Pelztiere gehört, und dass man ihnen die Haut lebend vom Körper reisst. Viele Pelze stammen sogar von Hunden und Katzen. Sie hören ihre Schmerzensschreie nicht, und ihr Leiden kümmert sie nicht. So viel Egoismus, Oberflächlichkeit und Dummheit sind unbegreiflich. Doch sie sind vorbildliche Eltern, die ihre Kinder und auch Tiere lieben. Was Eltern nicht verstehen, könnte man wenigstens den Kindern vermitteln. Hier ist die Lehrerschaft gefragt!

Was Elterntaxis betrifft, sind unter anderem die Schulkommission und Politiker der Gemeinde verantwortlich. Und wenn man sieht, in welchen Tempi gerade diese Leute abends zu ihren Versammlungen und zurück durch die Strasse brausen, können sie sich schlecht als Vorbild präsentieren. Wir sorgen uns um die Auswirkungen dieses Verhaltens, auch wenn wir sie nicht mehr erleben. Die jungen Leute und ihre Kinder werden die Konsequenzen davon zu tragen haben. Bei so viel Ignoranz, Gleichgültigkeit und Rücksichtslosigkeit helfen wohl nur Verbote – leider! Auf Vernunft warten wir vergeblich.

Silvia und Josef Zihlmann

Liebes 2017...

Rolf Sommer, Schauspieler aus Schlieren

Rolf Sommer, Schauspieler aus Schlieren

ZVG

Ich freue mich sehr auf Dich und auf all das, was Du für mich bereithältst. Noch sind Deine Konturen in meinem Kalender recht verschwommen. Das eine oder andere Engagement zeichnet sich ab, manche Termine sind fix, stehen aber noch wie einsame Felsen spitz in der Landschaft und warten darauf, von weiteren Ereignissen umspült zu werden. Was wird wohl sein? Was wirst Du mir bringen?

In meinem Beruf nimmt das Leben oft sehr unerwartete Wendungen. Dinge, auf die man wochenlang hinarbeitet, lösen sich in Luft auf, und genau an dem Tag, an man es am wenigsten erwartet, ruft jemand an und vergibt einen Job. Das Ungewisse ist zu einem festen und wichtigen Bestandteil meines Lebens geworden. Die Jahre vor Dir haben mich zu einem Seefahrer gemacht, dem es nur dann wohl ist, wenn sich der Grund unter seinen Füssen ständig bewegt. So segle ich nun auf Dich zu, 2017, und hoffe, dass Du mir wohlgesinnt bist.

Vielleicht, wenn ich mir ein paar Dinge von Dir wünschen dürfte, dann wären es vorab bunte Socken, ein paar Flaschen Süsswein und viel Zeit mit meinen Eltern. Ich wünsche mir sommerliche Abende im Kreise meiner Freunde, wo unter Lichterketten gelacht und getanzt wird.

Ich wünsche mir Magie und Momente des Staunens, Momente, in denen die Zeit stehen bleibt und die Luft um mich herum stillsteht. Schenk mir ein paar unerwartete Begegnungen, ein paar richtig gute Ideen und ab und zu ein Stück Holländertorte, dann wirst Du ein wunderbares Jahr werden. Ach ja, und wenn Du in die Geschichte eingehen möchtest, dann bitte nicht wegen Katastrophen, Krieg und Terror, sondern weil wir draussen im Weltall neues Leben finden.

Herzliche Grüsse – Dein Rolf

Liebes 2017...

Ganz rechts: Daniel Gerber (48), Sozialdiakon der Reformierten Kirchgemeinde Dietikon

Ganz rechts: Daniel Gerber (48), Sozialdiakon der Reformierten Kirchgemeinde Dietikon

Gabriele Heigl

Im auslaufenden Jahr wurden Tausende Songs weltweit veröffentlicht. Hunderte davon habe ich gehört, sei es zu Hause, unterwegs im Auto oder an einer Veranstaltung. Dabei gab es einen Song, der mir wirklich immer wieder zu denken gab. Es ist das Lied «S.O.B.» von Nathaniel Rateliff & the Night Sweats. Mit diesem Track schaffte er den internationalen Durchbruch. Auf Youtube wurde das Video bereits über 24 Millionen Mal angeklickt.

Es sind aber nicht die Zahlen, die mich beeindruckten, sondern mein Missverständnis mit dem Song. Mit seiner markanten Stimme singt, ja schreit, Nathaniel Rateliff im Refrain immer wieder «S.O.B. – Give me a drink!» – «Dreckskerl – gib mir einen Drink!» Als ich die ersten paar Male diesen Refrain hörte und mitsang, stellte ich mir einen coolen Typ vor, der in eine Bar geht und beim Barkeeper etwas flapsig einen Whisky bestellt. Weiter achtete ich nicht auf den Text.

Das änderte sich, als ich später las, dass der Sänger in diesem Song seine Alkoholsucht thematisiert. Jetzt war ich hellwach. Ich suchte den Text im Internet. Und tatsächlich! Was singt er noch? Hier ein paar Songzeilen: «Wenn ich nicht sauber werde, dann werde ich mich zu Tode saufen!» «Ich brauche jemanden, der mir hilft.» «Kann mich bitte jemand festbinden oder mir einen gottverdammten Drink geben?» Er hat nicht einfach einen fiktiven Song geschrieben, sondern es ist ein krasser Hilfeschrei eines Süchtigen! Wer nimmt ihn ernst? Wer denkt an diese Tragik, wenn wir den Refrain mitsingen?

Liebes 2017: Ich wünsche mir für das neue Jahr weitere starke Songs. Aber noch viel mehr, dass wir in unseren privaten und beruflichen Beziehungen genau hinhören. Was hat er gesagt? Was will sie mir wirklich mitteilen?

Daniel Gerber

Liebes 2017...

Dietrich Pestalozzi (68), Unternehmer und Verwaltungsrat-Präsident des gleichnamigen Familienunternehmens in Dietikon

Dietrich Pestalozzi (68), Unternehmer und Verwaltungsrat-Präsident des gleichnamigen Familienunternehmens in Dietikon

ZVG

Wenn du zu Ende sein wirst, nachdem sich die Erde 365 -mal um ihre Achse gedreht hat, wünsche ich mir,

• dass die Dietiker Genossenschaft Basimilch bis dann im Vollbetrieb funktioniert, dass sie wöchentlich Depots im ganzen Limmattal mit Milchprodukten der 22 eigenen Kühe beliefern kann und – wie auch die Genossenschaft Ortoloco – Nachahmer gefunden hat,

• dass die Auftritte, Schülerkonzerte, Instrumentendemos, Jubiläumsaktivitäten, Werbemassnahmen, Bläser- und Streicherklassen der Limmattaler Musikschulen und Musikvereine viele Kinder motiviert haben, ein Musikinstrument spielen zu lernen, und dass sich so 100 zusätzliche Kinder für den Unterricht angemeldet haben,

• dass die Asylsuchenden in den Limmattaler Gemeinden nicht länger als drei Monate auf den Entscheid über ihren Status warten mussten und dann mit einem
F- oder B-Ausweis eine Stelle gefunden haben, sodass ihnen das Leben wieder sinnvoller erscheint und sie eine Gegenleistung für die Unterstützung durch die öffentliche Hand erbringen können,

• dass die Limmattaler Kirchen gelernt haben, immer besser zusammenzuarbeiten und so Ressourcen und Kräfte für Initiativen, die der Bevölkerung zugute kommen, freisetzen können,

• dass die Bezirksverwaltung von einem fähigen, unabhängigen und integeren Statthalter geleitet wird,

• dass mit dem Bau der Limmattalbahn begonnen werden konnte, viele Grundeigentümer entlang der Strecke sich an die Erneuerung ihrer Bausubstanz machen und sich neue Firmen mit interessanten Arbeitsplätzen ansiedeln,

• dass der öffentliche Gestaltungsplan Silbern rechtskräftig ist und die blockierten Projekte für die bauliche Entwicklung des Quartiers gestartet werden konnten.
Dann werde ich dir danken und dich nur noch bitten, dass du den Zettel mit meinen Wünschen, die noch offen geblieben sind, deinem Nachfolger weiterreichst, denn: «Am Ziele deiner Wünsche wirst du jedenfalls eines vermissen: dein Wandern zum Ziel.» (Marie von Ebner-Eschenbach)

Dietrich Pestalozzi

Liebes 2017...

Rolf Steiner (64), Kantonsratspräsident (SP) aus Dietikon

Rolf Steiner (64), Kantonsratspräsident (SP) aus Dietikon

ZVG

Schon seit langer Zeit erscheinst du mir mindestens einmal jährlich auf dem Versicherungsausweis der Pensionskasse als magisches Jahr unter dem Titel «ordentliche Pensionierung». In den Achtzigern und Neunzigern des letzten Jahrhunderts warst du unendlich weit entfernt, und auch zu Beginn des neuen Jahrtausends, als ich 50 wurde, erschienst du mir als sehr nebulös und weit weg liegend. Nun stehst du also vor der Tür. Für mich persönlich wird irgendwann in deinem Herbst das «AHV-Alter» beginnen. Du bist für mich also quasi das Renten-Start-Jahr.

Es ist wohl kein Zufall (sage ich dir als Baby-Boomer), dass du auch sonst in Bezug auf Rente oder auf das Vorsorgen für die spätere Rente ein entscheidendes Jahr bist. Die grosse Revision der Altersvorsorge, ein kompliziertes Konstrukt mit vielen Stellschrauben und Fallstricken, könnte unter deinem Namen,

Liebes 2017, in die politische Geschichte eingehen. Als Beweis dafür, dass auch unser polarisiertes nationales Parlament in wichtigen Fragen gewillt und in der Lage ist, Lösungen zu erarbeiten.

Ob diese Lösung zustande kommt, liegt nicht an dir, und auch nicht nur an den National- und Ständeräten (und -rätinnen), sondern auch an wichtigen Verbänden und Institutionen, wie etwa dem Arbeitgeber- und dem Gewerbeverband, der Economiesuisse, den Gewerkschaften und so weiter.

Bei ihnen allen, so hoffe ich, liebes 2017, wirst du mit deinem januarmässig jugendlichen Charme die Einsicht reifen lassen, dass es in unser aller Interesse ist, wenn sich alle aufeinander zu bewegen. Damit sich auch spätere Generationen ohne materielle Angst auf die Pensionierung freuen können.

Auch ein bisschen dank dir, liebes 2017.

Dein Rolf Steiner

Liebes 2017...

Schwester Elisabeth Müggler (76), Ordensmitglied der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz aus Schlieren

Schwester Elisabeth Müggler (76), Ordensmitglied der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz aus Schlieren

ZVG

Du klopfst schon an die Tür – eigentlich viel zu früh für mich. Ich bin noch gar nicht bereit für Dich. In meinem Herzen türmen sich ungelöste Fragen, unerledigte Aufgaben, offene Themen. Und doch freue ich mich irgendwie auf Dein Kommen. Du schenkst mir 365 Tage, die ich gestalten darf, die neue Möglichkeiten, Chancen, Forderungen, ungeahnte Freuden bringen. Ich spüre in mir eine frohe Erwartung, eine Kraft, vorwärtszugehen, das zu schaffen, was in meinen Möglichkeiten liegt, auch um Altes zu erledigen.

Dazu ein Gedicht, das ich kürzlich entdeckte:

Ich segne den Tag, der vor mir liegt
mit einem Lächeln
mit einem zärtlichen Gedanken
mit einem Ja,
weil du bist,
Grund aller Dinge,
Quelle des Lebens,
Atem und Kraft.
Ich segne den Tag.
Wenn er mich segnet, werde ich Segen sein.

Diese Gedanken enthüllen viel über meine innere Intention zur Gestaltung des Jahres 2017 und über meine Verbundenheit mit Gott. Weisst Du, liebes 2017, seit 1976 suche ich stets am Ende des Jahres ein zentrales Wort, das mich im neuen Jahr bewusst begleiten soll. Vorsätze motivieren mich wenig, jedoch ein Jahresmotto führt mich immer wieder zurück zum eigentlichen Sinn meines Seins und Wirkens. Mein Jahreswort 2017 lautet aus Röm 8,11:
Lebt nicht an den Aufgaben vorbei,
die eure Zeit stellt,
und freut euch,
dass ihr über sie hinaus eine Hoffnung habt.

Ja, liebes 2017, welche Aufgaben hältst du für mich, zu erfüllen bereit im 2017? Dies zu reflektieren werde ich mir immer wieder Zeit nehmen. Du kennst die Welt, da ist Einsatz für echten Frieden das grosse Thema, an dem wir arbeiten müssen. In unserer Schweiz sind für mich Armutsbekämpfung und Werteerhalt wesentlich. Hier im Limmattal ist es einfühlsame Begleitung von Menschen in schweren Situationen und Angebote für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. Dies sind klare Forderungen der heutigen Zeit, und ich hoffe und vertraue, hierin aktiv mitwirken zu dürfen. So wirst Du mir Erfüllung und Freude schenken und mich mit Zuversicht Dir entgegenblicken lassen.

Weisst Du, liebes 2017, dass Du eine wunderbare Zahl in Dir birgst? Nämlich die Sieben. Sieben ist eine heilige Zahl, sie bedeutet Fülle, Ganzheit, Holismus. Sie steht auch für Veränderung, ist die Summe von drei plus vier und weist auf die Verbindung von Geist und Seele hin. Wir könnten jetzt psychologischen, philosophischen und biblischen Äusserungen dazu nachgehen.
Ich freue mich jedenfalls, dass ich in Deinem Jahr 2017 gleich zweimal die Zahl sieben feiern darf!

Da mich Gedichte und Aussagen grosser Menschen im Alltag von jeher begleiten, beendige ich meinen Brief an Dich, liebes 2017 mit einem Wort der Theologin Elisabeth Moltmann:
Wer die Erde nicht berührt, kann den Himmel nicht erreichen.

Schwester Elisabeth Müggler

Liebes 2017...

Hans Egloff (56) SVP-Nationalrat und Präsident HEV Schweiz aus Aesch

Hans Egloff (56) SVP-Nationalrat und Präsident HEV Schweiz aus Aesch

Der Jahreswechsel hat etwas Reinigendes an sich oder anders ausgedrückt – er ist wie ein Reset. Alles wird neu und frisch. Hoffnungen, Wünsche und Ziele können neu formuliert werden. Er ist auch ein guter Moment, auf das vergangene Jahr zurückzuschauen und zu bilanzieren.

Wenn man sich wie ich permanent mit Politik befasst, aber nicht die Welt umstürzen will und nichts vom Klassenkampf hält, war schon 2016 ein sehr gutes Jahr. Alle nationalen Abstimmungsvorlagen konnten – aus meiner Sicht – gewonnen werden.

Ein Grosserfolg aus Hauseigentümersicht war die Übergabe der Petition «Eigenmietwert abschaffen» mit über 145 000 Unterschriften auf dem Berner Bundesplatz. Über 4000 Leute waren bei diesem Volksfest mit dabei. Nun muss endlich gehandelt werden.

Auch im Kanton Zürich konnte mit der Ablehnung der Kulturland-Initiative ein Erfolg gefeiert werden. Nichts gegen Kulturlandschutz, in den letzten sechs Jahren ist in dieser Richtung aber sehr viel geschehen. Einen gewissen Handlungsspielraum muss man sich einfach erhalten, zumal die Zürcher Bevölkerung wächst und wächst und irgendwo Platz für neue Wohnungen braucht.

Wenn es also 2017 auf dem Politparkett im gleichen Stil weitergeht, bin ich sehr zufrieden. Sehr erfreulich wäre auch, wenn wir am 12. Februar mit Adrian Leimgrübler «unseren Statthalter» endlich wieder im Amt hätten.

Jetzt wünsche ich von Herzen allen viel Zuversicht und Erfolg im neuen Jahr.
Hans Egloff

Liebes 2017...

Jonas Wittwer (24) ehemaliger Profisportler in Schweden, heute bei Unihockey Limmattal

Jonas Wittwer (24) ehemaliger Profisportler in Schweden, heute bei Unihockey Limmattal

ZVG

Ich war stets getrieben von Ehrgeiz, wollte viel erreichen im Sport und habe diesen Zielen vieles untergeordnet. Hätte mir vor zwei Jahren jemand gesagt, wo ich heute stehen werde, hätte ich ihn wohl belächelt und ihm mitgeteilt, dass ich deutlich grössere Pläne habe. 48 Monate später hat sich mein Leben radikal verändert. Ich betreibe keinen Spitzensport mehr, bin kein Teil der Nationalmannschaft und habe eine schwere Knieverletzung hinter mir, die mein Profi-Jahr in Schweden jäh beendete. Und doch war ich nie zuvor glücklicher und erfüllter in meinem Leben. Wieso?

Weil ich mein Leben nicht selbst in der Hand habe, weil ich gelernt habe, auf den zu vertrauen, der mich perfekt geschaffen und gute Pläne für mein Leben hat. Verstehen Sie mich richtig: Ich bin nicht religiös, aber ich glaube. Ein kleiner, aber feiner Unterschied. Und dank diesem Glauben erlebte ich trotz Rückschlägen und Momenten des Zweifelns immer wieder tiefen Frieden.

Rückblickend sehe ich, dass ich nicht nur durch alles hindurch liebevoll getragen wurde, sondern alles sogar zu etwas noch Besserem geführt hat. Ich spiele wieder Unihockey, habe mit Unihockey Limmattal ein geniales Team, mit dem ich bereits wieder gross träume, bekam einen genialen Job und lernte die Frau kennen, die ich nächstes Jahr heiraten darf. Ich freue mich folglich riesig auf dich. Ich erhoffe mir zwar kein ruhiges Jahr, das wäre fast zu langweilig, aber ich wünsche mir und Ihnen, dass wir, komme was wolle, vertrauen, hoffen, lieben und Liebe empfangen dürfen.

In diesem Sinne, ein gesegnetes neues Jahr!
Jonas Wittwer