Bergdietikon
Zebu-Stier hilft den heimischen Kollegen auf die Sprünge

Auf der Weide der Schneiders wurden widerstandsfähige Kreuzungen gezüchtet, da die Samenqualität der heimische Rassen durch die höheren Sommertemperaturen bei uns zunehmend leidet.

Gabriele Heigl
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Die kleinen Dexter und Dexter-Kreuzungen stellten für den hochbeinigen Peter keine grosse Herausforderung dar.

Die kleinen Dexter und Dexter-Kreuzungen stellten für den hochbeinigen Peter keine grosse Herausforderung dar.

ZVG

In diesem Jahr verbrachte ein ungewöhnlicher Gast seine Sommerfrische auf dem Schneider-Hof. Etwa 40 Kühe aus Bergdietikon, Uri, Fribourg und dem Baselbiet halten sich jede Saison im Sömmerungsbetrieb von Heinz und Beatrice Schneider im Eichholz auf, darunter auch einige Kühe der Dexter-Fleischrinderrasse sowie Dexter-Kreuzungen aus Heitenried im Kanton Freiburg.

In diesem Jahr gesellte sich Zebu-Stier Peter als Sömmerungsbegleitung zu den Dexter-Damen. Sein Besitzer Hansruedi Lobsiger aus Wünnewil hatte ihn zwecks Natursprung an den Heitenrieder Kollegen vermietet. Und Schauplatz der Tête-à-Têtes sollte eben die Weide der Schneiders sein.

Der Fremdling mit dem auffälligen Buckel erregte sofort grosses Aufsehen, sowohl bei Bergdietiker Spaziergängern als auch bei den Kühen. Kaum war er auf der Weide angekommen, scharwenzelten sie um den Exoten herum.

Die reinrassige Dexter-Kuh hat einen geschwungenen Nasenrücken. Bei den Zebu-Kreuzungen hingegen ist er wie mit dem Lineal gezogen. Ausserdem legen sie mit jeder Generation an Grösse zu.

Die reinrassige Dexter-Kuh hat einen geschwungenen Nasenrücken. Bei den Zebu-Kreuzungen hingegen ist er wie mit dem Lineal gezogen. Ausserdem legen sie mit jeder Generation an Grösse zu.

GAH

Und Peter machte sich sofort an die Arbeit – zum grossen Amüsement der Schneiders. «Durch den Grössenunterschied musste Peter gar nicht springen, er konnte es im Stehen machen. Er hätte auch drüberlaufen können», meint Heinz Schneider lachend.

Dem Samen wird es zu heiss

Das anspruchslose Zebu oder Buckelrind kommt ursprünglich aus Indien und liebt die Hitze. In Brasilien wurde eine Zebu-Rinderrasse mit aus Indien importierten Rindern gekreuzt, heraus kam die Zebu-Rasse Nelore. Peter gehört dieser Rasse an.

Nelores haben einen ausgesprochen grossen Höcker, dessen Fleisch in Brasilien sehr geschätzt wird, und lange Beine. Was sie aber für Kreuzungen so interessant macht, ist ihre Toleranz gegenüber hohen Temperaturen. Ausserdem entwickelten sie eine natürliche Resistenz gegen Parasiten und Krankheiten. Beides ist mittlerweile auch in Mitteleuropa gefragt, wo die Folgen des Klimawandels zu spüren sind.

«Bei den heimischen Rassen gibt es zunehmend Probleme mit der Samenqualität der Zuchtstiere», so Schneider. Ab 35 Grad aufwärts nehme sie rapide ab und gehe mit steigender Temperatur immer mehr gegen Null – ein echtes Problem bei Mutterkuh-Schweiz-Betrieben, die ausschliesslich auf den Natursprung setzen und keine künstlichen Besamungen erlauben. Schliesslich wird im Laufe des Sommers gedeckt.

Mittel gegen aggressivere Fliegen

Und noch etwas scheint mit der Klimaerwärmung einherzugehen: aggressivere Fliegenarten, die den Kühen vermehrt Eier in die Augen legen, was zu Erblindungen führen kann. Vor allem Dexter- und Angus-Rinder haben mangels Wimpern damit zu kämpfen; anders die Zebu-Kreuzungen. «Auch Durchfall haben diese Rinder nicht mehr, genauso wie manch andere Krankheit», so Heinz Schneider.

Heinz Schneider und Tochter Tanja.

Heinz Schneider und Tochter Tanja.

GAH

Einige der Kühe, die Peter auf dem Schneider-Hof gedeckt hat, sind bereits Zebu-Kreuzungen. Als Laie erkennt man sie vor allem an den geraden Nasenrücken, den längeren, massigeren und somit fleischigeren Körpern und den höheren Beinen. Ausserdem legen sie mit jeder Generation um etwa zehn Zentimeter an Grösse zu.

Erstmals im Kanton Zürich

Peter war der erste Zebu-Stier, der im Kanton Zürich in der Züchtung eingesetzt wurde. Besitzer Hansruedi Lobsiger leistet seit 2003 Pionierarbeit bei der Züchtung mit dieser Rasse. Er ist überzeugt, dass im Zuge der Klimaveränderung immer mehr Landwirte auf das Zebu setzen werden. Vier Stiere vermietet er mittlerweile; 500 Franken verlangt er für drei Monate. Gesamtschweizerisch gibt es laut Mutterkuh Schweiz etwa 100 Rinder verteilt auf
13 Höfe.

Als Ende September der Zeitpunkt seiner Abreise gekommen war, weigerte Peter sich, allein zu gehen. «Er blieb stur vor dem Hänger stehen und schnaubte bedrohlich», so Schneider. Erst als eine der Kühe und ein Kalb hineingeführt wurden, folgte er schliesslich auch. Die beiden Lockvögel wieder herauszuholen, scheiterte am Widerstand des Stiers. Die zurückgebliebenen Kühe, die sich mit Peter den Sommer über auf der Weide vergnügt hatten, kehrten kurze Zeit später trächtig auf den heimischen Hof in Heitenried zurück. Im Frühjahr werden sie kalben.