Ein Fahrlehrer musste sich gestern Dienstag wegen grober Verkehrsdelikte und Nötigung vor dem Zürcher Obergericht verantworten. Die Vorwürfe gingen auf den 15. Oktober 2009 zurück. Damals fuhr der Beschuldigte um die Mittagszeit mit seinem Auto über die A3 in Richtung Luzern.

Auf der Höhe von Birmensdorf fühlte er sich von einer Autolenkerin hinter ihm bedrängt. Laut Anklage verlor der ansonsten geduldige Fahrlehrer die Nerven. Er nahm beide Hände vom Lenkrad und schlug die Fäuste aufeinander. Nachdem die Frau ihm ihren gestreckten Mittelfinger zeigte, wollte er sie zur Rede stellen.

Nötigung und Verkehrsdelikte

Als beide Fahrzeuge bei Birmensdorf die Autobahn verliessen, überholte der Fahrlehrer die Frau auf der rechten Seite und bremste sie beim Einbiegen in die Luzernstrasse mit einem Schikanestopp aus. Die Lenkerin konnte aber nicht rechtzeitig bremsen und krachte in den Wagen des Angeklagten hinein. Beide Personen kamen ohne Verletzungen davon. Da schon bald die Polizei am Tatort eintraf, folgte eine längere Strafuntersuchung.

Im September 2011 musste sich der Fahrlehrer wegen grober Verkehrsdelikte und Nötigung vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten. Schon damals beteuerte er vergeblich seine Unschuld. Er stellte das Rechtsüberholen und die Vollbremsung in Abrede. Allerdings räumte er ein, dass er beabsichtigt habe, die Autolenkerin zum Anhalten zu bewegen.

Das Dietiker Gericht kam zu Schuldsprüchen und stützte sich dabei auf eine neutrale Augenzeugin. Die unabhängige Automobilistin hatte ausgeführt, dass der Angeklagte absichtlich abgebremst habe. Das Bezirksgericht legte eine bedingte Geldstrafe von 50Tagessätzen zu 50Franken und eine Busse von 800Franken fest.

Vergeblich Freispruch gefordert

Der Verteidiger legte Berufung ein und verlangte vor dem Obergericht Freisprüche. Sein Mandant habe nur unbewusst fahrlässig gehandelt, plädierte er. Der Angeklagte machte geltend, dass er keinen Schikanestopp ausgeführt habe. Wie vor einem Rotlicht habe er langsam abgebremst, um mit der Geschädigten in Kontakt zu kommen. Diese habe danach mit einer Fehlmanipulation die Kollision verursacht. Der Fahrlehrer appellierte an die Oberrichter, ihm zu glauben. Bei einem Schuldspruch würde er seinen Beruf und seine Existenz verlieren, beklagte er sich und stellte tragische Folgen in Aussicht.

Aber das Obergericht bestätigte die Dietiker Schuldsprüche in weiten Teilen. Sowohl das Rechtsüberholen als auch der Schikanestopp seien grobe Verletzungen von Verkehrsregeln, sagte der Gerichtsvorsitzende Christoph Spiess. Hinzu komme die Nötigung. Die Oberrichter stützten sich dabei auch auf das Schadensbild ab. Dieses und die Unfallspuren bestätigen laut Urteil die Versionen der Geschädigten und der Augenzeugin.

Einzig bei der Strafzumessung kam die kantonale Kammer dem Angeschuldigten entgegen. Sie reduzierte die Sanktion für den hoch verschuldeten Schweizer auf 50Tagessätze zu 30Franken bedingt und setzte eine Busse von 500Franken fest.