Die Wirtschaft will sie, die Stadt, die Region und auch der Kanton. Und pendelnde Konsumenten und Arbeiter wären froh darum. Aber der Bundesrat sagt Nein zum Bau der S-Bahn-Station Dietikon Silbern bis ins Jahr 2035.

Das Projekt sei von zweiter Dringlichkeit, heisst es in der Botschaft zum Ausbauschritt 2035 für die Bahninfrastruktur, die er gestern in Bern vorstellte. Nun liegt der Ball bei den Parlamentariern in Bern, dieses könnte die S-Bahn-Station noch in den Ausbauschritt 2035 aufnehmen. Es ist aber unwahrscheinlich.

Der Hintergrund: Bund und Kanton stellen sich auf den Standpunkt, dass die neue Haltestelle erst gebaut werden kann, wenn die Bahninfrastruktur auf dieser Strecke ausgebaut ist, wenn also mehr Gleise zur Verfügung stehen. Dies wäre zum Beispiel dann der Fall, wenn der Mega-Tunnel zwischen Zürich und Aarau gebaut ist. Da diese Direktverbindung im Ausbauschritt 2035 nicht enthalten ist, ist auch die S-Bahn-Station Silbern noch nicht enthalten. «Der Planungsstand der Direktverbindung Aarau–Zürich ist noch nicht genügend fortgeschritten. Ihre Realisierung würde den finanziellen Rahmen und den Zeithorizont des Ausbauschritts 2035 sprengen», sagte gestern eine Sprecherin des eidgenössischen Departements für Verkehr (Uvek) auf Anfrage der Limmattaler Zeitung.

Beim Ausbau 2035 hat ihr Departement zu wenig Gehör fürs Limmattal: Uvek-Vorsteherin Doris Leuthard (CVP).

Beim Ausbau 2035 hat ihr Departement zu wenig Gehör fürs Limmattal: Uvek-Vorsteherin Doris Leuthard (CVP).

«Notwendigkeit ist unbestritten»

Dieser Argumentationslinie folgt auch die Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP), die sich mit der bundesrätlichen Botschaft grundsätzlich zufrieden zeigt. «Der Kanton Zürich erhält mit dem Ausbauschritt 2035 sehr viel. Unsere öV-Zukunft hängt vom Brüttener-Tunnel und vom vierten Gleis am Bahnhof Stadelhofen ab und diese Projekte sind im Ausbauschritt enthalten», sagt die Regierungsrätin, «aber es gibt Wermutstropfen». Die Notwendigkeit der zusätzlichen Haltestellen Dietikon Silbern und Winterthur Grüze sei schliesslich unbestritten, sagt Walker Späh.

Mit Hartnäckigkeit könne man die S-Bahn-Station Silbern zur politischen Reife bringen, sagt die Zürcher Regierungsrätin Carmen Walker Späh (FDP)

Mit Hartnäckigkeit könne man die S-Bahn-Station Silbern zur politischen Reife bringen, sagt die Zürcher Regierungsrätin Carmen Walker Späh (FDP)

Dietikon und das Limmattal müssten nun dranbleiben. «Es braucht viel Hartnäckigkeit, harte Zahlen und harte Fakten. So wird man die politische Reife erreichen.» Genau gleich sei es beim Bahnhof Stadelhofen gewesen. «Wir mussten dem Bund sogar erklären, wieso der Bahnhof Stadelhofen für die ganze Schweiz und nicht nur für Zürich wichtig ist», blickt Walker Späh zurück.

Nun gilt es nach vorne zu schauen. «Das Gebiet Silbern hat weiterhin meine volle Unterstützung. Ebenso bin ich auf die Unterstützung der Silbern angewiesen, zum Beispiel beim Lobbying», sagt Walker Späh. Das Limmattal solle den Kopf nicht hängen lassen. «Die Wirtschaft im Limmattal wird sich weiterhin gut entwickeln wie in den letzten Jahren. Und sie wird mit der Limmattalbahn weiteren Schwung aufnehmen.»

Bedauern bei der IG Silbern

Die Interessengemeinschaft Silbern drückte in einem Communiqué am Mittwochabend ihr Bedauern über die «Lücke beim Bahn-Ausbauschritt 2035» aus. Die Dringlichkeit sei gegeben. Viele der 5000 pendelnden Silbern-Arbeitnehmenden würden mit der Station Silbern zum Umsteigen auf den öV ermuntert werden und könnten von massiv kürzeren Reisezeiten profitieren, heisst es im Communiqué der IG Silbern.

Zudem sei eine hohe Frequenz für die Haltestelle erwiesen. Mit ihr würden die Umwelt- und die Verkehrsbelastung der umliegenden Quartiere abnehmen. Weiter würde sich die Situation für Konsumenten, Einkaufszentren und Transportunternehmen und viele mehr verbessern.

«Wir bedauern die Nichtberücksichtigung der S-Bahn-Station Silbern auch deshalb, weil sie für die Wirtschaft Arbeitsplätze schaffen würde, für die ganze Region vorteilhaft wäre und weil bei der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung des Industriegebietes Silbern bis in den Kanton Aargau hinein beträchtliche Verdichtungspotenziale genutzt werden könnten. Wir hoffen, der Bundesrat ändert seine Meinung bald», wird IG-Präsident Urs Jenny im Communiqué weiter zitiert.

Die Forderung nach einer S-Bahn-Station Silbern gilt also nach wie vor. Sie ist seit vier Jahren auch im Richtplan des Kantons Zürich enthalten.

Kämpften und kämpfen für die Station Silbern: der Dietiker alt Stadtpräsident Otto Müller (FDP), IG-Silbern-Präsident Urs Jenny und der neue Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) vor dem City-Plaza-Gebäude an der Generalversammlung der IG Silbern im September.

Kämpften und kämpfen für die Station Silbern: der Dietiker alt Stadtpräsident Otto Müller (FDP), IG-Silbern-Präsident Urs Jenny und der neue Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) vor dem City-Plaza-Gebäude an der Generalversammlung der IG Silbern im September.